AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Nicht rentabel

Murkraftwerk Graz geht der Saft aus

Knalleffekt um das geplante Murkraftwerk in Graz: Die umstrittene Staustufe dürfte vorerst doch nicht gebaut werden. Die Marktbedingungen machen das Projekt unrentabel. Von Günter Pilch und Ernst Sittinger.

© Atelier Frühwirth
 

Erst vor einer Woche hatte der Bundesumweltsenat dem Projekt den letztgültigen Segen erteilt - jetzt steht das geplante Murkraftwerk in Graz-Puntigam vor dem Aus. Zwar sind die wesentlichen rechtlichen Hürden für die umstrittene Staustufe nach einem jahrelangen Ritt durch die Instanzen gemeistert, doch bei Energie Steiermark und Verbund ist an einen Baubeschluss nicht zu denken. Der Grund: Das 97-Millionen-Euro-Projekt wäre für die Konzerne derzeit nicht rentabel.

Einerseits hat der Verbund nach seinem finanziellen Desaster um das Gaskraftwerk in Mellach vorerst kein gesteigertes Interesse mehr an millionenschweren Neuinvestitionen. Generaldirektor Wolfgang Anzengruber kündigte an, alle neuen Kraftwerksprojekte auf Eis zu legen. Damit geht der Energie Steiermark der Hälfte-Partner am Grazer Projekt verloren.

Andererseits schlägt dem Murkraftwerk Graz inzwischen auch im Aufsichtsrat des steirischen Energieversorgers große Skepsis entgegen. Bislang sei den Oberaufsehern "noch kein einziges Dokument" zum Projekt offiziell vorgelegt worden. Für eine Baugenehmigung müsse der Vorstand "darlegen, dass sich das Projekt rechnet", sagt ein Aufsichtsrat. Dies sei derzeit praktisch nicht möglich.

Weniger Geld für den Strom

Verantwortlich dafür ist die geänderte Marktlage an den Strombörsen. Der massive Ausbau der erneuerbaren Energien vor allem in Deutschland hat die Energiepreise am Spotmarkt in den Keller geschickt. Denn sind die über Ökostromabgaben mitfinanzierten Fotovoltaik- und Windkraftanlagen erst einmal gebaut, liefern sie den Strom fast unschlagbar günstig ins Netz. Die Folge: Statt der 55 Euro, die Energieversorger vor zwei Jahren an der Energiebörse EEX für die Megawattstunde Strom bekamen, sind es heute weniger als 40 Euro. Das macht den Kraftwerksbetrieb weniger rentabel, Neuinvestitionen sind nicht mehr lukrativ.

Foto © Energie Steiermark
Foto © KK

Im Fall des Grazer Murkraftwerks könnte der Estag-Aufsichtsrat vorerst beschließen, das Projekt auf Eis zu legen, bis sich die Marktlage ändert. Drei Jahre Frist räumt das Gesetz für den Baustart ein, danach müssten die aufwendigen Behördenverfahren wiederholt werden. Ob sich die Ausgangssituation bis dahin wesentlich bessert, ist freilich mehr als ungewiss.

Langzeit-Perspektive

Etwas freundlicher sieht die Langzeit-Perspektive für das Kraftwerk aus. Die wirtschaftliche Lebensdauer solcher Anlagen wird auf 60 Jahre berechnet. Mit dieser Dimension im Fokus könnte man davon ausgehen, dass klimafreundliche Energien tendenziell wirtschaftlicher werden. Jedoch: "Wir blicken maximal auf zehn Jahre voraus. Danach wird es schon sehr spekulativ", heißt es bei den Estag-Aufsehern. Aus Sicht der Insider wäre es ein Wunder, würde der Aufsichtsrat tatsächlich grünes Licht für den Kraftwerksbau geben.

Estag-Sprecher Urs Harnik-Lauris will das Murkraftwerk dennoch nicht in den Wind geschrieben sehen. "Zuerst warten wir auf das Urteil des Verwaltungsgerichtshofes, den die Projektgegner anrufen wollen. Erst dann wird sich der Aufsichtsrat mit dem Zeitplan für den Bau beschäftigen können." Das werde nicht vor Mitte 2014 sein. Zudem arbeite man zurzeit an "völlig neuen Beteiligungsmodellen für Kunden und Investoren. Solche Beteiligungen sind grundsätzlich für alle Erzeugungsprojekte im Bereich erneuerbare Energie denkbar", sagt Harnik.

Ob das auch für das Murkraftwerk gelten kann, lässt der Konzernsprecher vorerst offen.

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.