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"Wurde geimpft, bin der Chef"Weiter viel Kritik an "Impf-Vordrängler" in der Lokalpolitik

Die Debatte um "Impfvordrängler" hat auch am Donnerstag die Politik beschäftigt.

 

Während die Liste der geimpften Lokalpolitiker neuerlich länger wurde, kamen von einzelnen Impflingen erste Entschuldigungen. "Im Nachhinein betrachtet war mein Handeln unüberlegt", sagte etwa der Feldkircher Bürgermeister Wolfgang Matt (ÖVP). Auch sechs oberösterreichische Kommunalpolitiker entschuldigten sich. Die Salzburger Landesregierung stellte sich unterdessen hinter die Ortschefs.

Am Donnerstag ließ sich etwa auch der ÖVP-Bürgermeister von Bad Gastein (Salzburg), Gerhard Steinbauer, impfen. Er betonte, sich nicht vorgedrängt zu haben. Er sei als Bürgermeister Vertreter des Rechtsträgers des Seniorenheimes des Salzburger Hilfswerkes, in dieser Eigenschaft sei es auch seine Aufgabe, regelmäßige Besprechungen mit dem Betreiber zu führen. In seiner Funktion sei er von Anfang an auf der Prioritätenliste der Gemeinde gestanden.

Auch in der Steiermark ließen sich einige führende lokale Politiker impfen. So der Brucker SPÖ-Chef. Auch die Ortschefs von Stubenberg und Gamlitz haben mittlerweile bestätigt, im Rahmen der Impfaktionen in den Altenpflegeheimen geimpft worden zu sein.

Bekannt wurde am Donnerstag auch die Impfung der Lienzer Bürgermeisterin und ehemaligen Tiroler SPÖ-Landesparteivorsitzenden Elisabeth Blanik. Auch sie wies ein Fehlverhalten zurück, zumal sie als Obfrau im Gemeindeverband Bezirksaltenheime Lienz in Osttirol vier Heime führe und als Verantwortliche "ganz klar im Impfplan des Bundes integriert" sei. "Ich habe das nicht als Politikerin gemacht, sondern als Leiterin der Wohn- und Pflegeheime", sagte sie.

Auch in Kärnten sorgen Dorfkaiser, die sich vordrängen, während betagte Personen auf die Impfung warten, für Unverständnis. Jakob Strauß (60), SPÖ-Bürgermeister von Sittersdorf, wollte sich bisher zu den Vorwürfen nicht äußern. Nun ließ er sich doch zu einer Art Telefoninterview hinreißen.

In der oberösterreichischen Gemeinde St. Georgen im Attergau ließ sich ÖVP-Bürgermeister Ferdinand Aigner mit einer Restdosis impfen. Wegen einer schweren Darmerkrankung sei er ein "Hochrisikopatient". Als das Angebot vom Seniorenheim kam, habe er es angenommen. Auch er betonte, sich nicht vorgedrängt zu haben.

Eine Entschuldigung kam unterdessen vom Feldkircher Bürgermeister Matt. Er würde heute "in derselben Situation anders handeln", sagte er. Er bitte all jene, die den Eindruck gewonnen hätten, er habe sich vordrängen oder jemandem eine Impfdosis vorenthalten wollen, um Verzeihung. Ihm sei die Tragweite der Entscheidung, die übrig gebliebene Impfdosis anzunehmen, "in diesem Moment schlicht und ergreifend nicht bewusst" gewesen.

Die Salzburger Landesregierung stellte sich unterdessen hinter die Ortschefs. "Wir vertreten den Standpunkt, dass all jene Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die im Rahmen ihrer Aufgabenerfüllung regelmäßig in Seniorenwohnheimen in Kontakt z. B. mit der Heimleitung, dem Personal oder den Bewohnerinnen und Bewohnern sind, sehr wohl unter die Priorität I fallen", erklärten Landeshauptmann Wilfried Haslauer und Gesundheitslandesrat Christian Stöckl (beide ÖVP) in einem an alle Ortschefs im Bundesland ergangenen Schreiben. Die Entscheidung über eine Impfung solle dabei vom Impfkoordinator eines Heimes oder dem beigezogenen Arzt getroffen werden.

Auch sechs oberösterreichische SPÖ-Kommunalpolitiker, die sich bereits gegen Corona impfen haben lassen, entschuldigten sich am Donnerstag schriftlich. Der Bürgermeister von Eberschwang, Josef Bleckenwegner, sowie sein Vize Martin Bögl, der Ennser Stadtchef Stefan Karlinger, der Bürgermeister von Bad Goisern, Leopold Schilcher, jener von St. Georgen an der Gusen, Erich Wahl, sowie - bisher noch nicht als vorzeitig Immunisierter bekannt - das Gemeindeoberhaupt von Lenzing, Rudolf Vogtenhuber, betonten, dass es ihnen "aufrichtig leid" tue.

Rücktrittsempfehlungen von der Regierung

Zuvor hatte es nicht nur von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) heftige Kritik bis hin zu Rücktrittsempfehlungen gegeben. Auch SPÖ-Bundesvorsitzende Pamela Rendi-Wagner richtete allen außerhalb der Reihung zum Zug gekommenen aus, dass das Impfprogramm "kein Selbstbedienungsladen" sei.

Um ihre zweite - notwendige - Impfdosis müssen die Kommunalpolitiker übrigens nicht fürchten. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) kündigte an, dass auch die Vordränger "den zweiten Stich" bekommen. Denn sonst wäre die erste Dosis eine vergeudete, erklärte er. Um Vordrängen künftig zu unterbinden, sind laut Anschober Stichprobenkontrollen geplant.

Kommentare (10)
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zweigerl
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Wulln'S a Spritzerl zum G'spritzten?

Die Trias der gemütlichen Lasterhaftigkeit "A Weinderl, a Schnapserl, a Zigaretterl" wird von diversen Ortskaisern mit "am Spritzerl" komplettiert. So lässt sich's leben.

AndreasToegl
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Rücktritt

Der Haslauer sollte auch gleich zurücktreten. Was für eine Aufgabenerfüllung kann ich als Bürgermeister in einem Seniorenheim haben, außer irgendwelche Gratulationen zum Geburtstag?

Landbomeranze
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Eines verstehe ich nicht ganz,

da werden die "Drängler" mit vollem Namen und Adresse veröffentlicht (fehlt nur noch die Telefonnummer). Bei Kriminellen wird meist "Robert K." oder "Österreicher" geschrieben. Wenn er nicht aus Österreich kommt, dann steht gar nichts dabei, sondern nur der "30-jährige". Sind jetzt die Vordrängler krimineller und gefährlicher als die Kriminellen?

Steirerclaudl
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Öffentliche Personen

haben im Unterschied zu privaten keinen Persönlichkeitsschutz.

elli13
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Datenschutz?

Also zu Beginn des ersten Lockdowns wurde ein Nennen von Namen wer erkrankt ist lauthals mit dem Hinweis auf Datenschutz im Keim erstickt.
Wo bleibt hier der Datenschutz?
Hört doch endlich mit der Hetzjagd auf einzelne Bürgermeister auf, die das unterste Glied des Apparates darstellen und zurzeit sicherlich am meisten Flexibilität beweisen.
Und ja, sie haben sich freiwillig für das Amt entschieden und stehen immer an vorderster Front, wenns im Ort wo "brennt", allerdings wäre es löblich von unserer Bundesregierung gewesen rechtzeitig Pläne auszuarbeiten, und vor allem dies rechtzeitig zu kommunizieren.
Der Fisch fängt bekanntlich wo zum st.... an?

Krautwickel
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Hab ich das richtig verstanden?

Ich bin der 2. Gruppe zugeordnet, obwohl ich direkten Körperkontakt mit Patienten habe, aber diese Dorfkaiser glauben, weil sie sich mit jemanden an einen Tisch setzen gehören sie zur ersten Gruppe. Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Bei dieser Argumentation müssten alle Angehörigen von Heimbewohnern ebenfalls zur ersten Gruppe gezählt werden, wenn ich es mir genauer überlege sogar alle Bewohner.

grötenwanderung
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ales bla bla bla bla

wollte mich nicht vordrengen wer soll das glauben ???

mimilucki
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Wie oft?

Wie oft hat der Chef im Haus schon einen alten Menschen gefüttert oder das Bett frisch bezogen? Das überlässt der Chef sicher gerne dem Fußvolk.

ichsags
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EIN Besuch...

... von EINER Person pro Woche... traurig genug - und das wird ausgerechnet der Bürgermeister sein... ?!

Stony8762
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ichsags

Bei unserem würde ich das als Strafe betrachten!