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Primus

Grazer Gründerszene: Die Vermessung der neuen Welt

Start-ups gelten als Rockstars der Gründer-Gegenwart. Was aber steckt hinter dem Begriff, und wird Graz als Standort tatsächlich immer gefragter? Ein Orientierungsversuch.

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Es ist die Geschichte einer Aufholjagd, grafisch erzählt in sechs Straßenbahnlinien. Noch im Jahr 2012 wurde Graz als nährstoffarmer Boden für Start-ups vielerorts belächelt, Wien und auch Linz schienen um Lichtjahre voraus.

Mittlerweile hat die steirische Landeshauptstadt an Fahrt aufgenommen. Egal ob es die Stationen-Anzahl auf der Linie 3 – Netzwerke und Events – oder die Vielzahl der Möglichkeiten auf der Linie 6 sind, die Coworking-Gelegenheiten anführt: Die Szene hat ihren Fokus auf Ausbau gerichtet.

Nimmt man die Risikokapital-Investments im Jahr 2016 unter die Lupe, fällt auf, dass Wien zwar insgesamt betrachtet noch deutlich in Front liegt, es Graz aber bereits mit zwei Start-ups, USound und Nuki, in die Top 5 schaffte. Heuer ließ Mikrolautsprecher-Spezialist USound noch einmal aufhorchen, als eine zwölf Millionen Euro schwere Investmentrunde erfolgreich abgeschlossen wurde.

Grazer Parade-Start-up: USound
Grazer Parade-Start-up: USound Foto © Robert Frankl

Nuki, ein Unternehmen, das sich mit smarten, digitalen Türschlössern beschäftigt, bringt uns indes zu Matthias Ruhri, einem nicht ganz unwesentlichen Gestalter der steirischen Jungunternehmer-Architektur und gewissermaßen Strippenzieher hinter der Start-up-Straßenbahn.

„Ja, die Start-up-Szene ist mir eine bekannte“, beginnt der 34-Jährige schmunzelnd zu erzählen. Zunächst als Selbstständiger in Linz, dann bei Runtastic, baute Ruhri später an der Karl-Franzens-Uni in Graz das Zentrum für Entrepreneurship mit auf. Heute leitet er die Geschicke von Up to Eleven – einem „Company Builder“, wie Ruhri das Unternehmen gerne nennt, das in grauer Vorzeit noch als SMS.at erste digitale Ausrufezeichen setzte.

Grafik: Die Grazer Gründerbim

Der Anspruch der Grazer? Man will „die führende Start-up-Schmiede für die Digitalwirtschaft im Süden Österreichs sein“. Nuki, das millionenschwere Türschloss, gehört zum Unternehmen.
Im Normalfall bringt Up to Eleven Infrastruktur, Beratungsleistung und Kapital in „frühphasige Unternehmen“ ein, wie Ruhri erklärt. Das neueste „Baby“: Mit einer sechsstelligen Summe beteiligt sich Up to Eleven bei Logoshuffle, einem Grazer Start-up, das sich auf automatisierte Online-Design-Lösungen spezialisiert.

Wie Ruhri die Kritik vieler Jungunternehmer sieht, die behaupten, in Graz gäbe es noch zu wenige Investoren und damit einhergehend zu wenig Kapital? „Auch bei den Start-ups gibt es noch Nachholbedarf. Viele müssen investorenfit werden, sich professionalisieren.“ Erst dann würde Graz sichtbarer werden und mehr potenzielle Kapitalgeber anlocken. Denn noch immer werden viele Gründer von anderen Wirtschaftstreibenden mit unternehmerischer Naivität gleichgesetzt.

Matthias Ruhri von Up to Eleven
Matthias Ruhri von Up to Eleven Foto © Stefan Warmuth

Ab wann denn ein Start-up überhaupt Start-up genannt werden darf, da scheiden sich freilich die Geister. Wenngleich man in der Szene nicht so streng ist. Grundsätzlich gilt, dass man international ausgerichtet sein soll und starke Wachstumsmöglichkeit im Jungunternehmen sieht. Zudem haben sehr viele Start-ups eine hohe Affinität zu Internettechnologien. „Hohe Skalierbarkeit“, fällt indes Stefan Fedl rasch ein, wenn er an seinen Start-up-Begriff denkt. Gemeinsam mit Florian König und Patrick Schwarzenberger steht Fedl hinter Micardo.

Die Auto-Suchmaschine als Sinnbild

Durchstarten will das Grazer Start-up als erste länderübergreifende „Auto-Suchmaschine“, gewissermaßen als Checkfelix für Autonarren. Aktuell sammelt das steirische Portal Daten von österreichischen und deutschen Verkaufsplattformen, sortiert diese und stellt eine Vollkostenrechnung auf.

Importkosten (NoVA, Transport) werden in den Preisvergleich einberechnet, auch ein Abholservice wird gemeinsam mit Partnern schon angeboten. Geld will Micardo durch klassische Provisionen per Deal und Vermittlungsprovisionen per Klick verdienen.

Warum das Dreigespann besonders gut in diese Geschichte passt? Kennengelernt hat sich das Trio beim „Startup Spritzer“. Einem monatlich vom Ideentriebwerk Graz veranstalteten Stammtischformat – und wichtigen Indikator für die unternehmerische Belebung der steirischen Landeshauptstadt.

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