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Spaziergang mit PaulaFranziskanerplatz: Im Salon des heiligen Franziskus

SERIE. Zuerst Friedhof, später Marktplatz und schließlich einer der gastfreundlichsten Flecken in Graz: der Franziskanerplatz, eine Oase für das leibliche wie auch das seelische Wohl.

© (c) Stefan Pajman
 

Das erste Kennenlernen mündete in einer tiefen Beziehung. Und das kam so. Als aus der Obersteiermark Zugereister versuchte ich Anfang der 70er-Jahre die Seele der neuen Heimatstadt Graz zu ergründen. Einer, der im Begriff war, in den Beruf des Buchhändlers hineinzuwachsen, griff dafür natürlich zu einem spezifischen Mittel, also zu einem Buch. Und da gab es eine feine Broschüre, die zum ersten Kennenlernen eine abendliche Tour durch die Innenstadt empfahl, durch verwinkelte, noch unbekannte Gässchen.

Zum Abschluss des Spazierganges ermunterten die Autoren zu einem Gläschen Rotwein in einer der Weinstuben auf dem Franziskanerplatz. Auch wenn es dann nur ein großer Krug Apfelsaft in einem dieser alten Wirtshäuser wurde – der matt erleuchtete Platz, eingefasst mit teils verschnörkelten Barockfassaden und dem festungsartigen Bau der Franziskanerkirche, mit der Neue-Welt-Gasse als Vorzimmer und dem Kapaunplatz als Hinterzimmer, wirkte wie ein einladender Salon. Und das tut er noch immer.

Spaziergang Franziskanerviertel: Im Salon des heiligen Franziskus

Der Turm der Franziskanerkirche war in früher Bestandteil der hier verlaufenden Stadtmauer

ballguide/Stefan Pajman

Ein ganz besonderes Geschäft heute  . . .. .

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 . . . . und früher

Karl A. Kubinzky

Blick in den schönsten Salon von Graz

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Das heutige Don Camillo war früher der "Kleine Elefant"

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Und so sah es aus, als es noch den "Kleinen Elefant" gab

Karl A. Kubinzky

An der Pforte zum Franziskanerkloster

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Einer der Gärten hinter den Klostermauern

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Noch ein gepflegter Klostergarten

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Blick auf eine renovierte und neu aufgesetzte Klosterfassade von innen

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Eine Oase der Stille - der Garten, der zum Verweilen einlädt

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Der Franziskanerplatz

ballguide/Stefan Pajman

Und so war er früher zu sehen

Karl A. Kubinzky

Sie schauen alt aus, diese Leuchten am Franziskanerplatz, doch sie sind jüngeren Datums, aus der einstigen Gürtlerei am Mehlplatz

Karl A. Kubinzky

Wo heute ein Elektrogeschäft drinnen ist, war früher ein Lebensmittelgeschäft, eines von zwei auf dem Freiheitsplatz

Karl A. Kubinzky

Cafes und Weinstuben

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Die Ladenzeile, die sich um die Kirche schmiegt

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Süssewarengeschäft im Schatten der Franziskanerkirche

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Der alte Franziskanerplatz

Karl A. Kubinzky

Einst hatten die Fleischhauer ihr Marktstände auf dem Franziskanerplatz, in der Nähe war seinerzeit auch der Schlachthof

Karl A. Kubinzky

Der Franziskanerplatz einst

Karl A. Kubinzky

Noch eine alte Platzansicht

Karl A. Kubinzky

Als es noch keine Lokale auf diesem alten Platz gab

Karl A. Kubinzky

Hier werden Hungrige und Durstige gelabt

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Die Verlängerung des Franziskanerplatzes - der Kapaunplatz, mit dem Franziskanerkeller bzw. der legendären Mucki's Weinstube

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Vom Kapaunplatz (Kapaun wird der kastrierte Hahn genannt, angeblich würden hier in frühen Zeiten auch Hühner bzw. Kapaune verkauft) zur Franziskanerkirche

Karl A Kubinzky

Kapaunplatz mit seinem prachtvollen alten Häuserfassaden

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Noch ein Blick zu Mucki's Weinstube, in der so manche Politiker so manche Pläne ausheckten (und Journalisten zuhörten)

ballguide/Stefan Pajman

Marktstand im Franziskanerviertel

Karl A. Kubinzky

Die Franziskanergasse in einer alten Postkartenansicht

Karl A. Kubinzky

Einige Jahre später - auch die Franziskanergasse

Karl A. Kubinzky
Karl A. Kubinzky
Karl A. Kubinzky
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Ein Friedhof im Mittelalter

Die Urgeschichte des Franziskanerplatzes könnte einem fast die Gemütlichkeit rauben. Dort, wo sich Gastgärten ausbreiten, befand sich im Mittelalter ein Friedhof, wie unser Stadthistoriker Karl A. Kubinzky zu erzählen weiß. Das Kloster war früher eines der Minoriten, die im Vorfeld der Reformation ihren „Verwandten“, den Franziskanern, Platz machen mussten. Der Kirchturm war übrigens seinerzeit Bestandteil der Stadtmauer, erzählt Kubinzky, und zur jüngeren Geschichte dieser Gegend: Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. diente der Franziskanerplatz den Markständen der Fleischhauer, auch der Kapaunplatz war Marktplatz.

Die Eiergasse

In der schmalen Franziskanergasse boten Ende des 18. Jahrhunderts italienische Kaufleute Meeresfrüchte feil, später, bis vor wenigen Jahrzehnten, spezialisierte man sich in dieser Gasse auf Eier. Kubinzky: „Man nannte die Franziskanergasse im Volksmund Eiergasse.“

Der Franziskanerplatz erlebte einen Wandel. Dort, wo früher am Abend die Hauptplatz-Standln abgestellt wurden, entstand ein Flanierviertel. Die Lebensmittelläden, zwei davon gab es, verschwanden. Ein Elektroladen und einer für Küchengegenstände finden sich zwischen alten, traditionsreichen Wein- und Gaststätten und neu eingerichteten Kaffeehäusern. An die Franziskanerkirche schmiegen sich hüttenartige Bauten, in denen Trachten, Süßwaren oder Kerzen erworben werden können.

Oase der Ruhe hinter dicken Mauern

Die großen Laternen an der Klostermauer wirken zwar alt, sind aber neuen Ursprungs. Sie verbreiten trotzdem einen Hauch Romantik. Und wenn man ein Tüpferl draufsetzen will, geht man durch das Klostertor und den Kreuzgang in den Garten rechts. Wann immer wir in diese Gegend kommen, zieht Spanieldame Paula zu dieser Oase der Ruhe hinter den dicken Mauern. Schon der heilige Franziskus bot auch Vögeln und anderem Getier seine Gastfreundschaft an. Ein Platz, der seinen Namen trägt, muss wohl generell zu den schönsten einer Stadt zählen. In Graz tut er das, der Platz, den man eigentlich auch liebevoll den Salon des Franziskus nennen könnte.

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