Operation Grasgeflüster reloadedZehn Festnahmen nach Razzien in steirischen Hanfshops

Statt Naturhanf sollen suchtgifthältige Grundprodukte und einschlägiges Zubehör verkauft worden sein. 159 Hausdurchsuchungen in der ganzen Steiermark. Auch Kunden wurden getäuscht.

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Hanfpflanze und CBD-Öl © Tinnakorn - stock.adobe.com
 

Die Polizei spricht in einer Aussendung von "branchenüblichem Verhalten": Betreiber von Hanfshops sowie Produzenten von CBD-Blüten sollen nicht nur mit reinen Naturhanfsorten handeln, sondern auch eigene Kreuzungen und Züchtungen mit höherem THC-Gehalt vertreiben. Des Weiteren sollen einige der Händler auch die Grundprodukte für Eigenbau-Marihuana verkaufen und damit Suchtmittelproduktion ermöglichen. Nach vier Jahren Ermittlungen und mehreren konzertierten Operationen in der Branche ging die steirische Polizei nun mit den Ergebnissen an die Öffentlichkeit.

Ausgangspunkt für die Ermittlungen war das hohe Aufkommen von Eigenbau-Marihuana in einschlägigen Kreisen. Nachdem steirische Drogenfahnder in den letzten Jahren immer wieder professionelle Indoor-Anlagen aufgespürt und sichergestellt hatten, gingen sie der Spur zu den Verkäufern der Hanfstecklinge und dem notwendigen Zubehör nach. Diese wurden zunächst in Hanfshops in Graz und im Raum Bruck-Mürzzuschlag vermutet.

90 Ermittler rückten aus

Die Operationen in der Branche liefen unter mehreren Decknamen, so auch"Grasgeflüster reloaded". Denn schon 2012 hatte es ähnliche Ermittlungen rund um einen Grazer Hanfshop ("Operation Grasgeflüster" mit zehn Festnahmen) gegeben. Nun wurden an den zwei Hauptzugriffstagen gleichzeitig Hausdurchsuchungen an 69 Adressen in den Bezirken Murtal, Bruck-Mürzzuschlag, Hartberg-Fürstenfeld, Voitsberg und Weiz durchgeführt. Rund 90 Suchtgiftmermittler rückten dazu aus, unterstützt auch von Beamten der Lebensmittel- und Finanzbehörden. Federführend bei den Ermittlungen waren das Landeskriminalamt Steiermark (Außenstelle Niklasdorf) und die Suchtmittelgruppe Murtal, koordiniert wurde das Vorgehen durch die Staatsanwaltschaft Leoben.

Grenzwert 0,3 Prozent

Cannabidiol (CBD) ist ein Wirkstoff, der aus den weiblichen Hanfpflanzen gewonnen wird. Es wird als Arznei, als Nahrungsergänzungsmittel und in der Kosmetik verwendet.

CBD soll eine angstlösende, antipsychotische und krampflösende Wirkung haben und auch Entzündungen und Brechreiz hemmen.

Der Anteil des Suchtmittels THC (Tetrahydrocannabinol) im so genannten "Nutzhanf" liegt unter 0,2 Prozent. Der gesetzliche Grenzwert zum Suchtgift liegt in Österreich bei einem THC-Gehalt von 0,3 Prozent.

Die Ermittlungen konzentrierten sich im Wesentlichen auf die Betreiber und Angestellten von vier Hanfshops und drei CBD-Produzenten, alle sind zwischen 26 und 36 Jahre alt. Sie sollen relativ offen Hanfstecklinge und einschlägiges Zubehör verkauft haben, damit sei den Kunden die Produktion von insgesamt rund 170 Kilo Cannabis ermöglicht worden. Die Hauptverdächtigen wurden über Anordnung der Staatsanwaltschaft Leoben wegen Verbrechen und Vergehen nach dem Suchtmittelgesetz festgenommen. Ausschlaggebend für die Festnahme waren die großen Mengen, heißt es.

Auch mehr als 140 Kunden hat die Polizei ausgeforscht, 90 Hausdurchsuchungen bei ihnen durchgeführt. Auch sie werden wegen Suchtmitteldelikte angezeigt.

Trotzdem verboten

Aber auch Kunden, die in gutem Gewissen CBD-Produkte in diversen Hanfshops und an Automaten kauften, dürften getäuscht worden sein. Denn das Ausgangsprodukt war in vielen Fällen kein Naturhanf, sondern eigene Züchtungen und Kreuzungen der Erzeuger. "Diese haben zwar auch einen niedrigen THC-Gehalt, sind aber trotzdem verboten", sagt die leitende Ermittlerin. Dies sei in der Branche so üblich, die Produzenten und Händler würden bewusst dieses Risiko eingehen - in der Hoffnung, dass die Polizei das ohnehin nicht bemerkt. "Und es ist auch nicht einfach nachzuweisen", merkt die Ermittlerin an.

Kommentare (12)
Captain Einsicht
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...

Hahahaha. Wie jetzt wieder die ganzen Kiffer rausgekrochen kommen um ihre Rauschgifthändler zu verteidigen.

Diese Händler hätten sich lieber darauf spezialisieren sollen gesunden Bio-Alkohol herzustellen anstatt dieses Teufelskraut zu vertreiben!

bernham
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Prioritäten??

ich rauch weder legal noch illegal.
Und ich finde, dass sich die Polizei besser um all die farbenblinden (eher rot-blind als grün-blind) und tempoflexiblen Radlfahrer*innen kümmern darf. Natürlich ist es in Ordnung, dass ein Temposünder, der mit Ü200 auf der Autobahn medienwirksam erwischt wird, erwischt wird, aber 80% aller Radfahrer*innen in der Grazer Innenstadt fahren mit mehr als 100%iger Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit (StVO für alle Interessiert*innen). Und dann kassiere man am Besten gleich bei allen Aschenbecherverweiger*innen, macht auch gleich €35 pro Tschick.
Und dann gerne alle anderen. Wobei das Gute liegt so nah - das um ein paar Meter verlegte "Billa" Eck, wo offen und tagsüber mit allem Möglichen gedealt wird, unter der Patronanz der Rathausfiguren (die aus , Stein, wohlgemerkt, bei anderen wäre es eine Unterstellung)

...freue mich schon auf Resonanzen ☻☻

Ragnar Lodbrok
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sagt vermutlich einer, der tschickt

und Alkohol konsumiert - um es höflich auszudrücken.

hbratschi
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bist a tschecherant? oder....

...sonst irgendwie beeinträchtigt? lass ma deinen kommentar einfach als Ironie durchgehen...😉

Ragnar Lodbrok
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An den Folgen von Alkohl und Nikotin sterben jedes

Jahr gut 20.000 ÖsterreicherInnen.
Weltweit gibt es nur einen einzigen dokumentierten Todesfall zur Cannabis - und das war eine allergische Reaktion
Man müsste gut 700 kilo in 10 Minuten rauchen um eine Überdosis zur provozieren.

salziere
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Diese 'Studie'

ist vor Jahrzehnten schon immer gern zitiert worden. Doch nimms mal genau, schau wieviel Unfälle schwerster Art, ausgelöste Psychosen, tödliche Lungenkrankheiten durch das Inhalieren, usw. in Verbindung mit Graskonsum und dessen Abwandlungen tatsächlich für endloses Drama weltweit verantwortlich ist und sehr wohl in direkte negative Auswirkungen i. sehr großen Stil hat. Und das gerechtfertigterWeise auch Verfolgt, Es geht um Missbrauch, 'Weils es nur Gras ist' - so unterschätzen unsere Youngsters gerne etwas, was sie nur teilweise verstehen. Anders ist es, wenns um gesetzlich erlaubten Konsum geht. Das Zeug ist drundsätzlich nicht übel, aber unterschätzt und missbraucht.

Ragnar Lodbrok
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Jeder der Cannabis raucht - hat mit Tabak angefangen - absolut jeder!

die Einstiegsdroge ist Nikotin.
Der Staat wird mit seiner Verfolgung Schiffbruch erleiden - die Gesellschaft fängt zum Glück - an sich selbst zu informieren und ein Bild zu machen.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch unsere Politiker eine gewisse Intelligenz entwickeln werden.

hbratschi
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gratuliere...

...endlich wurde diesen schrecklichen drogenhändlern das handwerk gelegt. auf diesen "erfolg" trinken wir einen. oder zwei...proooost 🥃🍻🍾
wenn schon so ein antiquiertes gesetz nicht geändert wird (wie übrigens eh schon überall in der westlichen welt) dann sollte man wenigstens nicht so ein theater veranstalten. ich glaub, es wäre zielführender anders "probleme" zu lösen und nicht die exekutive 4 jahre mit so an schas zu nerven...

Schubarsky
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Cannabis...

...als "SuchtGIFT" zu bezeichnen, ist -an und für sich- schon Nonsens.
Aber das österreichische StGb und die türkise Alkobruderschaft wollen das ja weiterhin so.
Andere Länder sind da schon viel weiter. Aber solange die Alklobby hier was zu sagen hat, wird sich bei uns nichts ändern.
Leider.

salziere
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Der zitierten Alkohollobby

ist das Kiffersegment herzlich wurscht, wäre meine Einschätzung. Jmd. der gerne ein Glaserl, Flasche oder Fass konsumiert würde wohl kaum auf ein Bong, Chilum oder regelmäßigeinen Spliff umsteigen, nur weil das frei und legalisiert ist. Darum wird da auch nicht boykottiert. Dazu spielt das in zu unterschiedliche. Welten. Und auch die Entscheidungsträger der Exekutive und Politik sehen das wohl in anderem Zusammenhang. Man muss leider oft die Leute vor sich selbst schützen. Ich versteh schon, dass gerne jeder auf sein 'Recht auf Rausch' bestehen will. Aber die Vergleiche zwischen den diversen Substanzen sind lachhaft. Jede Substanz hat ihre Schattenseiten, leider sehr oft, sehr heftige. Wenn man 'nur' beim Gras bleibt spielts da schon oft Granada. Ein effektiver Aufklärungsunterricht schon in der Schule, der alles schonungslos ausleuchtet, sowie ein Nachweis zum verantwortungsvollen Gebrauch für User mit unterschiedlichen Stärken ("a la Stufenführerschein) wäre technisch machbar und eine Variante, sich viel Leid zu ersparen, seien wir doch mal ehrlich. Wenn was passiert, wills keiner kommen gesehen haben. Und so starke psychoaktiven Substanzen, wie es teilweise bei den erhältlichen Grassorten teilweise Standard ist, soll man auch nicht runterzuspielen. Stoned ist nicht stoned.

hbratschi
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"Jede Substanz hat ihre Schattenseiten, leider sehr oft, sehr heftige"...

...richtig. aber die weinbauern hofieren und den hanfkonsumenten einzusperren ist dann halt auch sehr zweierlei maß. speziell wenn man die "schattenseiten" des von uns als kulturgut bejubelten alkohols betrachtet und nicht verharmlost...

Schubarsky
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Im übrigen ist der Verkauf und der Besitz von...

...Hanfstecklingen (und Zubehör) weiterhin in Österreich LEGAL!
Die Pflanze ist erst "illegal", wenn sie blüht - also THC produziert. Ich hoffe die Anwälte der beamtshandelten Personen wissen das. Die Polizei scheinbar nicht. Die sollten im Gegenzug die Beamten auf Amtshaftung und Nötigung verklagen (durch die Beschlagnahme kann ja auch ein Schaden entstanden sein).