AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Hebamme auf der Aquarius"Ich bin erschüttert, wie herzlos mit Bootsflüchtlingen umgegangen wird"

Die Grazer Hebamme Nina Egger arbeitet für "Ärzte ohne Grenzen" auf dem Flüchtlings-Rettungsschiff "Aquarius". Derzeit sitzt das Schiff in den Gewässern vor Libyen fest.

Die Aquarius im Einsatz
Die Aquarius im Einsatz © (c) APA/AFP/SOS MEDITERRANEE/MAUD VEITH (MAUD VEITH)
 

Nina Egger ist hart im Nehmen. Die 32-Jährige sitzt mit ihren Kolleginnen und Kollegen von „Ärzte ohne Grenzen“, „SOS Mediterannée“ und der Schiffscrew der „Aquarius“ irgendwo in den Gewässern vor Libyen fest. In welchem Hafen das Rettungsschiff anlegen wird, ist unklar.

Panama hat nach eigenen Angaben am Sonntag auf Druck Italiens dem Flüchtlings-Rettungsschiff „Aquarius“ die Flagge und damit die Zulassung entzogen. Erst seit August weht die Flagge Panamas vom Mast der „Aquarius“. Zuvor hatte Gibraltar seine Flagge entzogen.

Damit ist das letzte private Rettungsschiff im zentralen Mittelmeer lahmgelegt. Italien dementiert indes zwar, Druck auf Panama ausgeübt zu haben, allerdings erklärt Italiens Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini: „Kein Land auf der Welt will mit einem Schiff in Verbindung gebracht werden, das sich bei Rettungseinsätzen im Meer querstellt, die Koordinierung der libyschen Küstenwache ablehnt.“

Nina Egger arbeitet auf der "Aquarius"
Nina Egger arbeitet auf der "Aquarius" Foto © Lauren King/Ärzte ohne Grenzen

Nina Egger: Das stimmt so ja nicht! Dieser Vorwurf ist doch fadenscheinig. Libyen ist schließlich kein sicheres Land! Der Großteil jener Menschen, die wir zuletzt aus dem Meer gerettet haben, sind ja aus Libyen geflüchtet.

Wie viele Flüchtlinge hat die „Aquarius“ an Bord?
58 Menschen. Davon sind 17 Frauen und 17 Minderjährige. Am Sonntag haben wir vor Libyen wieder Dutzende Menschen aus dem Meer gefischt. Erschöpft, dehydriert, am Ende.

Zur Person

Die Grazer Hebamme Nina Egger (32) ist seit 2015 immer wieder im Einsatz für „Ärzte ohne Grenzen“. Am LKH Graz, wo sie zuletzt arbeitete, ließ sie sich heuer für ein Jahr karenzieren.

Im Februar hob sie für vier Monate nach Bangladesch ab, seit Juli ist die Steirerin Mitglied der Crew des Such- und Rettungsschiffes „Aquarius“, das „Ärzte ohne Grenzen“ mit „SOS Méditerranée“ betreibt.

Nun sucht die „Aquarius“ erneut nach einem Hafen zum Anlegen. Wie ist die Stimmung an Bord?
Die Geretteten bekommen das alles nicht so mit, wir zeigen unsere Sorgen nicht wirklich. Im Team sind wir schon sehr betroffen. Es ist schockierend, dass dem Schiff, offenbar auf Druck von Italien, die Zulassung entzogen wurde.

Was sagen Sie zum Vorwurf, die „Aquarius“ würde das Schlepperwesen und den Menschenhandel fördern?
Das stimmt einfach nicht. Der Vorwurf macht mich traurig. Wären wir nicht da, würden alle ertrinken. Die Menschen nehmen diesen Weg auch auf sich, ob wir da sind oder nicht. All diese Leute haben nicht mehr viel zu verlieren, wenn sie sich auf diesen Weg machen. Sie sind am Ende, psychisch wie physisch. Viele haben grauenhafte Geschichten hinter sich. Und die Frauen, so viele Frauen, sind Opfer sexueller Gewalt.

Reden die Frauen denn darüber?
Nicht gleich. Nach und nach. Wir fragen vorsichtig, sprechen sie zunächst nicht direkt an, wir erzählen von anderen. Am Anfang sind alle stumm, weinen oder heulen, aber nach und nach beginnen sie zu erzählen. Es ist erschütternd.

Haben Sie Angst, dass die „Aquarius“ nirgends mehr anlegen darf?
Ich hoffe doch, dass wir einen Hafen finden. Ich bin erschüttert, wie herzlos mit Bootsflüchtlingen umgegangen wird.

FILES-EUROPE-MIGRANTS-AQUARIUS-LIBYA-FRANCE-PORT
Das Rettungsschiff kann derzeit keinen Hafen ansteuern Foto © APA/AFP/PAU BARRENA

Wie meinen Sie das?
Bei meinen anderen Einsätzen, etwa in Haiti, haben die Menschen wohlwollend reagiert, wenn sie gehört haben, was ich mache, das Feedback auf meine Arbeit war positiv. Jetzt gibt es sehr viel negatives Feedback. Geht es um Flüchtlingsschiffe, ist so viel Politik im Spiel. Und es ist alles so negativ besetzt.

Wie überstehen Sie es, tagtäglich mit so viel Leid in Berührung zu sein?
Es ist nicht leicht. Das ist tatsächlich eine der schwierigsten Herausforderungen. Es ist nicht einfach, ein Schicksal hinnehmen zu müssen, das man mit europäischen Möglichkeiten verändern könnte.

Kommentare (9)

Kommentieren
charly1312
5
7
Lesenswert?

Karenzieren

Wie kann man sich für ein Jahre so einfach Karezieren lasse?
Bei mir geht das nicht.

Antworten
SagServus
5
23
Lesenswert?

Das stimmt so ja nicht! Dieser Vorwurf ist doch fadenscheinig. Libyen ist schließlich kein sicheres Land! Der Großteil jener Menschen, die wir zuletzt aus dem Meer gerettet haben, sind ja aus Libyen geflüchtet.

Die Frage ist eher, sind das auch alles Libyer?

Wenn nicht, muss man sich sehr wohl den Vorwurf gefallen lassen, dass man selbst zur Schlepperei beiträgt.

Weil welchen Grund sollte es sonst haben, dass Leute sich nach Libyen begeben (das dies ein unsicheres Land ist, steht ausser Frage) um dort dann in diese schiffbruchreifen Boote steigen.

Antworten
ichbindermeinung
4
26
Lesenswert?

Ö nimmt täglich bis zu 50 Personen

Den Österreichern braucht man keinen unterschwelligen Vorwurf zu machen. Täglich suchen gezwungenermaßen bis zu 50 Verfolgte und Traumatisierte in Ö um Asyl an weil sich fast alle anderen EU-Länder unsolidarisch verhalten u. offenbar kein Herz u. Mitleid haben.. Allein von Jän-Juni2018 wieder über 7.000 Menschen die der österr. Steuerzahler aufgenommen hat und die sofort die Grundversorgung erhalten.

Antworten
Lodengrün
31
6
Lesenswert?

Und unser Kanzler

erklärt uns NGOs wären Schlepper ohne jeweils den Beweis dafür erbracht zu haben. Aber auch Frontex zählte er vor nicht allzu langer Zeit dazu. Er nennt auch den Ausdruck Anlandeplattformen mißglückt. Pech nur das Herr Wolf der Sache nachgeht und in seinem Block beweist das genau er es war der diesen Namen ans Tageslicht holte. Was wollen wir aber von unserem Kanzler schon erwarten. Er stand zu Rauchverbot so lange es ihm diente, war loyal zur Regierung und Mitterlehner..........

Antworten
Lodengrün
11
6
Lesenswert?

Oh

da dürfen sich die Fans von Blau/Türkis austoben. Freunde das was ich hier in das Forum stelle kann man googeln. Ist also die Wahrheit mit der ihr nicht leben könnt, wollt.

Antworten
eadepföbehm
1
9
Lesenswert?

Der Vollständigkeit halber muss ich dir schon mitteilen,

dass nicht alle Wahrheit ist, was man googeln kann.

Antworten
Balrog206
4
21
Lesenswert?

Loden

Gottseidank bist nicht du unser Kanzler !

Antworten
aral66
0
0
Lesenswert?

Aber

einen Balli Kanzler brauchen wir sicher auch nicht 🤣🤣🤣

Antworten
walterkaernten
7
41
Lesenswert?

migranten

Die europäer sind auch erschüttert, warum wir die weltprobleme nach EUROPA holen sollten.

Antworten