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Neue StudieMehr Steirer stecken in der Armutsfalle

196.000 Steirer oder 16 % der Bevölkerung sind armutsgefährdet: Neue Studie beleuchtet Gründe, Fördermodelle, zeigt Lücken (Wohnversorgung) auf – und rät zu "Armutsnetzwerk".

SPÖ-Kampus
"Arbeit ist der Dreh- und Angelpunkt im Kampf gegen Armut". © Juergen Fuchs
 

Kürzungen im AMS-Budget, Einschnitte bei der Mindestsicherung oder der Umbau der Kassenlandschaft. Was im Bund seit Monaten die Politik bestimmt, färbt freilich auf die Steiermark ab: Die Reform der  Mindestsicherung ist Thema, Sozialhilfeverbände und Sozialleistungen für Asylberechtigte sind es obendrein.

Genau diese und andere Punkte mehr sind Bestandteil einer neuen Untersuchung des IFA (Institut für Arbeitsmarktbetreuung und -forschung). Peter Stoppacher, Manfred Saurug und Kollegen haben im Landesauftrag Armut in der Steiermark beleuchtet. Demnach sind mittlerweile 196.000 Menschen "tatsächlich arm oder von Armut bedroht" – um 30.000 Personen mehr als im Jahr 2015.

Ohne Sozialleistungen wären es 329.000 Steirer. Unter den betroffenen Steirern sind knapp 51.000 Kinder und Jugendliche (bis 19 Jahre).

Freilich wird Armut unterschiedlich bemessen: Nach finanziellen Kriterien sind rund 128.000 Steirer arm oder armutsgefährdet. Zieht man materielle Faktoren heran, sind es 85.000 Steirer, die sich zum Beispiel kein Telefon, keine vollwertige Mahlzeit am Tag etc. leisten können.

Als Risikogruppen ausgeschildert sind Steirer mit geringem Bildungsabschluss, Alleinerzieher, Pensionistinnen, Haushalte mit drei oder mehr Kindern; außerdem nicht österreichische Staatsbürger und Langzeitarbeitslose.

Dafür gibt es ein "Netz": die Mindestsicherung (erhielten heuer im Mai 16.616 Personen) oder die Notstandshilfe – ein Drittel bekam weniger als 750 Euro pro Monat.

Erschwerend, so die Autoren, sind die steigende Zahl prekärer Arbeitsplätze, steigende Wohnkosten ("durch vernachlässigte Bestandspolitik mit hohem Leerstand") oder "eine teilweise problematische Haltung der Behörden".

Unser Sozialsystem mit Mindestsicherung und anderen Maßnahmen sorgt dafür, dass nicht noch mehr Menschen arm oder von Armut bedroht sind.

Doris Kampus
"Armut ist ein vielschichtiges Problem", so Soziallandesrätin Doris Kampus (SPÖ). Für sie seien Qualifizierung und Arbeit "der Dreh- und Angelpunkt im Kampf gegen Armut". Den Vorschlag, ein Armutsnetzwerk einzurichten, habe das Land aufgegriffen: Es gibt ein Beratungsgremium aus Experten.
Die Autoren gehen da weiter, empfehlen "eine Stärkung der Selbstvertretung von armutsgefährdeten Menschen". Notwendig sei wohl auch "ein letztes Netz", etwa für Flüchtlinge mit negativem Bescheid.

Armut

16 Prozent der Steirer, rund 196.000 Menschen, sind tatsächlich arm oder von Armut bedroht.
Vor zehn Jahren waren es weniger, konkret 160.000 Menschen in der Steiermark (14 Prozent).

Finanziell in Armut waren 2017 rund 128.000 Steirer. Eine "materielle Deprivation" (Entbehrung) haben 85.000 Steirer erlebt. 

Sozialleistungen erhielten 133.000 Personen.

Knapp 51.000 armutsgefährdete Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre leben in der Steiermark.

12.388 Menschen waren 2017 langzeit-beschäftigungslos.

2017 betrug die Armutsgefährdungsschwelle für Alleinlebende 1.238 Euro pro Monat.

Hingegen verfügen 77% der Steirer über ein mittleres Einkommen, 7% über ein hohes Einkommen.

 

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