Heute in Graz!Kaya Yanar: Ausrasten mit Charme und Humor

Seit 20 Jahren begeistert der deutsche Comedian Kaya Yanar mit seinem Humor. Die Kleine Zeitung hat ihn über sein neues Programm "Ausrasten für Anfänger" und seine Verbindung zu Graz ausgefragt.

In Graz macht Kaya Yanar Station in der Helmut-List-Halle © HOANZL/Daniel Preprotnik
 

Als zwei Stunden "Lebenshilfe" bezeichnet der 44-jährige, deutsche Comedian, der seit zwei Jahrzehnten sein Publikum immer wieder mit seinem Humor begeistert. Heute, am 8. März, tritt der Komiker mit türkischen Wurzeln in der Grazer Helmut-List-Halle auf und will mit seinen Zuschauern über die Anstrengungen des Alltags lachen. Graz kennt der Künstler bereits gut, denn die steirische Hauptstadt war schon mehrmals ein Stopp auf seinen Tourneen.

Was kann man sich von dem neuen Programm erwarten, das Sie am 8. März nach Graz bringen?

KAYA YANAR: Meine Freundin bemerkt immer wieder, dass man immer grantiger wird, je älter man wird. Ich würde sagen, man wird ein wenig "alterswild". Einmal fuhr ich mit ihr mit dem Auto und da war ein Typ, der immer nur in sein Smartphone schaute, die Leute achten gar nicht mehr auf den Straßenverkehr. Ich musste eine Vollbremsung machen und hab dem wirklich sein Leben gerettet. Dann hab ich mich furchtbar aufgeregt und gesagt: 'Was kann denn so Wichtiges in seinem Handy stehen, dass der sein Leben dafür riskiert? Man sollte die einfach überfahren dürfen.' Meine Freundin hat sich weggelacht und gesagt, ich sollte ein neues Programm über alle Dinge, die mich aufregen machen und so ist "Ausrasten für Anfänger" entstanden.

Zum wievielten Mal kommen Sie denn jetzt mit ihrem Programm nach Graz?

YANAR: Ich glaube, es ist das fünfte oder sechste Mal. Ich toure ja bereits seit 2003 in Österreich und ich komme ungefähr alle zwei Jahre nach Graz.

Haben Sie gute Erinnerungen an die Stadt und die Leute?

YANAR: Sehr gute sogar, mir gefällt die Grazer Altstadt sehr und auch den Uhrturm finde ich irrsinnig schön. Auf der Insel im Fluss (überlegt), der Murinsel, war ich auch schon. Ich versuche immer auch, mir die Stadt ein wenig anzuschauen, in der ich gerade bin. Deshalb habe ich auch den Grazer Dom und den Burggarten besucht. Ich finde allgemein, dass Graz eine wahnsinnig multikulturelle Stadt ist.

Ihr Beruf lebt vom Humor, nehmen Sie auch in ihrem Alltag Dinge mit Humor?

YANAR: Ja, aber erst in zweiter Instanz, um ganz ehrlich zu sein. Im ersten Moment regt man sich immer über etwas auf oder hat eine schmerzvolle Erfahrung und erst wenn Gras über die Sache gewachsen ist und man zurückblickt, kann man über Situationen lachen. Letztes Jahr wollte meine Freundin unbedingt nach Australien und ich wollte da eigentlich nicht hin. Dann fliegt man da 25 Stunden und wenn es einem dann nicht gefällt ist es dann natürlich blöd. Ich bin lieber in Europa unterwegs, weil die Wege kürzer sind. Heute lache ich natürlich darüber und mache mich lustig über den Flug und über das karge Land, in dem es weit und breit nur rote Büsche, große Büsche, kleine Büsche, große Schlangen, kleine Schlangen und große, giftige Spinnen gibt und dass alles in Australien versucht einen umzubringen (lacht).

Finden Sie, dass "Ausrasten" ab und zu gesund ist?

YANAR: Ich glaube nicht, dass "ausrasten" wirklich gesund ist. Es gibt sogar Studien, die Menschen in zwei Gruppen getestet haben. Die einen mussten ihre Wut rauslassen, die anderen haben nach Lösungen gesucht und sind ruhig geblieben. Man hat herausgefunden, dass die viel gesündere Variante ist, nicht auszurasten, weil der Blutdruck bei Menschen, die ihre Wut unkontrolliert rauslassen, natürlich steigt. Beim Programm versuche ich das deswegen, auf eine lustige Art und Weise zu machen, es als eine Art 'Gruppentherapie' zu gestalten, bei der ich der verrückte Seelenklempner bin. Man kann auch mit Humor und Charme gesund ausrasten.

Warum ist ihre Show sehenswert?

YANAR: Ich glaube, jeder lacht einfach wahnsinnig gerne, auch in der Gemeinschaft, weil da eine schöne Atmosphäre entsteht, in der alle Spaß haben. Wenn 2000 Leute dann zusammensitzen, über Dinge lachen können, die sie verbindet, hat das eine therapeutische Wirkung. Das hab ich glaube ich, seit 20 Jahren recht gut hingekriegt. Wer Lust hat, zu lachen oder sich mit mir auf eine humorvolle Weise aufzuregen, für den ist die Show etwas.

Worüber rasten Sie im positiven Sinne aus?

YANAR: Das mag sich jetzt kitschig anhören, aber ich könnte immer wieder vor Freude ausrasten, was für ein Glück ich habe, dass ich eine Frau an meiner Seite habe, die ich liebe und die mir wichtig ist.

Finden Sie nach all den Jahren als Comedian ihre eigenen Witze noch lustig?

YANAR: Ein Programm verändert sich, man passt es an und manchmal merke ich während ein Tour, dass ein Witz nicht funktioniert oder er mir nicht gefällt, dann schmeißt man die Dinge eben raus oder verändert sie. Über kurz oder lang kann man nur das spielen, was man selber liebt und lustig findet, sonst würde einen der Job wahrscheinlich depressiv machen (lacht). Ich liebe es, Leute zum lachen zu bringen, idealerweise mit Dingen, die ich selber lustig finde und in dem Fall habe ich einfach wirklich Glück gehabt, dass mein Technik seit 20 Jahren aufgeht.

Wie ist das mit der Spontanität auf der Bühne: Bauen Sie auch kurzfristig Dinge ein?

YANAR: Ich finde die Interaktion mit dem Publikum extrem wichtig. Ich versuche Inputs der Gäste einzubauen und verwende auch soziale Medien zur Kommunikation. In meinem Programm gibt es immer eine Pause und dann fordere ich die Zuschauer auf mir kurz auf Facebook zu schreiben, was sie an diesem Tag aufgeregt hat. Ich frage auch die Leute immer nach spezifischen Ausdrücken, die in den Regionen üblich sind und ich rate dann, was die Begriffe bedeuten. Manchmal liege ich natürlich vollkommen daneben. Ich liebe diesen Zusammenspiel zwischen mir und dem Publikum, das finde ich positiv am Smartphone-Zeitalter.

Zwischen 22 Uhr und 8 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.