Steirer des TagesBodenständiger Modellbauer als Modellathlet

Lukas Klapfer hat als 18. Steirer eine Olympia-Medaille gewonnen. Abheben wird der Eisenerzer deswegen aber sicher nicht.

Bringt eine Olympia-Medaille mit zurück in die Steiermark: Lukas Klapfer © APA/Fohringer
 

Es ist der Moment, auf den jeder Sportler in seiner Karriere hinarbeitet – die Siegerehrung bei Olympischen Spielen. Lukas Klapfer eroberte am Mittwoch Bronze in der Nordischen Kombination, er ist der 18. Steirer, der mit – zumindest – einer Medaille die Heimreise antreten wird, doch noch warten zwei weitere Bewerbe auf den Eisenerzer.


Dass Klapfer überhaupt Kombinierer ist, hat mit einem anderen Eisenerzer zu tun: Mario Stecher, den er von Kindesbeinen an kennt, denn die Großeltern wohnten Haus an Haus. „Und als er 1994 in Lillehammer seinen ersten Weltcup gewonnen hat, war klar: Das will ich auch!“ Kurz darauf fiel auch die Entscheidung für die Sporthauptschule Eisenerz und gegen die technische, die die Alternative war, „ich bin ja durch den Papa vorbelastet“. Für ein Jahr ging es dann sogar ins Skigymnasium Stams. „Das hat mich mit 14 aber überfordert“, sagt Klapfer, im Team nur „Luke“ genannt. Klapfer ist heimatverbunden, wie er es nennt. „Ich war froh, zurückzukommen nach Eisenerz – und da hat es mit der Ausbildung zum EDV-Techniker neben dem Sport auch gut gepasst.“


Klapfer war in der Kombination kein Senkrechtstarter wie sein Vorbild Stecher, der von ihm sagt: „Als Kleiner war er schlecht in allen Sportarten, die einen Ball dabei haben. Aber auf dem Rad, da war er unglaublich.“ Klapfer lacht: „Ja, sie nannten mich Rad-Gott. Und auch heute noch, mit 32 Jahren, ist es mir nicht zu blöd, auf dem Hinterrad durch die Stadt zu radeln. So wie Rad-Weltmeister Peter Sagan.“ Nicht nur auf Fahrrädern, gerne auch auf motorisierten Zweirädern: Ob Motocross – natürlich auf dem Erzberg und früher auch in Meisterschaften – oder Trial, Klapfer nimmt alles unter die Füße, was zwei Räder hat.

Zur Person

Lukas Klapfer, geboren am 25. Dezember 1985 in Eisenerz, lebt mit Freundin Kati und Tochter Valentina (4) in Trofaiach, die Eltern sind Karin und Gottfried Klapfer
Verein: SC Erzbergland
Hobbys: Motocross, Sport
Größte Erfolge: Olympia Bronze Einzel Normalschanze Pyeongchang 2018, Bronze Team Sotschi 2014


In der Karriere gab es ein stetiges Auf und Ab. Vier Mal war er schon nahe dran, die Karriere zu beenden. „Aber dann habe ich immer gute Entscheidungen getroffen. Und mir macht mein Sport so viel Spaß, dass ich mir nie eingestehen wollte, dass es das war. Man muss halt dranbleiben in solchen Situationen.“ Nun schwimmt er wieder auf einer Erfolgswelle, ändern wird ihn die Medaille nicht. Wenn andere über ihn sprechen, fällt immer das Wort „bodenständig“. „Was auch immer das ist“, sagt der Vater einer Tochter (Valentina, 4). „Aber wenn es heißt, dass ich manchmal Morgenmuffel bin und in der Früh ein fades Aug‘ habe, dass ich nicht immer trainieren will, wie andere nicht immer arbeiten wollen, dann stimmt das.“ Der Sport ist für ihn ein Job, kein Grund abzuheben: „Ich verstehe nicht, wo andere Sportler das Abgehobene hernehmen.“


Was für Klapfer zählt, ist Heimat – „wir haben uns ein Haus in Trofaiach gebaut, weit weg von daheim habe ich es also nicht geschafft“ – und Familie. Seit 15 Jahren ist er mit Freundin Kati liiert, noch ohne Trauschein. „Sie macht mir keinen Druck“, sagt er lachend, „aber früher oder später werde ich den Schritt wagen. Wann, wie und wo ich frage, lasse ich offen.“

Eisenerz und Olympia

4 Olympiamedaillengewinner hat Eisenerz:
Reinhold Bachler (Silber 1968 Grenoble),
Mario Stecher (Bronze 2002 Salt Lake City, Gold 2006 Turin und 2010 Vancouver, Bronze 2014 Sotschi),
Daniela Iraschko-Stolz (Silber 2014 Sotschi),
Lukas Klapfer (Bronze 2014 Sotschi
und 2018 Pyeongchang)


Seine Freizeit verbringt er sowieso am liebsten mit Freundin und Tochter. Wenn die im Bett ist, geht es ab in den Hobbyraum, oft stundenlang: „Ich baue Modellautos selbst. Und ich nehme auch an Trial-Rennen teil, wir treffen uns drei, vier Mal im Jahr – dann geht es über Tore durch einen Geschicklichkeitskurs.“ Er lötet, schraubt, bastelt selbst, tauscht sich in Foren mit andern aus, vergleicht und verbessert.


Was er sonst noch mag: „Musik – aber nicht selbst spielen, das mit der Flöte ging schon in der Volksschule in die Hose.“ Und natürlich seinen Sport, eine Mischung aus Adrenalin beim Skispringen und Qual im Langlauf. Das noch länger: „Olympia 2022 ist ein Thema –wenn ich mithalten kann.“

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