AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Cold-Case

Mordfall Heinz Kern wird nach 40 Jahren neu beleuchtet

Kann der Giftmord am Grazer Tanzlehrer Heinz Kern nach vier Jahrzehnten doch noch geklärt werden? Das Cold Case-Management des Bundeskriminalamtes sucht nach neuen Spuren.

© Repro: Hans Breitegger
 

Kein Mörder darf sich sicher fühlen, denn Mord verjährt nicht: Derzeit prüft das Bundeskriminalamt im 40 Jahre zurückliegenden Giftmord am Tanzlehrer Heinz Kern, ob es noch verwertbare Spuren gibt, wie Thomas Mühlbacher, Leiter der Staatsanwaltschaft Graz der Kleinen Zeitung bestätigt. "Uns fällt ein wissenschaftlicher Beweis, danach suchen wir", so der STA-Chef.

Der Tanzschulbesitzer und vielfache österreichische Staatsmeister im Turniertanzen starb im 33. Lebensjahr durch vergiftetes Verhackert. Das Jausenpaket mit Würsten, Bauernschnitten, einer gebratenen Stelze, Verhackert und mehreren Dosen Löwenbräubier wurde von einem unbekannten Mann am 13. September 1972 um 14 Uhr im Grazer Bahnhofspostamt aufgegeben.

Am nächsten Vormittag erreichte das Paket, in dem sich auch ein mit Fehlern behafteter Brief befand, den Empfänger. "Sg. Herr! Kurz vor Sommerende fahre ich mit meiner Frau kurz nach dem Süden und hoffe nach unserer Rückkehr auf baldiges Wiedersehen in Schladming. Da unser Neffe und angehender Student nach Graz fährt, senden wir ihnen eine Brettljause und wünschen ihnen guten Appetitt und wieder einen guten Start in der kommenden Saison. Herzliche Grüße, Hochachtungsvoll Josef Mautner, Schladming", stand im Brief zu lesen. Der Absender auf dem Paket hingegen lautete auf Heinrich Pfitzner, Ramsau, Vorberg 193. Das fiel aber nicht auf.

Als Kern am Abend nach Hause kam, aß er vom Verhackert. Am nächsten Tag starb er im Krankenhaus. Obwohl es mehrere Verdächtige gab, blieb der Giftmord unerklärt.

Neuer Anlauf

Nach vier Jahrzehnten wird nun ein neuerlicher Anlauf unternommen, den Fall doch noch aufzuklären. Dabei konzentrieren sich die Untersuchungen auf das damals sichergestellte Jausenpaket und den Brief, denn es gibt inzwischen neue Untersuchungsmöglichkeiten, die sich in jüngster Vergangenheit bereits bewährt haben.

"Das Cold Case-Management im Bundeskriminalamt untersucht alte Fälle mit neuen Methoden. Heute können wir auf Techniken und Verfahren, die es zum Tatzeitpunkt gar nicht gab, zurückgreifen", sagt Ernst Geiger, Leiter der Abteilung für Ermittlungen allgemeiner und organisierter Kriminalität. Geiger verweist auf die Hautschuppenanalyse im Fall Julia Kührer. "Wir verfügen heute über eine bessere Software, Analysetools und eine ausgefeilte DNA-Analyse."

Chefinspektor Kurt Linzer leitet das Cold Case-Referat: "Unsere Vorgangsweise kann man als konzentrische Kreise sehen", sagt er. "Wir schauen uns den Ermittlungsakt an und beginnen mit dem Tatort - wenn es einen gibt. Dann sammeln wir Informationen über das Opfer und sein Umfeld. Zuletzt werden allfällige Hypothesen und Theorien, die im Akt aufgestellt wurden, überprüft aber auch neue aufgestellt und gecheckt."