Autofahrten. Mila Panic überlegt. "Ja, das ist am ehesten eine Pause für mich", sagt sie. "Mama? Mama!" Die einjährige Mio will am liebsten mittelefonieren. Ihre Mama bleibt gelassen. Zwei Stunden hat die 30-Jährige an diesem Tag geschlafen. Gerade bastelt sie eine Lego-Stadt mit der Tochter zu Hause, nachdem sie den vierjährigen Sohn in den Kindergarten gebracht, den Einkauf und Behördentermine erledigt hat. "Wenn's zwischen sechs und acht Uhr morgens nur ein Nervenzusammenbruch war und nur ein Kind geweint hat, war's ein guter Start", sagt Mila. Sie lacht. Doch in dem Lachen schwingt eine ernste Botschaft mit.

Haushalt, Erziehung, Job – und dann noch organisieren

Der "Mental Load" (Termine koordinieren, Geschenke organisieren, Mahlzeiten planen) wird mehrheitlich von Frauen übernommen, zusätzlich zu den klassischen Haushaltsausgaben, der Kinderbetreuung – und oft noch einem Job.

"Me-Time fühlt sich an, wie Schule zu schwänzen"

Bald schläft die Kleine. Dann setzt sich Mila an den Computer, sie hat in der Karenz eine Agentur gegründet. Mit etwas Glück kann sie ein paar Stunden ungestört arbeiten. Wenn die Tochter aufwacht, holen sie das Geschwisterchen von der Schule ab, dann kocht Mila, macht den Haushalt, bespaßt die Kinder, führt den Großen zu Tanz- oder Schwimmtraining, geht auf den Spielplatz.

Video-Doku: Kinderlosigkeit fühlt sich an wie Krebs

Wenn ihr Mann gegen 15.30 Uhr von der Arbeit heimkommt, wird übergeben. Zwei Stunden ist die 30-Jährige meist auf Kundenterminen. Die müssen gut getaktet sein, "damit nicht plötzlich Milch rausrinnt. Ich stille noch." Neben der Muttermilch ist auch das schlechte Gewissen immer im Gepäck. "Manchmal bin ich egoistisch, dann gehe ich mal abendessen mit Freundinnen, das fühlt sich an, wie Schule zu schwänzen."

Appell, offener zu reden

Zeit für sich empfinden Mamas oft als egoistisch, dabei mangelt es ihnen an dieser ungemein. Bei der Aufgabenverteilung geben zum Beispiel 71 Prozent der befragten Väter an, eher bis sehr zufrieden zu sein – und nur 42 Prozent der Mütter. Der Grund ist die mangelnde Zeit für sich selbst. Die Me-Time beträgt laut Vorwerk-Studie bei 36 Prozent der befragten Frauen maximal 30 Minuten am Tag, bei 33 Prozent sind es bis zu einer Stunde, bei 15 Prozent ein bis zwei Stunden, bei elf Prozent gibt es gar keine Me-Time, nur fünf Prozent der Frauen geben zwei Stunden oder mehr an.

Mila ist verheiratet, führt eine gute Ehe, ihr Mann übernimmt Aufgaben, dennoch sei es "herausfordernd". Die Großeltern leben in Kärnten, in Graz ist die Familie allein. Die 30-Jährige hat es satt, dass man als Mutter nicht laut sagen darf, wenn man müde oder gestresst ist. "Ich liebe meine Kinder, aber entweder man hat gute Pläne und Struktur oder man geht unter." Und dabei gilt sie unter Freunden als Organisationsgenie.

Kinderbetreuung im Fitnesscenter, mobile Friseure

"Es gibt unzählige Dinge, an die man im Familienalltag täglich denken muss, damit dieser reibungslos funktioniert. Die Abfrage der einzelnen Denkleistungen zeigt, dass vor allem die mentalen Aufgaben rund um Kinder und Kinderbetreuung ganz klassisch von den Frauen bewältigt werden", sagt Philipp Kammerer von Vorwerk Österreich.

Was es braucht, damit sich Mila überhaupt eine Auszeit nimmt? Es gehe, solange es muss. "Haben Sie Kinder?", fragt sie am Ende des Gesprächs. Denn trotz allen Wahnsinns kann sich Mila ein Leben ohne ihre nicht vorstellen. Ein Leben in anderen gesellschaftlichen Strukturen aber sehr wohl. "Und es braucht ganz banal mehr mobile Dienste, wie Friseure, oder etwa Kinderbetreuung in einem Fitnessstudio", sagt die Mutter. Es ist 11.30 Uhr. Der Tag ist noch lang. "Um 23 Uhr im Bett frage ich mich oft: Und wo war ich heute eigentlich?"