Ein Preis für 15.000 Lkw-Fahrten, die nicht stattfinden
Für das Verlagern des Verkehrs auf die Bahn gibt es für das Unternehmen Wenzel-Logistics den VCÖ-Mobilitätspreis. Weitere Preise gehen in die Südweststeiermark und in die Gemeinde Hart bei Graz.

Der Weg war hindernisreich und erforderte viel Organisation. "Wenn man eine große Menge Güter auf die Schiene bringen will, dann kann man nicht einfach sagen: Jetzt nehme ich halt den Zug", sagt Markus Himmelbauer. "Man muss Auslastungen genau durchplanen, erreicht man weniger als 90 Prozent, rechnet es sich nicht." Wenzel Logistics hat sich in den vergangenen 18 Jahren trotz allem darangemacht, große Teile des Transports per Bahn zu organisieren. Als Kaufmännischer Geschäftsführer konnte Himmelbauer dafür zu Wochenbeginn den steirischen VCÖ-Mobilitätspreis in der Hauptkategorie entgegennehmen (weitere Preisträger siehe unten).
2004 hat das 1998 von Norbert Wenzel gegründete Premstättener Unternehmen mit dem Aufbau der Bahntransporte begonnen. "Wir haben hier eine geografisch sehr schwierige Lage, weil wir über die Pyhrn-Schober-Achse, die dringend besser ausgebaut gehört, die Alpen queren müssen", sagt Himmelbauer. Die Kosten sind entsprechend hoch und konnten nicht immer mit jenen der Straße mithalten. "Als der Dieselpreis im Keller war, mussten wir über den Straßenverkehr den Schienenverkehr subventionieren", räumt Himmelbauer ein. Doch das Unternehmen mit heute knapp 140 Mitarbeitern blieb dabei und hält inzwischen bei 15.000 vermiedenen Lkw-Fahrten bzw. 6000 Tonnen CO₂-Einsparung pro Jahr.
Der Preis und die Ausgezeichneten
Der VCÖ-Mobilitätspreis wird jedes Jahr vom Verkehrsclub Österreich in Kooperation mit dem Verkehrsressort des Landes (LH-Stv. Anton Lang) und den ÖBB verliehen. Ausgezeichnet wurden neben Wenzel Logistics (Hauptpreis) in der Steiermark diesmal zudem:
regioMOBIL: Das Mikro-ÖV-System in den Bezirken Deutschlandsberg und Leibnitz wurde 2020 vom Regionalmanagement Südweststeiermark ins Leben gerufen. Es fungiert als eine Art Zubringer zu den regulären Öffis bzw. zu wichtigen Einrichtungen.
Gemeinde Hart/Graz: Die Gemeinde animierte 97 "EnergiesparpilotInnen", ressourcenschonende Mobilität zu erproben. Wegen des großen Erfolgs ist bereits ein Nachfolgeprojekt geplant, das bis Ende 2024 laufen soll.

Mittlerweile habe sich der Wind auch bei vielen Kunden gedreht, sagt Himmelbauer. "Das Bewusstsein ist stärker geworden, dass die Verlagerung auf die Schiene wichtig ist. Der Transport auf der Straße schlägt sich ja auch auf die CO₂-Bilanzen der Unternehmen durch."
Ein Drittel der Transportkapazitäten erledigt Wenzel abseits der Straße. Für Himmelbauer, der mit "Mission Zero" heuer auch ein Klima-Buch veröffentlicht hat, muss noch mehr gehen – und zwar bei allen Marktteilnehmern: "Lange Gütertransporte gehören verpflichtend auf die Schiene. Da ist die Politik gefordert."