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Datenschutz an SchulenWarum Lehrer die Noten nicht mehr laut vorlesen dürfen

Am Freitag gibt es das Halbjahreszeugnis. Seit Inkrafttreten der EU-Datenschutzgrundverordnung hat sich das jährliche Prozedere geändert: Lehrer dürfen über Schulnoten nur noch dann vor anderen sprechen, wenn der betroffene Schüler einverstanden ist.

Semesterferien Noten Zeugnis Schulnachricht
Am Freitag geht es ab in die Ferien - davor werden noch die Schulnachrichten ausgeteilt © APA/ROLAND SCHLAGER
 

"Super, Lisa, alles Einser" ist bei der Verteilung der Schulnachrichten am Freitag ebenso wenig erlaubt wie "Leo, den Fünfer in Englisch musst du aber dringend noch ausbessern" – jedenfalls nicht, wenn ein Lehrer das vor den anderen Schülern sagt. Denn die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) trifft auch die Schulen. Schulnoten gehören nämlich zu den sogenannten personenbezogenen Daten.

Deshalb dürfen diese nur dann vor der Klasse mitgeteilt werden, wenn Lehrer dazu vorher das Einverständnis der Schüler eingeholt haben. Das gilt für Zeugnisse ebenso wie für Noten von Schularbeiten oder schriftlicher Tests. Ausnahmen sind mündliche Prüfungen, das ist laut Behörden auch gesetzlich so geregelt.

Dem Bildungsministerium zufolge war es streng genommen auch schon vor der DSGVO so, dass Noten nur mit Zustimmung der Schüler verlesen werden durften. Doch die Praxis sah oft anders aus.

Nicht immer ist alles klar

Nicht immer ist Lehrern ganz klar, wie sie sich jetzt in Sachen Datenschutz verhalten sollen. Tatsächlich sind sie dazu angehalten, sich an die Datenschutzbestimmungen zu halten: Aus der Bildungsdirektion heißt es, das Thema sei bereits im letzten Jahr bei Direktorentagungen für Höhere Schulen besprochen worden. Was Volksschulen betrifft, würden die Datenschutz-Regeln etwa bei Semesterkonferenzen sowie bei Fortbildungen und Schulrechtskonferenzen angesprochen. Außerdem gebe es den Leitfaden "Datenschutz für die digitale Schülerverwaltung" vom Bildungsministerium. Gehäufte Beschwerden oder Anfragen gebe es derzeit nicht.

Die DSGVO

Die Europäische Datenschutz-Grundverordnung ist seit Mai 2018 in Kraft. Durch sie sollen Daten der Bürger besser geschützt werden.

Das Gesetz beinhaltet Regeln im Umgang mit personenbezogenen Daten - und soll den Betroffenen mehr Kontrolle darüber bringen.

Beim Thema Datenschutz in Schulen geht es übrigens auch um digitale Kommunikationskanäle wie WhatsApp: Lehrer dürfen mit Schülern darüber nicht kommunizieren. Das galt schon vor der DSGVO, auch aus anderen Gründen: „Allein aufgrund der Nutzungsbedingungen von WhatsApp (ab 16, nur für private Zwecke) war eine Lehrer-Schüler-Kommunikation über WhatsApp nie zulässig“, erklärt Bernhard Just, administrativer Leiter in der Bildungsdirektion. Viele waren sich dessen aber nicht bewusst.

Österreichs Bildungsministerium rät Lehrern dazu, statt WhatsApp oder Facebook jenes IT-Tool zu nutzen, das es selbst zur Verfügung stellt.

Kommentare (14)

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teacup
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Ist jetzt nicht unbedingt etwas neues

Auch bei uns in der Oberstufe wurden Tests meistens ohne Kommentar ausgeteilt und Gesamtnoten entweder durch Einverständnis der Klasse oder eben nur persönlich besprochen. Ich fand das immer sehr angenehm. In der Unterstufe war das anders. Neben dem Ansagen der Noten wurden manchmal auch blöde Kommentare verteilt, sodass Schüler_innen vor der ganzen Klasse bloßgestellt wurden und sich danach vielleicht noch extra schämen. In Fächern, in denen jemand mit dem Verständnis Schwierigkeiten hat, ist das besonders unangenehm.
Soziale Netzwerke und Messenger sollten für den Unterricht generell tabu sein. Auch wenn einige Kommentare hier meinen, dass unsere Daten sowieso alle öffentlich sind, so sollten wir wenigstens bei den nächsten Generationen versuchen, diese Gläsernheit so gut wie möglich zu verhindern. Den Kindern und Jugendlichen muss klargemacht werden, dass mit der Installation von Whatsapp und anderen Apps am Handy alle Informationen der Kontakte an Firmen im Ausland weitergeleitet werden, die diese beliebig weiterverkaufen. Diese Weitergabe von persönlichen Daten darf uns nicht egal werden.

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Sol lucet omnibus
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Es ist verrückt...

...

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pppp54
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Es wäre interessant,

die Meinung der Schüler zu hören. Ich kann mir gut vorstellen, dass es einigen ganz gelegen kommt, wenn ihre - nicht unbedingt guten - Noten lautstark im Klassenzimmer verkündet werden. Weil sie sich ziemlich schämen ....

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Hildegard11
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DSGV

Also am besten im Alltag nicht einmal ignoriere

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Nora
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Finanzamt

Und was ist mit dem Finanzamt? Das besitzt all meine Daten! Einfach so, ohne mich zu fragen!

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schebach
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verstanden .....

. . . haben sie offensichtlich die Thematik nicht. Natürlich haben alle offiziellen Stellen unsere Daten, ansonsten könnten sie ja nicht evt. Geld aus einer Arbeitnehmerveranlagung überwiesen bekommen oder ein Bankkonto betreiben usw.
Es geht in diesem Fall um den Umgang mit persönlichen Daten in einer Gruppe von Anwesenden.
Ich war kürzlich auf einer REHA und nur eine Ärztin hielt sich an die DSGVO und las die Namen der Anwesenden nicht vor, jeder konnte nachsehen, ob er aufscheint. Nachdem ich nicht eine "Promi" bin, war es mir egal, dass all die anderen die Namensliste vorlasen und jeder antworten sollte.

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KarlZoech
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Vertrottelter geht es wohl nicht mehr! In unserem schönen Land wird der Datenschutz in genau den falschen Bereichen total übertrieben!

Auch in anderen Bereichen:
So z.B. steht die Gemeindezeitung der Stadt Trieben, die "Stadtnachrichten", nicht mehr online, aus Datenschutzgründen, wie die Gemeindeführung offenbar befand.
Dies ist zum Glück noch ein singulärer Fall, ich fand, nachdem ich zumindest gut 100 Gemeindewebseiten besuchte, keine weitere Gemeinde, wo die Gemeindezeitung offline gewesen wäre.

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Sam125
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Datenschutz!

Je mehr "Datenschutz" in unsere Gesellschaft Einzug hält, umso anonymer wird sie und daher auch in jede Richtung lenkbarer!! Da brauchen wir bald keine richtigen Gesetze und auch den normalen "Hausverstand" nicht mehr, denn bald funktionieren wir als Marionetten, Datengeschüzt und von der mächtigen (Computer)Wirtschaft ferngesteuert!! Denn unsere Daten sind schon längst nicht mehr geschützt, sondern wir sind mit Sicherheit, schon lange "Gläsern" und mit Nummern versehen, aber die Lehrer dürfen nichteinmal mehr die Noten der eigenen Klasse laut ansagen! Wo bleibt da der ganz normale Konkurrenzgedanke unter den Schülern, der sehrwohl, auch den gesunden Ehrgeiz "anstacheln", kann!!

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gerbur
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Eigentlich dürften

auch Eltern und Schüler dien Namen des Lehrers nicht mehr wisse. Eine anonymisierte Dienstnummer wie bei der Polizei sollte genügen!

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dawirt100
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EU = Europäisch Unfähig

Es kommen nur Schwachsinnige Verordnungen von den EU Politikern aber die wichtigen Themen haben sie nicht im Griff.

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KarlZoech
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@ dawirt100: Ich sehe das Problem nicht bei der EU, denn grundsätzlich ist die DSGVO richtig und nötig,

es geht ja darum, die großen Datenkraken wie Google, Amazon, Facebook usw. einigermaßen im Zaum zu halten.

Das Problem besteht in Österreich darin, dass wir derartige Regelungen immer engstmöglich auslegen, das Problem ist also hausgemacht.

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Shiba1
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Nicht engstmöglich -

dümmstmöglich

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alher
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DSGVO Auslegung

Wird immer Skuriller!!!

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KarlZoech
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@ alher: Stimmt, leider!

Sehen Sie dazu auch meine zwei Postings weiter oben!

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