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PROJEKT HILFT KINDERN

Wenn Sucht die Familie zerstört

Mehr als 20.000 Kinder in der Steiermark leben mit einem alkoholkranken Elternteil. Ein neues Hilfsangebot will ihnen Raum zum Kindsein geben.

ZERSTÖRERISCHER ALKOHOL
ZERSTÖRERISCHER ALKOHOL © APA
 

350.000 Österreicher sind alkoholsüchtig, in der Steiermark sind es 52.000 Menschen, die an dieser Sucht erkrankt sind. Man weiß, wie viel uns dieses große gesundheitliche Problem kostet (738 Millionen Euro pro Jahr), man weiß, dass Österreich mit seinem Pro-Kopf-Konsum (12,2 Liter reiner Alkohol pro Jahr) im OECD-Ranking den dritten Platz belegt. Doch die, die den Alkoholkranken am nächsten stehen und so von dem Suchtproblem am unmittelbarsten betroffen sind, werden allzu oft übersehen: die Familien und Kinder von Alkoholkranken.

Gefühlsachterbahn

"Kinder, die in einem solchen Umfeld aufwachsen, leben ständig in einer Gefühlsachterbahn“, sagt Michael Sailer. Der Psychologe von Vivid, der Fachstelle für Suchtprävention, startet im Mai ein spezielles Programm für Kinder aus alkoholbelasteten Familien. Der Name „Wirbelkiste“ steht genau für die durchwirbelten Zeiten, die Kinder mit suchtkranken Elternteilen erleben.
Laut Schätzungen sind es mehr als 20.000 Kinder und Jugendliche in der Steiermark, die zumindest einen alkoholkranken Elternteil haben. Das Familienleben ist in vielen Fällen von unausgesprochenen Regeln geprägt, wie Sailer erklärt. „Der Alkohol ist das Wichtigste, schuld sind oft die anderen und die Familie muss alles dafür tun, damit es bleibt, wie es ist“, zählt er einige solcher typischen Familiengebote auf. Der größte Aufwand werde aber dafür betrieben, das Alkoholproblem zu verheimlichen. „So entsteht eine Kuppel des Schweigens“, sagt Sailer. Kinder dürfen nicht darüber sprechen, was sie belastet, sie dürfen auch keine Freunde mit nach Hause bringen – denn sonst könnte die Außenwelt etwas davon merken, was innerhalb der Familie passiert.

"WIRBELKISTE"

Mit 6. Mai startet Vivid das Angebot „Wirbelkiste“ für Kinder aus alkoholbelasteten Familien. Das Angebot richtet sich an Kinder zwischen acht und zwölf Jahren. Ziel ist es, Kindern zu helfen, Ängste abzubauen und mit Situationen umzugehen.
Es gibt noch Plätze.
Kontakt: Tel. (0 316) 82 33 00 oder per E-Mail unter info@vivid.at


Auch wenn das Schweigen innerhalb der Familie vermeintlich zum Schutz der Kinder passiert, hat es genau den gegenteiligen Effekt. „Kinder sind so sensibel, sie merken sofort, wenn etwas nicht stimmt“, sagt Sailer. Und sind dann mit ihrer größten Angst alleingelassen: Bin ich schuld am Problem von Mama oder Papa? „Viele Kinder glauben, wenn sie nur braver wären, würde es Mama oder Papa auch besser gehen“, sagt Sailer.

Raum zum Kindsein

Kindern diese Schuldfrage zu nehmen, ist eine der Aufgaben des Gruppenangebots „Wirbelkiste“ – durch altersgerechte Information zum Thema Sucht, die vermittelt, dass es eine Krankheit ist, an der ein Elternteil leidet. „Vor allem wollen wir den Kindern wieder Raum zum Kindsein geben“, sagt Sailer. Denn Kinder flüchten sich in ganz unterschiedliche Rollen, um in der Familie zurechtzukommen. Von der Heldenrolle, in der Kinder für alles die Verantwortung übernehmen, bis zum schwarzen Schaf, das seine Gefühle in Rebellion und Wut auslässt – die Bewältigungsstrategien sind unterschiedlich.

Alkoholismus
Alkoholismus Foto © Fotolia

Eines ist Kindern aus Familien mit Suchtproblemen aber gemein: Sie haben selbst ein vier- bis sechsfach erhöhtes Risiko, suchtkrank zu werden. Auch ihr Risiko für andere psychische Erkrankungen ist erhöht. Und darum ist Hilfe so wichtig.

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Danke für Ihr Verständnis.

Andiauskaindorf
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Krankheit?

Krebs ist eine Krankheit, MS ist eine Krankheit.
Krankheiten bekommt man, dann ist man Opfer.
Alkoholmissbrauch ist eine ANGEWOHNHEIT. Ein Säufer ist kein Opfer, sondern Täter.
Hört endlich mit falschem Mitleid auf, dieses verdienen nur die Opfer der Täter.

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NIWO
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Re: Krankheit?

Bin voll und ganz deiner Meinung.
Saufen ist keine Krankheit!!

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zx6d5xf42yhvuw8ak9442g7hv1biq7vo
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@NIWO

Saufen ist keine Krankheit, nicht jeder Säufer ist Alkoholiker.
Alkoholkrank zu sein, ist sehr wohl eine Erkrankung!

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NIWO
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Re: @NIWO

Nein ist es nicht. Zwingt sie ja keiner zu SAUFEN!!

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zx6d5xf42yhvuw8ak9442g7hv1biq7vo
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@NIWO

Es zwingt einen auch keiner, am Down-Syndrom, Trisomie, Morbus Crohn, Mukoviszidose u.v.m. zu erkranken!
Auch diese Erkrankungen sind genetisch bedingt, ebenso wie weit mehr als die Hälfte aller Alkoholerkrankungen. Was ist also der Unterschied?
Richtig, es steht keiner mit einer geladenen Pistole neben dem Alkoholkranken, der Zwang geht von Körper und Geist aus!

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NIWO
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Re: @NIWO

Saufen ist also genetisch bedingt.
Made my day. 😀

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zx6d5xf42yhvuw8ak9442g7hv1biq7vo
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@Andiauskaindorf

Es ist erwiesen, dass die Mehrheit der Alkoholkranken eine genetisch bedingte Anlage dazu haben. Dies kannst du auch dem letzten Satz des Artikels entnehmen, denn warum wären Kinder von Alkoholkranken selbst in hohem Maße suchtgefährdet, wenn es nicht eine genetische Anlage dafür gäbe?

Natürlich sind die Kinder Opfer. Allerdings hilft man der Familie nur, wenn dem Alkoholiker geholfen wird!

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boyle
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Lieber andi,

Darf ich dir, als kleines dankeschön sozusagen, den heutigen "posting of the day" verleihen? Sag in kaindorf, ist da irgendwas belastendes? Strahlen oder so?

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