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Böllerunfall in Bruck

Opfer dachte, Böller sei "Bengale"

Die Explosion, bei der Profifußballer Andreas Schicker am Sonntag eine Hand verlor, hielt Bruck an der Mur am Montag noch in Atem. Schicker dürfte Sprengsatz verwechselt haben. Von Franz Pototschnig und Alfred Lobnik

In der Brucker Herzog-Ernst-Gasse explodierte der Böller in den Händen von Andreas Schicker © Franz Pototschnig/GEPA
 

Es war am Sonntag um 3.25 Uhr, als in der Brucker Herzog-Ernst-Gasse in den Händen von Andreas Schicker ein Knallkörper explodierte. Obwohl im „Crazy Rock“, etwa 100 Meter weiter, sehr laute Musik gespielt wurde, fuhren alle Gäste hoch, wie Wirt Alexander Wiedenmann sagt. „Ich rannte hinaus und sah, wie ein junger Mann an die Tür der Polizei hämmerte, ein anderer ging gekrümmt über die Straße und hielt sich die Hände gegen den Bauch.“
Seine Frau rief die Rettung, er selber holte seinen Verbandskasten und lief mit einem Gast, Armin Hauptmann, zu Schicker, der bereits vor der Tür der Inspektion saß. Sie versuchten, die Blutungen zu stillen, bis die Notärztin den Profifußballer professionell versorgte. Zwei Polizeistreifen unterstützten die Ersthelfer.

Rekonstruktion des Tathergangs 

Vor der Volksbankgalerie (links) explodierte der Böller in der Hand von Andreas Schicker. Rechts die Polizeiinspektion Foto © Franz Pototschnig

Noch während Schicker operiert wurde, war die Polizei mit der Rekonstruktion des Tathergangs beschäftigt. Die ermittelnden Beamten haben aus den Resten rekonstruiert, dass es sich um einen 25 bis 30 Zentimeter langen und 3,5 Zentimeter dicken Böller aus deutscher Produktion mit extrem starker Ladung gehandelt hat, der nur von Berufspyrotechnikern gekauft und verwendet werden darf.
Laut dem Ersthelfer Wiedenmann hat Andi Schicker immer wieder gesagt: „Ich hab geglaubt, es ist ein Bengale.“ Das „bengalische Feuer“ kommt oft bei Fußballspielen zum Einsatz. Es versprüht einen Funkenregen und jede Menge Rauch, man kann es aber in der Hand halten.
Aber es war kein Bengale. Schicker hat ihn vermutlich in der linken Hand gehalten und mit der rechten gezündet. Dadurch wurde nicht nur seine linke Hand zerstört – Schicker ist Linkshänder –, sondern auch die rechte schwer verletzt. Sein Freund Christian Sch., mit dem er unterwegs war, wurde durch die Detonation mehrere Meter weggeschleudert. Er wurde wegen Hörschäden in die HNO-Abteilung des LKH Leoben gebracht. Er sagte aus, er habe nichts vom Böller gewusst und nichts von der Zündung mitbekommen.


Laut Klaus Olbrich, dem Leiter der Polizeiinspektion Bruck, war die Detonation so laut, dass in der Umgebung die Menschen glaubten, es sei eine Gasflasche explodiert oder ein Schuss gefallen. Dass so etwas überhaupt erzeugt wird, wundert ihn nicht: „Diese Dinge finden Käufer, und solange etwas gekauft wird, wird es auch produziert.“
Das Unglück passierte vor der Volksbank-Galerie. Dort betreibt René Reiter das „Segafredo“, in dem Schicker und seine Freunde auch an diesem Abend Gäste waren. Reiter ist bestürzt, für den gefürchteten Krampustag trifft er bereits Vorkehrungen: „Ich habe an diesem Tag immer einen Security, diesmal werde ich drei holen.“ Ein Bewohner des Nachbarhauses wüsste Abhilfe: „Ganz einfach: frühere Sperrstunde in den Lokalen und mehr Polizei auf der Straße. Und wenn das nicht geht, dann wenigstens Security.“
Mittlerweile ist es gelungen, die Durchblutung in der rechten Hand von Andi Schicker wieder herzustellen, so Lars-Peter Kamolz, Chef der plastischen Chirurgie am LKH Graz (siehe links). Weitere Details gibt es erst in den nächsten Tagen.


Explosive Importe


Robert Siegert, Branchensprecher für Pyrotechnik, warnt vor allem vor selbst gebastelten Pyrotechnikartikeln oder solchen, die schwarz importiert wurden, um das strenge heimische Pyrotechnikgesetz zu umgehen. „Es fehlen oft Kennzeichnung und Zertifizierung und es gibt keinen Warnhinweis.“ Käufer zünden dann eine Zündschnur, ohne zu wissen, ob sie zehn Sekunden brennt oder nur drei, oder wie groß und gefährlich die Füllmenge sei.
Riskant sei auch, dass „ganz normale Menschen“ einmal im Jahr auf die Idee kämen, Raketen oder Böller abzuschießen, auch wenn sie sonst nie „zündeln“ und keine Erfahrung haben. „Wo man feiert und ausgelassen ist, da denkt man nicht nach.“


Das heimische Gesetz teilt die Artikel nach Gefährlichkeit ein. Nur die Klassen F1 und F2 (ab 16) können ohne Pyrotechnikausweis legal erworben werden. Große Böller (F3 und F4) seien nur für „Freaks und Experten“. Aber auch bei „Piraten“ (F2) können schon „die Finger fliegen“.