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Elektro-Mobilität

Was ist da los? E-Busse dürfen nicht auf Grazer Straßen

Die brisanten Hintergründe, warum mehrere neue E-Busse aus China in Graz "Fahrverbot" haben - obwohl sie von der Holding und von Parteien im Vorwahlkampf eifrig beworben wurden.

E-Busse: Lange Mängelliste
E-Busse: Lange Mängelliste © Holding
 

Es schien ja alles perfekt zu sein, an diesem 6. Dezember 2016: Die Holding Graz hatte zu einem großen Elektro-Bus-Testlauf im Vorfeld des Grazer Wahlkampfs geladen: Politik, Vorstand, Journalisten waren dabei, um auszufahren.

Im Februar 2017 bleibt von diesem Glanz jedoch nicht mehr viel übrig: Der Kleinen Zeitung liegen Berichte und Aussagen über erhebliche technische Mängel der E-Busse vor. Diese sind sogar so gravierend, dass die Busse nicht einmal mehr auf die Grazer Straßen dürfen.

Die Kleine Zeitung hatte in den letzten Monaten mehrmals bei Verantwortlichen nachgefragt, warum die längst angekündigten Busse noch immer nicht im Linienverkehr/Testbetrieb eingesetzt worden sind.

Jetzt war auf eine weitere Anfrage die jüngste Holding-Version („Software-Probleme“) nicht mehr zu halten. Es gibt nämlich eine ganze Reihe von massiven Beanstandungen bei den E-Bussen aus China.

Die wichtigsten: Von der Kabelverlegung bis zur Lenkung, von den Türeinstiegen bis zur Heizung - teilweise hätten bei den Mängeln, die aufgetreten sind, im schlimmsten Fall sogar Passagiere in Gefahr geraten können. Die TU Graz wurde von der Holding beauftragt, eine Überprüfung vorzunehmen, und hat eine eigene Mängelliste verfasst.

Die wichtige Frage, seit wann man im zuständigen Vorstandsbereich genau über die Mängel Bescheid weiß, ist noch nicht geklärt. Die Holding im O-Ton: „Beide Hersteller (Anm: aus China) haben den Graz-Linien selbstverständlich Zertifikate über die Einhaltung der im EU-Raum gültigen Normen und Vorschriften übergeben, sodass alle Busse für den Testbetrieb zugelassen wurden.“

Das lässt sich mit der aktuellen Mängelliste jedoch nur schwer in Einklang bringen.

Die Holding lässt schriftlich außerdem wissen: „Die Testfahrten mit der innovativen Technologie verliefen erfolgreich und führten auch zu äußerst positivem Feedback hinsichtlich des neuartigen und effizienten Elektroantriebs ...

Wie bei Pilotprojekten zu erwarten, wurden bei diesen Tests auch Mängel und Adaptierungsnotwendigkeiten an den Bussen festgestellt. Die Kritikpunkte betreffen dabei den Zustand und die Ausstattung aller vier Busse, die nicht den Ansprüchen und Vorgaben eines Qualitätsbetriebs wie den Graz Linien entsprechen. Der Vorstand der Holding Graz überlegte sogar einen Austausch der Testfahrzeuge und forderte eine umgehende Nachbesserung durch die Hersteller."

Und: „Die Verbesserungsmöglichkeiten wurden in den letzten Wochen in Zusammenarbeit mit der TU Graz genau erhoben und den Herstellerfirmen weitergeleitet. So sind beispielsweise Adaptierungen an den Türeinstiegen, der Kabelführung, der Heizung und der Rollstuhlsicherung notwendig.“

Wer die Hintergründe für den Deal mit den Chinesen genauer ausleuchtet, wird überrascht: Es gab nämlich keine „echte“ Ausschreibung für das Projekt, sondern lediglich eine „Interessentensuche“ in Europa. Eine „echte“ Ausschreibung sei deshalb nicht notwendig gewesen, erklärt man, weil Busse und Ladeinfrastruktur von den Chinesen kostenlos zur Verfügung gestellt worden seien.

Auf dieses Angebot sei anscheinend auch die „Interessentensuche“ abgestimmt worden. Wie die Chinesen ausgerechnet nach Graz kamen, ist brisant und wird von Holding-Offiziellen inzwischen bestätigt. Ein Holding-Aufsichtsratsmitglied habe Verbindungen zu einem großen chinesischen Finanzinstitut, das sei offiziell und ordnungsgemäß so gemeldet und damit rechtlich abgedeckt, heißt es. Dieses Aufsichtsratsmitglied habe den Kontakt zwischen dem Finanzinstitut und der Holding hergestellt.

Bei einem Treffen seien auch Vertreter der chinesischen Busfirma dabei gewesen, und so sei der Deal ins Rollen gekommen. Betont wird bei der Holding aber: „Die Produzenten, die die Busse kostenlos zur Verfügung stellen und auch die Ladeinfrastruktur finanzieren, übernehmen auf Forderung des Managements selbstverständlich auch die Kosten der Adaptierungsmaßnahmen und werden die Busse in den nächsten Wochen durch einen europäischen Bushersteller nachrüsten lassen. Ein Einsatz im regulären Linienbetrieb mit den üblichen Qualitätsstandards erfolgt erst nach Abschluss dieser Adaptierungen.“

Frühester Neustart, inoffiziell verlautbart: im Juni - jedoch nur, wenn alles klappt.

Kommentare (45)

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wosinetwas
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Das wird bestimmt bald ...

... eine vielköpfige Politker-Delegation nach China reisen, um dort nach dem Rechten zu sehen. ✈️

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unterhundert
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Diese Delegationen,

waren auch des öfteren in China..aber OHNE Techniker. Aber..vielleicht haben die nur Tennis plätze besichtigt? Außerdem, sind bei diese Stromabnahme in besonders kurzer Zeit, die Thyristoren echt beansprucht. Als Passagier in einem Schrottbus, nein Danke.

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perchthaler
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Bekommen wir das gleiche Desaster wie mit den Variobahnen?

Innovationen sind gut, wenn man es kann. Die Holding hat jetzt zweimal bewiesen, dass sie es nicht kann. Nach dem noch immer nicht behobenen sieben jährigen Desaster mit den Variobahnen, wo keine wesentliche Verbesserungen durch die HG gemacht wurden, gibt es nun eine blamable Neuauflage mit den Chinesen-Bussen. Die Vorstandschefin der GL beweist immer wieder, dass sie um flotte PR-Sprüche nicht verlegen ist. Besser wäre es, die Finger davon zu lassen, wenn man offensichtlich davon nichts versteht.

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Bumsdi
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Inkompetenz und Freunderlwirtschaft

Der Nagl tut an Werktagen Mopedfahren, ins Rathaus zum Nichtstun. Nachdem er hier den umfangreichen Stillstand der Stadt prolongiert hat, fährt er wieder mit dem Moped nach Hause.
Die Muhr kommt vor lauter Tennisspielen nicht dazu, den schlechten Ruf der HGL zu verbessern.
Aufgrund dieser Kernkompetenzen ist es ein Leichtes für das eine Freunderl, den chinesischen Freunderln einen Auftrag zu zu schanzen ...
Das war vor der Wahl - für den Nagl ein Erfolg - es kann so weiter gehen, meint er wohl, die Mehrheit hat hat den Stillstand gewählt!

Wäre vielleicht anders gekommen, hätte die Kleine Zeitung schon vor der Wahl drüber geschrieben ...

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Achmachal
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Aber billig warens.

Kann man nix sagen. Ich freue mich schon auf die Mängelliste der ersten Murgondelprototypen. Da kann man dann sehen, welcher der beiden Anbieter billiger ist.

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energyman
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Warum wird in diesem Artikel nicht erwähnt,

dass dieses chinesische Unternehmen auch als 50%-Investor für das Verlustprojekt Murkraftwerk im Gespräch ist? Es handelt sich doch um eine sehr wichtige Information!

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praimann
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Aufpassen auf ein andres Szenario ...

.. die ESTAG hat sich erst kürzlich mit dem Verbund außergerichtlich in der Causa Mellach-Bereithaltung geeinigt. Da ging es um eine höhere 2-stellige Millionenforderung des Verbundes. Hypotetisch könnte sich die ESATG sehr wohlwollend geeinigt haben, um dem Verbund den Wiedereinstieg schmackhaft zu machen ...

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stadtkater
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Wenn die Chinesen dafür

den Auftrag für die geplante E-Busflotte von fast 100 Stück ohne Ausschreibung erhalten, zahlt sich für sie das Investment in das Murkraftwerk sicherlich aus! Man kann ja über alles reden - es hängt ja alles nur von der geeigneten Finanzierungsstruktur ab ;-)!

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jahcity
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Murkraftwerk

Investor - Die Chinesen!!! ohne weitere Worte!

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stadtkater
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Ja wenn

sowohl die Wien Energie als auch der Verbund und die Porr zu blöd sind die Lukrativität dieses Projekts zu erkennen? Früher einmal hat ein reicher Onkel aus Amerika oder ein befreundeter Ölscheich für so etwas herhalten müssen und heutzutage gehören eben milliardenschwere aufstrebende Chinesen her!

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stadtkater
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Vorhersage: Diese E-Busse werden genau so einwandfrei funktionieren

wie die digitalen Anzeigetafeln der Holding Graz Linien,
wie die Funkdurchsagen der Holding Graz Linien,
wie die regen- und winddurchlässigen Wartehäuschen der Holding Graz Linien und wie die Klimaanlagen im Cityrunner und wie die lärm- und vibrationsdämpfenden Adaptionen in der Variobahn!

Alles Umsteigen in die Öffis zur Feinstaubreduktion in der smart City of Design!

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checker43
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Hahahaha

„Beide Hersteller haben den Graz-Linien selbstverständlich Zertifikate über die Einhaltung der im EU-Raum gültigen Normen und Vorschriften übergeben, sodass alle Busse für den Testbetrieb zugelassen wurden.“

Dann weiß die Holding jetzt, was solche Zertifikate wert sind. Und welche Behörde hat die Busse ohne Werkstattüberprüfung zugelassen?

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stadtkater
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Also, wenn man heutzutage nicht einmal mehr

den Chinesen trauen kann, dann hört sich schön langsam alles auf ;-)!

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stadtkater
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Ohne Ausschreibung?

Wird die gesetzlich vorgeschriebene Ausschreibung nachträglich nachgeholt? Übrigens, liebe Entscheidungsträger bei der Holding: Am Bazar von Istanbul gibt's echte Rolex um 50 Euro, auch mit Echtheitszertifikat ;-)!

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Think_simple
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Kostenwahrheit

Man sollte aber schon auch so sachlich sein, zu erwähnen dass das ganze die Holding mittlerweile über 1Mio € gekostet hat - für die Errichtung der Ladestationen, die im schlimmsten Fall komplett für nichts hinausgeworfen wurden.
Klar, in der "Kleinen" darf solch sachlicher Inhalt nicht genannt werden (wäre ja dem Sigi unangenehm), musst ja auch diese Geschichte bis nach den Wahlen zurück gehalten werden. Schade, was aus der "Kleinen" mittlerweile geworden ist - PFUI!

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stadtkater
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Die 1 Mille holt sich die Holding

bei der jährlichen Tarifanpassung im Juli locker wieder zurück!

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stadtkater
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1 Mio Euro sind für die Holding Graz "Peanuts"!

Ausserdem wurden dadurch Arbeitsplätze geschaffen und gesichert und die regionale Wirtschaft belebt - wie beim Murkraftwerk!

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Efried
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kein Pfusch

Das passiert weil alles kostenlos sein muss. Die Politik ist der Finanzierung des Gefolges einfach zu teuer und für Projekte bleibt kein Geld übrig.

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stadtkater
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Achtung:

Hier bahnt sich eine Wiederholung des Variobahn-Desasters an! Welche überbezahlten Pfuscher sind hier wieder am Werk?

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stadtkater
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Warnung:

Diese Chinesen sind auch als Investoren für das Murkraftwerk im Gespräch!

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Grazer1960
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Investoren

Sind sie nicht. Sie können sich in diesem Punkt wieder abregen

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stadtkater
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Sind sie doch!

Sie können in den Medien am 6. Dezember letzten Jahres nachlesen, dass der chinesische Staatskonzern CRRC (Anbieter der E-Busse) unserem Bürgermeister Nagl schriftlich sein Interesse an einer Beteiligung am Murkraftwerk ausgedrückt hat.

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stadtkater
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z. B. Klippmagazin: Chinesen beim Murkraftwerk?

Dienstag, 06. Dezember 2016
Bürgermeister Siegfried Nagl hat bereits ein nicht unwichtiges Schreiben überreicht bekommen: Der chinesische Konzern CRRC will sich als Partner der Energie Steiermark am geplanten Murkraftwerk beteiligen. Beim Schreiben handelt es sich um einen so genannten „Letter of intent“, was so viel heißt, wie dass die Chinesen als Gesellschafter beim Bau des Murkraftwerks mit an Bord sein wollen. Beim chinesischen Konzern CRRC handelt es sich um jenes Unternehmen, das auch für den einjährigen Probebetrieb mit Elektrobussen in Graz als Partner verantwortlich ist. Die Busse werden kostenlos zur Verfügung gestellt.

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jahcity
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Jetzt

wird auch der letzte Verbelendete sehen welch unglaubliche Propaganda dieses Murkraftwerk ermöglicht!! Die Menschen lassen sich wirklich alles verkaufen... Es gibt kein Links u Rechts es gibt nur eines: Wie nehme ich die Bevölkerung so richtig gut aus....

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stadtkater
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Wie beim Pfauengarten:

Baugenehmigung ursprünglich für ein Museum, jetzt steht dort ein Bau mit 40 Luxusapartments um je ca. 1 Mio Euro und dazu kommen noch zwei Hotelburgen mit 140 Zimmer: Wem nutzt's?

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hmw42ax4xcjxo7wqmyu2utw81wg8r0je
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was man leider nie erfährt:

wie viel Geld da geflossen ist ...von den Chinesen - zu wem auch immer.

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