70 Jahre altes KennzeichenSchwarz, zweistellig und eine echte Rarität

Genau weiß es niemand mehr – aber das Kennzeichen St 33 dürfte mehr als 70 Jahre alt sein. Und damit älter als sein Besitzer.

Der Wagen ist 40, der Besitzer 69 Jahre alt, das Kennzeichen vermutlich noch zwei Jahre älter © Beate Pichler
 

St 33: Wie viele Jahre dieses Kennzeichen tatsächlich schon auf dem Buckel hat – es lässt sich nicht mehr feststellen. Weder bei der Bezirkshauptmannschaft Graz-Umgebung noch im Landesarchiv finden sich diese Daten von anno dazumal heute noch – es kann nur spekuliert werden: Im Jahr 1947 wurde in Österreich auf einheitlich schwarze Nummerntafeln mit weißer Schrift umgestellt. Von der niedrigen Nummer ausgehend, dürfte das Kennzeichen St 33 wohl eines der ersten gewesen sein, das damals in der Steiermark ausgegeben wurde. Also vor 70 Jahren!


Und es ist noch immer im Umlauf – im wahrsten Sinn des Wortes: Seit den 60er-Jahren ist die Familie Kurzmann aus Lamberg in der Gemeinde Raaba-Grambach mit diesem Kennzeichen unterwegs. Zunächst Vater Franz Kurzmann: Er fuhr damals einen Mercedes mit Heckflossen, Baujahr 1960. Der Kofferraum, erinnert sich Sohn Raimund, war so groß, dass man damit Gemüse führen konnte. Wichtig, denn schon die Mutter verkaufte Streuobst, Kräuter und Gemüse auf dem Kaiser-Josef-Markt in Graz.

Kfz-Kennzeichen

Mit Verordnung vom 27. September 1905 wurden in Österreich Kfz-Kennzeichen eingeführt und das erste am 7. Jänner 1906 in Wien zugewiesen. An jedem Auto und Motorrad musste ein „Erkennungszeichen“ (erst seit 1910 „Kennzeichen“) vorne und hinten angebracht werden – in schwarzer Schrift auf weißem Grund. Und zwar mit einer Länder- bzw. Rayonkennung (H für Steiermark) und einer Evidenznummer. Ab 1930 waren die Schilder schwarz mit weißer Schrift, für die Steiermark galt weiterhin die Länderkennung H.
Nach dem Anschluss gab’s deutsche Kennzeichen, nach dem Krieg unterschiedliche Regelungen je nach Besatzungsmacht, ab 1947 dann die einheitlichen schwarzen Tafeln, die seit 1990 sukzessive durch weiße ersetzt werden – aber so lange gültig bleiben, so lange ein Auto nicht umgemeldet wird.


Auch der Junior legte sich ein paar Jahre später so ein Auto zu – und tauschte es schließlich Anfang der 80er-Jahre gegen den damals zwei Jahre alten Mercedes 230 T, der zwar eine kleine Delle beim Kühlergrill, dafür aber im Kombiheck genug Platz hatte, um sogar ein paar Ferkel zu transportieren. Nicht unwesentlich für einen Nebenerwerbslandwirt, der Raimund Kurzmann mit 69 noch immer ist. Längst ist es seine Frau Christine, die am Markt steht.

Schwarze Nummerntafeln

33.344 schwarze Kennzeichen gab es Mitte 2017 noch in der Steiermark, in Graz-Umgebung 3293. Die meisten davon auf Anhängern und Sonderfahrzeugen.


Mit Jahrgang 1949 dürfte Kurzmann zwei Jahre jünger als das Kennzeichen seines (im Juli 40 Jahre alt gewordenen) Autos sein. Dieses wurde mittlerweile schon zweimal generalüberholt. „Da musst immer etwas tun“, weiß der Bauer – ob sich das seine Kinder einmal antun wollen? Wird sich weisen. Drei gäbe es, acht Enkerl und sogar schon ein Urenkerl.


Und im Gegensatz zu wohl den meisten anderen Kindern wissen sie noch, was ein altes, schwarzes Kennzeichen ist.

Kommentare (2)

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gerbur
16
1
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In den 60er Jahren mit dem

Mercedes zum Bauernmarkt! So viel zum Thema Bauern und Einkommen.

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Buero
2
16
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Ihr Bild

das ist eigentlich der dümmste Kommentar, den ich je gelesen habe. Wie sollen Bauern in ihren Augen sein? Arm, hinterwälderisch, mit dem Handkarren zum Bauernmarkt, dreckige Kleider und zurückgeblieben?

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