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Graz

"Rabenvieh": Autorin beschreibt Martyrium in Pflegefamilie

Ihre von zahlreichen Misshandlungen geprägte Kindheit in einer Pflegefamilie schildert die Steirerin Marie Anhofer in ihrer im Asaro Verlag erschienenen Autobiografie "Rabenvieh".

© Asaro Verlag
 

Auf knapp 200 Seiten beschreibt die Autorin Marie Anhofer, die bis heute keine Anzeige eingebracht hat, die Qualen, die sie zwischen ihrem zweiten und 18. Lebensjahr nahe Graz erlitten hatte. Und auch, wie sehr Menschen aus ihrer nächsten Umgebung lieber weggeschaut als zugunsten des Kindes gehandelt haben.

Heute ist Marie Anhofer 36 Jahre alt. Vor elf Jahren hat sie damit begonnen, die Erlebnisse ihrer leidvollen Kindheit zu Papier zu bringen. Über die psychischen und physischen Schmerzen ist sie nach wie vor nicht hinweggekommen. "Ich habe dieses Buch in völliger Dunkelheit geschrieben. Spätabends, wenn es still um mich wurde und nach und nach all die Lichter ausgingen, setzte ich mich an meinen Computer und schrieb. (...) Mit meinen Bemühungen, auch bei Tageslicht zu schreiben, scheiterte ich. Es war fast so, als hätten sich meine Erinnerungen bei Tageslicht verflüchtigt. Nachts jedoch kamen sie in geballter Ladung."

"Körperwärme aufsaugen"

Mit einfachen Worten beschreibt Anhofer das ganze Elend in jener Familie, in der sie 16 Jahre lang als Pflegekind aufgenommen war. Sie musste im Keller schlafen, der Alltag sei von Gewalt, Liebes- und Essensentzug geprägt gewesen. Den Entzug von Liebe habe sie damals u.a. beim "Schuppenputzen" bei den leiblichen Töchtern ihrer Pflegeeltern zu kompensieren versucht: "Obwohl es mir davor sehr grauste, in die oftmals fettigen Haare der beiden zu greifen, tat ich es und kostete dabei jede einzelne Sekunde voll aus. (...) Ich tat so, als würde ich alibihalber die Schuppen von dem T-Shirt oder dem Pulli entfernen. In Wahrheit tat ich aber nichts anderes, als Körperwärme aufsaugen."

Beinahe unerträglich sind die Schilderungen der Leseübungen mit ihrem Pflegevater: "Unzählige Male donnerte er meinen Kopf gegen die Tischkante. Dass ich mit jedem Schlag auf die Tischkante ängstlicher wurde und, dass mir jedes Mal Blut aus der Nase schoss, hinderte ihn nicht daran, (...) Ab und an hatte ich allerdings auch Glück und ich durfte die Übung schon vorab beenden. Das war dann der Fall, wenn sich bereits zu viele Blutspritzer auf der Buchseite befanden und ich so gut wie nichts mehr darauf lesen konnte."

Kritik an allen, die weggeschaut haben

Anhofer übt in ihrem Buch auch Kritik an Nachbarn, Lehrern und der Sozialarbeiterin, die laut der Autorin allesamt von den Zuständen gewusst hätten. Als sie 16 Jahre alt war, habe sie heimlich die Sozialarbeiterin aufgesucht und ihr von den Misshandlungen erzählt. Alles, was die Jugendliche damals dafür erntete, war: "Du hast es so lange bei dieser Familie durchgehalten, das schaffst du nun auch noch bis zu deiner Volljährigkeit." Das "Rabenvieh", so wurde sie von ihren Pflegeeltern genannt, hielt durch. Die Leserschaft lässt Anhofer heute mit dem Appell zurück: "Jedes misshandelte Kind ist ein misshandeltes zu viel. Sehen Sie nicht weg und verschließen Sie nicht die Augen, denn eine Kindheit sollte nicht durch einen Überlebenskampf (...) geprägt sein."

Nachdem sie begonnen hatte, an dem Buch zu schreiben, habe sie in Erwägung gezogen, eine Anzeige gegen ihre Pflegeeltern zu erstatten, so Anhofer. Doch die Aussichten, alle Vorwürfe auch zu beweisen, seien schlecht. Trotzdem spiele sie noch heute mit dem Gedanken, erklärte Anhofer im Gespräch mit der APA. Wenn sie in den Nachrichten von Fällen wie "Luca" höre, gehe es ihr noch immer miserabel und sie falle manchmal sogar in ein "schwarzes Loch". Momentan sei sie zum wiederholten Male in therapeutischer Behandlung.

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Danke für Ihr Verständnis.

FranzJosefStangl
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Lesenswert?

Auch wenn der Bericht,

ich wundere mich selbst, dass ich dieses Buch "übersehen" habe,aus 2011 stammt, bitte ich meinen vorherigen Beitrag zu veröffentlichen. Herzlichen Dank, und liebe Grüße, ein ehemaliger Hitzendorfer Schulbub (1958 bis 1963) aus Wien. Franz Josef Stangl

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