Plus 8,9 ProzentÖffi-Tickets: Auch die Jahreskarte Graz wird deutlich teurer

Verkehrsunternehmen sind einstimmig für höhere Tarife. Stadtspitze will Sondertarif um 22 Euro anheben. Opposition rotiert.

Der Umschlagplatz für den öffentlichen Verkehr: der Jakominiplatz im Herzen von Graz © Juergen Fuchs
 

Unbeeindruckt von der Kritik von SPÖ, den Grünen und KPÖ hat die Kooperationsgemeinschaft der Verkehrsunternehmen am Mittwoch einstimmig ihre Erhöhung der Tarife um rund 3,6 Prozent beschlossen. Der Beschluss im Lenkungsausschuss nächste Woche ist eigentlich noch Formsache. Die Wogen glätten sich aber nicht.

Denn die verbilligte Jahreskarte Graz - für Menschen mit Hauptwohnsitz in Graz - kostet ab 1. Juli wohl 269 Euro statt bisher 247. Dieses deutliche Plus von 8,9 Prozent argumentiert Finanzstadtrat Günter Riegler (ÖVP) mit den hohen Kosten: 2017 hat die Stadt diese billige Jahreskarte mit insgesamt 6,2 Millionen Euro gefördert. Bei der Einführung im Jahr 2015 hat man allerdings nur mit rund vier Millionen Euro jährlich gerechnet.

Auch die 269 Euro seien „noch immer ein unglaublich attraktiver Preis“, betont Finanzstadtrat Riegler. Um 74 Cent pro Tag könne man sämtliche Straßenbahn- und Buslinien nutzen. „Das sucht seinesgleichen in Österreich.“

Das sieht Koalitionspartner, FPÖ-Vizebürgermeister Mario Eustacchio nicht anders. Auch wäre es absurd, wenn "wir massiv in Angebot und Ausbau investieren, aber die Einnahmen zurückfahren".

Die neuen Tarife ab 1. Juli 2018

1 Stunde: 2,40 Euro (aktuell 2,30)
24-h-Karte: 5,30 Euro (5,10 Euro)
1 Woche: 14,80 Euro (14,30 Euro)
10-Zonen-Karte: 20,60 Euro (derzeit 20 Euro)
Monatsticket: 49 Euro (47,60)
Halbjahreskarte: 254 Euro (derzeit sind es 244)
Jahreskarte: 440 Euro (422 Euro)
Jahreskarte Graz: 269 Euro geplant (247 Euro)
Top-Ticket: 110 Euro (106; nur für Schüler und Lehrlinge )

Die SPÖ widerspricht heftig: Denn die Anhebung liege deutlich „über der Inflationsrate, wie auch deutlich über den Pensionserhöhungen und Gehaltsabschlüssen“, rechnet Klubchef Michael Ehmann. Er betrachte die Stundenkarte als „Schnupper-Ticket - eine erste Einladung zum Umsteigen“. Diese Karte um 10 Cent zu verteuern, sei aber „ausladend“. Denn gerade wer „olympiareif sein will, wird doch nicht auf Öffi-Pfennigfuchserei angewiesen sein?“, ätzt er in Richtung Olympia-Fan und Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP).

Jahreskarte Graz: Opposition will Tarif einfrieren

Kritiker der Tariferhöhung sind auch Stadträtin Elke Kahr und Manfred Eber (KPÖ). Die Verkehrsstadträtin weiß wohl, dass sie kein Vetorecht besitzt und ihrem Beamten keine Weisung erteilen kann, gegen die (vertraglich korrekte) „Anpassung“ zu stimmen. Sehr wohl will man im Gemeinderat im April versuchen, die verbilligte Jahreskarte auf dem Niveau von 247 Euro zu halten. Unterstützung dafür kommt von Tamara Ussner und den Grünen. Auch die SPÖ wird mitziehen.

Das eigentliche Problem sei aber „die vertragliche Möglichkeit der 1,75-fachen Erhöhung im Vergleich zum Verbraucherpreisindex“, pocht Ehmann auf eine Vertragsänderung. Damit steht er nicht alleine da. Unter Gerhard Rüsch (ÖVP) hat es in Graz solche Versuche ebenso gegeben wie unter Gerhard Kurzmann (FPÖ) im Land.

Reform des Verkehrsverbundes soll ab 2019 greifen

Der amtierende Verkehrslandesrat Anton Lang (SPÖ) wollte die Grazer Ende 2017 insgeheim überzeugen, die Tariferhöhung gemeinsam abzufedern und einen niedrigeren Index (gemäß Regelbeförderungspreise; etwa 2,7 Prozent) anzuwenden. Die Stadt lehnte allerdings aus budgetären Gründen ab. Nach der Verkehrsverbundreform 2019 soll es besser aussehen.

 

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