Geschützte TierartKurios: Baustopp in Graz wegen seltener Fledermäuse

Wegen "Großer Hufeisennase" beim Schloss Eggenberg gibt es jetzt den ersten Baustopp. Auch das neue Gondelprojekt vom Plabutsch könnte gefährdet sein. Die Hintergründe.

Im Dachboden von Schloss Eggenberg lebt die seltene Fledermausart Große Hufeisennase – aktuell sind es rund 30 Muttertiere, die im Sommer hier ihren Nachwuchs aufziehen © Umweltdachverband
 

Der Fall ist kurios und sorgt für Aufsehen. Im Mittelpunkt: Schloss Eggenberg in Graz, rund 30 Fledermäuse mit Nachwuchs, eine umstrittene Informationspolitik für Anrainer, ein Bauherr, dessen Projekt wackelt, und die Angst, dass die Fledermäuse nicht nur weitere Bauprojekte zu Fall bringen, sondern auch das spektakuläre Gondelprojekt vom Plabutsch.
Das Schloss Eggenberg wurde vor drei Jahren mit seiner Parkanlage zum Europaschutzgebiet Nr. 42 gemacht. Hintergrund dafür ist das Vorkommen der seltenen Fledermausart Große Hufeisennase, deren Flugradius über die Parkanlage hinaus fünf Kilometer um das Schloss führt. Und zwar im Sommer, wenn sie auf Nahrungssuche sind, um ihren Nachwuchs im Dachboden des Schlosses zu füttern. In diesem nicht vom Europaschutzgebiet umfassten Umfeld des Schlosses wurde in den letzten Jahren intensiv gebaut.

Umso größer war die Überraschung für jenen Bauherrn, der zwar ein Grundstück mit aufrechter Baubewilligung teuer kaufte, aber dessen Bauvorhaben von der Naturschutzbehörde gestoppt wurde. „Jetzt muss mein Mandant völlig überraschend ein für ihn aufwendiges Fledermausgutachten mit offenem Ausgang abwarten“, wie der bekannte Rechtsanwalt Georg Eisenberger erklärt. Obwohl das Grundstück gar nicht im Europaschutzgebiet liegt: Wenn das Projekt jedoch den Lebensraum der Fledermäuse beeinträchtigt, kann nicht gebaut werden.
Alle Grundstücksbesitzer im Umkreis von rund fünf Kilometern um das Schloss, die bauen oder Veränderungen auf ihren Grundstücken vornehmen wollen, könnten betroffen sein. Sie bräuchten eine naturschutzrechtliche Bestätigung, dass ihre neuen Vorhaben nicht die Kreise der Fledermäuse stören.

 

Rund um das Schloss gibt es einen Fünf- Kilometer- Radius, in dem sich die Fledermäuse bewegen. Jetzt wurde deshalb erstmals ein Baustopp verhängt Foto © Jürgen Fuchs

Aber damit ist der Fall noch nicht komplex genug: Für die gesetzliche Entschädigungspflicht – wenn ein Projekt nicht gebaut wird etc. – läuft laut Eisenberger die Frist zwischen April und Juni 2018 ab.
Sicherheit, dass das Bauprojekt die Fledermäuse unbehelligt lässt, kann nur ein Gutachten liefern. Aber so ein Gutachten kann erst im Juni/Juli durchgeführt werden, wenn die Fledermäuse wieder unterwegs sind – derzeit befinden sie sich ja im Winterschlaf.

Die meisten Anrainer und Grundstücksbesitzer wissen weder, dass die Frist abläuft, noch, dass sie so ein Naturschutzgutachten benötigen.
Von der zuständigen Landesbehörde heißt es dazu: „Laut Gesetz müssen wir nicht jeden darüber informieren. Man kann jetzt sagen, wir haben das verschlampt. Aber wir haben alle Verordnungen auf der Homepage und auf der Amtstafel veröffentlicht.“ Und: „Wenn es Einfluss auf das Schutzgut Fledermaus gibt, dann darf man nicht bauen.“
Das wird zu einem Problem für das spektakuläre Gondelprojekt der Stadt Graz. Zwei Trassen sind in Planung. Eine vom Plabutsch zum Thalersee und die andere nach Eggenberg.

Eine Naturverträglichkeitsprüfung in Sachen Fledermaus wird es geben, davon geht man bei der Landesbehörde aus. Dabei wird untersucht, wie das Projekt die Fledermäuse in ihren Lebensgewohnheiten beeinflusst. „Der Plabutsch ist ein wichtiges Nahrungsmittelgebiet. Es ist schwer zu beurteilen, wie sich das auswirkt, auszuschließen ist es nicht. Ein Problem ist die Zerschneidung des Hangwaldes, wenn man die Schneise für die Gondel macht. Man muss sich das Projekt konkret anschauen“, erklärt Peter Sackl vom Universalmuseum Joanneum, der die Agenda Fledermäuse betreut.

Kommentare (1)

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peterkoch63
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Hab ich jetzt richtig verstanden?

Wegen 30 Fledermäusen plus Nachwuchs werden Baubewilligungen aufgehoben und eine Gondelbahn nicht gebaut? Gehts noch? Weil die Fledermäuse dann nicht genug Futter bekommen oder was...

Lieber Gott, lass es Hirn regnen - aber viel!

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