Steirer des TagesAm höchsten Karriere-Punkt

Andreas Pollinger und seine Kollegen haben von China aus ihr Magnetometer ins Weltall geschickt.

Finale in China: Andreas Pollinger mit Bingjun Cheng und Bin Zhou vom „National Space Science Center“ in China
Finale in China: Andreas Pollinger mit Bingjun Cheng und Bin Zhou vom „National Space Science Center“ in China © privat
 

Mitten in der Wüste Gobi und das im Winter bei Temperaturen von minus 15 Grad und tiefer: In dieser unwirtlichen Gegend hat Andreas Pollinger vom Institut für Experimentalphysik der TU Graz im Jänner Abschlusstests durchgeführt – und zwar, um sein Forschungsprojekt zu finalisieren. Denn seit 2007 beschäftigt sich der studierte Elektrotechniker gemeinsam mit dem Institut für Weltraumforschung der Akademie der Wissenschaften mit dem Bau eines Magnetometers, das besonders genaue und stabile Daten liefert. Pollinger erklärt: „Das Gerät misst bildlich gesprochen so genau, dass es sagen kann, ob etwas exakt 50 Kilogramm wiegt oder doch 50 Kilogramm und 1 Gramm.“


Und genau davon profitiert nun ein Projekt, das vor gut einem Monat in China im wahrsten Sinne des Wortes abgehoben ist. „Wir kooperieren schon seit einigen Jahren mit dem ,National Space Science Center‘ in China. Anfang Februar haben wir gemeinsam von einer Abschussrampe in der Wüste Gobi einen Satelliten ins All geschossen.“ Daran befestigt eben jenes Magnetometer der Grazer Forscher. Ziel der Mission ist es, den Zusammenhang von elektromagnetischen Phänomenen und der Erdbebenaktivität zu untersuchen.

Das Projekt

Das Projekt ist eine Kooperation des Instituts für Weltraumforschung (ÖAW) mit dem Institut für Experimentalphysik (TU Graz).
Das Team: Andreas Pollinger, Roland Lammegger und Werner Magnes sowie Christian Hagen, Michaela Ellmeier, Irmgard Jernej, Mario Leichtfried, Christoph Kürbisch, Rupert Maierhofer, Robert Wallner, Gerhard Fremuth, Christoph Amtmann, Alexander Betzler, Magda Delva und Gustav Prattes.

Die Initialzündung für das Grazer Magnetometer stammt von Roland Lammegger, ebenfalls vom Institut für Experimentalphysik. „Mein Kollege hat 2007 das Prinzip dahinter entdeckt und Kontakt mit Werner Magnes vom Institut für Weltraumforschung aufgenommen.“ Dieses hat die Expertise für den Instrumentenbau im Weltall. Seit damals hat Pollinger maßgeblich an der Realisierung des Magnetometers mitgearbeitet und die Entwicklung in den letzten Jahren koordiniert. Mittlerweile ist die wissenschaftliche Höchstleistung in einer kleinen Box verpackt, wiegt 1,7 Kilogramm und verbraucht 3,4 Watt Strom.


Für den 35-Jährigen ist es der Höhepunkt seiner bisherigen beruflichen Laufbahn, entsprechend groß ist seine Freude: „Wir haben anfangs nicht gewusst, ob unsere Idee aufgeht, und nun kreist unser Gerät um die Erde.“ Die vergangene Woche verbrachte der gebürtige Obersteirer wieder in China, um diverse Feineinstellungen am Gerät vorzunehmen und die Magnetfeldmessung zu starten. Ab Mai werden die aufgenommenen Daten des Satelliten dann wissenschaftlich genutzt. Dieser braucht übrigens nur 95 Minuten, um ein Mal die Erde zu umkreisen. Insgesamt läuft das Projekt bis mindestens 2023.


Das Ende ist das jedoch noch nicht: „Unser Magnetometer wird 2022 auch bei einer Sonde der europäischen Weltraumagentur ESA eingesetzt.“ Diese soll ab 2030 drei Jahre lang den Jupiter und seine Monde vermessen und Daten zur Erforschung des inneren Aufbaus der Monde liefern.


Als Einzelstern am wissenschaftlichen Himmel sieht sich der Hobbyläufer aber keinesfalls: „Ohne die Leistung meiner Kollegen ist das alles nicht möglich.“

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