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Nikolaus & KrampusBeim Nikolo ist längst schon der Bart ab

Kaum ein Heiliger wurde über die Jahre so instrumentalisiert wie der Bischof von Myra: Er war verlängerter, erhobener Zeigefinger vieler Eltern und wird nun zur Speerspitze im Kampf der christlichen Leitkultur.

Nikolaus mit Bart und Krampus, so war es einst – heute fehlen oft schon Bart und finsterer Geselle © Patrick Sommerregger-Baurecht
 

Kinder der 1970er wissen, wovor man sich beim Nikolo-Hausbesuch fürchten muss. Da liest dieser weißbärtige Mann aus seinem allwissenden Buch vor, welche Verfehlungen die Kleinen sich geleistet haben. Ob der Krampus daneben angsteinflößender war als die quälende Frage, woher der Alte das alles weiß, muss jeder aus seiner Erinnerung beantworten. Dann gab es Mandarinen, Nüsse, Schoko. Saures, dann Süßes – so erlebten viele Kindergenerationen den Bischof von Myra als Erziehungshelfer von Eltern, die sich heimlich ins Fäustchen lachten.

Kommentare (2)

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zweigerl
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Planeure und Planeusen

Der Artikel bringt es an einem vergleichsweise trivialen Beispiel auf den Punkt, dass die phantasielosen Agenten einer Multitoleranzgesellschaft mit ihren gesinnungstotalitären Vorschriften jedes existenzielle Überraschungsmoment eskamotieren. Diese Planeure, häufiger: diese erziehungswissenschaftlich konditionierten Planeusen der Ereigniskontingenz des Lebens sind gleichzeitig die Gehilfen einer kommerziell einträglichen Spielzeugindustrie, die mit blödsinnig mechanisieren Gags den Kindern die Offline-Welt abschneiden. Tschingel bell! unterm Weihnachtsbaum füllt gefahrlos die Kassen der Geschäfte.

paulrandig
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Hä???

"Agenten einer Multitoleranzgesellschaft mit ihren gesinnungstotalitären Vorschriften"? Das ist eine Contradictio in se (Auf Deutsch: Widerspruch in sich).
Die kommerzielle Ausschlachtung des Nikolaus hält sich ebenfalls in Grenzen, diese Aufmerksamkeit zieht Santa Claus größtenteils auf sich.
Zu guter Letzt eine ganz allgemeine Frage: Wird man eher phantasieloser, wenn man sich einkastelt, oder wenn man "multitolerant" ist? (Eine der blödsinnigsten Wortschöpfungen, die ich in letzter Zeit lesen durfte. Wird hier etwa absichtlich die Prädisposition gegenüber "Multi-" als Negativassoziation missbraucht?).
Ich denke, Planeusen und Planeure, die alles so festwalzen wollen, wie es "immer schon" war, sind bedenklicher als Leute, die anderen sowohl ihre eigene Kultur mitteilen als auch neugierig auf Austausch sind.