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Nach Unfall"Ich hab gleich gemerkt, das geht sich nicht aus"

Der „1/2 Iron Triathlon“ am Röcksee war heuer von einem schweren Unfall überschattet: Ein 43-jähriger Triathlet krachte in ein Auto – er ist querschnittgelähmt. Stefan Temel (25) aus Gralla konnte in letzter Sekunde verreißen . . . Von Beate Pichler

Er konnte gerade noch verreißen: Stefan Temel (25), Triathlet aus Gralla © (c) Alexander Danner
 

Es war ein „1/2 Iron Triathlon“. 1,9 Kilometer schwimmen, 90 Kilometer Rad fahren und im Finale noch ein Halbmarathon. Start in der Früh am Röcksee, der Schnellste sollte 3:37:26,8 später ins Ziel einlaufen. Da war für zwei Triathleten der Wettkampf allerdings schon längst vorbei: Den beiden war auf der Radstrecke – bei einer Geschwindigkeit von 40 km/h – ein Pkw in die Quere gekommen. Buchstäblich. Der erste, ein 43 Jahre alter Deutscher, krachte mit voller Wucht in das Auto. Stefan Temel (25) aus Gralla war zehn Meter dahinter. Er konnte noch verreißen, kam zwar ebenfalls zu Sturz und ins Krankenhaus, bleibende Schäden trug in seinem Fall aber nur das Rennrad davon. Der Fahrer vor ihm dagegen wird nie wieder bei einem Triathlon antreten. Seine Welt ging in diesem Augenblick mit vielen Knochen in Brüche. Karsten P. ist querschnittgelähmt.

Ich hab gleich gemerkt, das geht sich nicht aus. Ich hab nur noch das Auto gesehen und das Rad . . .“ 

Stefan Temel, Triathlet


Stefan Temel sitzt vor einem Espresso und lässt jenen 7. Mai – den Samstag vor dem Muttertag – noch einmal Revue passieren. Er selbst war das erste Mal am Röcksee am Start, für ihn sollte es ein Vorbereitungswettkampf für den Ironman im Juni in Kärnten werden. Und zunächst ging auch alles glatt. Das Schwimmen hatte er bereits hinter sich und 55 Kilometer auf dem Rennrad schon heruntergestrampelt – den Großteil davon mit einem zweiten Fahrer. Persönlich kannte er ihn nicht, das Einzige, was die beiden verband, war der vorgeschriebene Zehn-Meter-Abstand. Und das schon seit etwa 30 Kilometer – auf einer 45 Kilometer langen Strecke, die zwei Mal gefahren werden muss.


Wobei nur größere Kreuzungen abgesperrt sind . . .
Bei größeren Veranstaltungen mit Tausenden Teilnehmern und weit höherem Startgeld sei das etwas anderes, erklärt der Sportler – aber bei einem Wettkampf wie diesem ist klar: Grundsätzlich gilt die Straßenverkehrsordnung, „wenn mir bei einer Kreuzung mit einer Stopptafel keiner winkt, dass ich fahren kann, muss ich stehen bleiben“. Und: „Man ist sich des Risikos bewusst“, deshalb sei es auch so wichtig, „mit Kopf zu fahren“. Aber in dieser Situation . . .

Keine Chance

Es passierte um 11.55 Uhr auf der L 280 bei Edla in St. Peter am Ottersbach. Vorneweg Karsten P., zehn Meter dahinter der Steirer. Zügig unterwegs. „Auf einer Halbdistanz ist man in einem anderen Pulsbereich unterwegs, ist relativ auf Anschlag.“ Der Radcomputer zeigte 40 km/h, als die beiden auf die Kreuzung mit dem Tannerweg zukamen. Geduckt auf dem Triathlonrad: „Das Entscheidende beim Radrennfahren ist die Aerodynamik, man macht sich am Rad so klein wie möglich . . .“
Und dann stand plötzlich der Wagen in der Straße. Eine 19-jährige Lenkerin war aus der Gemeindestraße in die Landesstraße hinausgefahren. Buchstäblich „aus dem Nichts“ sei sie gekommen, schildert Temel. Sie hatte – zeigt der Triathlet auf einem Foto von der Unfallstelle – zwei Verkehrsspiegel. Doch offenbar hatte sie die Radler zu spät gesehen. Und sich vermutlich so geschreckt, dass sie stehen blieb.

Ein Schreckmoment für alle.

„Die rechte Seite war versperrt“, aber „wir wollten links ausweichen“, so der 25-Jährige. Aber in diesem Moment fuhr der Wagen wieder an. Und damit war plötzlich die linke Seite zu. „Ich hab gleich gemerkt, das geht sich nicht aus. Ich hab nur noch das Auto gesehen und das Rad – hab einfach bei 40 km/h volley nach links eingeschlagen. Ich hab gewusst, entweder ich schlage ein oder bin im Auto drin.“

Temel
Ausfahrt aus Sicht der Lenkerin . . . © Temel

Temel
. . . Kreuzung aus Sicht der Radler © Temel


„So fünf Meter“ vor dem Wagen ging’s in die Pampa – „das Rad hat’s ausgehoben, ich hab mich einmal überschlagen“, dann schlug Temel auf der Wiese auf.
Karsten? „War viel näher beim Auto . . .“ Stefan Temel hatte noch kurz gesehen, dass der andere zu bremsen versuchte, „dann habe ich einen Kracher gehört oder bilde mir ein, einen gehört zu haben“. Der Sportler war „in die A-Säule“ des Wagens gekracht.


Das wusste Stefan Temel noch nicht, als er sich aufrappelte. „Ich bin mit dem Rad hinauf und hab gedacht, so, jetzt geht’s weiter.“
Falsch. Keinen Meter mehr. Denn da lag er, der andere Sportler. Zwar ansprechbar, aber „er konnte nur schwer reden“ – wie sich später herausstellen sollte, waren unter anderem jede Menge Rippen gebrochen. Das war aber nicht das Schlimmste. Ob in diesem Moment schon klar war, was passiert war? „Wenn jemand sagt, dass er bis zum Wirbel hinauf nichts mehr spürt“, dann kann man sich den Rest ausmalen . . ., senkt Temel den Kopf.
Der Referee am Motorrad, Anrainer, Polizei – es wurden immer mehr an der Unfallstelle, eine gefühlte Ewigkeit habe man aber auf die Rettung gewartet, schließlich kam der Notarzt. Der Hubschrauber C12 flog den Verletzten nach Graz, ein paar Tage später wurde der 43-Jährige nach Deutschland überstellt. Der Steirer kam zur Sicherheit ebenfalls ins Spital, das Rad hatte aber mehr Schrammen abbekommen als er selbst.
Mit ihm hat inzwischen die Lebengefährtin von Karsten P. Kontakt aufgenommen, der Vater des Deutschen meldete sich bei der Kleinen Zeitung, fassungslos, wie das passieren konnte. Für den „Triathlet aus Leidenschaft“ (so Karsten P. auf seiner Homepage) und die Menschen um ihn ist eine Welt zusammengebrochen.

„Aus dem Nichts heraus“

Wie steckt man so ein Erlebnis als Sportler weg? „Man hat als Triathlet im Training immer wieder brenzlige Situationen“, meint der 25-Jährige. Man wisse auch um gefährliche Stellen. „Man muss dann mit Kopf fahren“, präge sich im Vorhinein schon ein, wo’s besonders aufpassen heißt. Nur: Wenn – wie in diesem Fall – die Gefahr „aus dem Nichts heraus“ komme, „dann kann man nicht reagieren“, da habe man keine Chance.
Für ihn ist trotzdem klar: Er will beim Ironman in Kärnten starten. „Man investiert keine 15 bis 20 Stunden Freizeit jede Woche, trainiert sehr harte Einheiten, dass man dann sagt, jetzt höre ich auf.“ Man sei sich der Gefahr bewusst. Aber Triathlon sei eben mehr als Sport. „Das ist eine Lebenseinstellung.“

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Danke für Ihr Verständnis.

the_critic
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Solche Unfälle passieren bei diesen Sportveranstaltungen leider immer wieder. In der Regel übersieht ein Autofahrer die Sportler, ganz wie in diesem Fall.

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MPOV
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Ich glaube, das hat nichts mit der Veranstaltung zu tun, wenn ein Autofahrer den Vorrang eines Radfahrers missachtet. Es hätte jeden normalen Radfahrer, Biker oder Autofahrer ebenso treffen können (vielleicht mit weniger dramatischen Folgen).
Solche Situationen erlebe ich in Graz auf dem Weg zur Arbeit fast täglich. Erst heute morgen bog die Müllabfuhr so knapp vor mir raus, dass nur eine Schnellbremsung Schlimmeres vermeiden konnte.
Viele sind leider beim Autofahren mit dem Kopf ganz woanders.

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KeinBausparer
1
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Bleibende Schäden trug das Fahrrad davon.



Dieser Schreibstil läßt zu wünschen übrig!!!

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melisse
6
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Unglaubliches Drama!

Frage Herr Redakteur,
haben sie ihren Bericht
(" Seine Welt ging in diesem Augenblick mit vielen Knochen in Brüche... " )
nach dem Besuch mehrer Buschenschanken verfasst, oder sind sie von Haus aus so begabt?

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DanL
5
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Gerade bei so einem Bericht...

ich schäme mich für diese Schreibweise.

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