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STEIRER DES TAGES

Professor Unrast

Diesfalls gilt: Der kreative Hochadel verpflichtet - andere. Nun wird Ernst M. Binder (55) zum Professor ernannt.

 
Er versteht es seit Jahrzehnten, die Begriffe Künstler und Menschen auf den größten gemeinsamen Nenner zu bringen. Und niemand, auch seine ältesten Freunde nicht, wissen noch zu sagen, in wie vielen Leben sich dies bisher artikulierte.

Vielseitig. Auf jeden Fall sind es weitaus mehr als jene neun, die man Katzen gern nachsagt. Ernst M. Binder, das war einmal: der Protestsänger, der junge, hochambitionierte Literat, der den Begriff Jungdichter gleich mühelos übersprang. Das war der Dynamiker in einer Popband mit eher unaussprechlichem Namen, der langjährige ORF-Feuilletonredakteur, stets auf der Suche nach unkonventionellen Themen.

Gesamtkunstwerker. Wollte man seine Aura, seine Gebärden, seine stets auf ferne Ziele gerichteten Blicke, die Besonderheit seines Temperaments, die Mittel, durch die er Rührung, Lachen, aber auch Furcht heraufbeschwört, in einem Kurzbegriff zusammenfassen, wäre kreativer Gesamtkunstwerker eine halbwegs angemessene Beschreibung. Seine Bleibe fand Ernst M. Binder im Theater, beim dramagraz. Mehr als 70 Stücke inszenierte er bisher; häufig Uraufführungen, weil er das Wagnis nie scheute, sondern suchte und die freie Grazer Theaterszene zu einem internationalen Gütesiegel machte.

Unrast. Höchste Zeit also, auch ihm ein Gütesiegel zu verleihen. Nun erhält Binder den Titel "Professor". Er nimmt die Ehrung ernst: "Ich werte sie als Zeichen, dass ich nach wie vor ein unbequemer Zeitgenosse bin, dessen Projekte nicht die erwartete, oberflächliche Gaudi bringen und nicht zu einem ,Event' taugen." - Er wird bleiben, was er ist: ein Professor Unrast, einzigartig, großartig.

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