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Streit um Gehälter

Streit und Chaos an der MedUni Graz

Der Betriebsrat plant den Protest am Hauptplatz und sieht Patienten in Gefahr. MedUni-Ärzte wollen aus dem neuem Arbeitssystem aussteigen – der Uniklinik gehen Mediziner aus. Von Didi Hubmann

© Hoffmann
 

Seit der Unirat – der Aufsichtsrat der MedUni – die Gehaltsvereinbarungen des MedUni-Rektorats mit dem Betriebsrat nicht akzeptiert hat, ist Feuer am Dach. Der Unirat sagt: Es ist nicht genug Geld dafür da.
Jetzt kam es zur ersten Betriebsversammlung – und die Situation hat sich nicht verbessert. Im Gegenteil.
Der MedUni-Betriebsrat war zuletzt selbst unter Druck gekommen und wurde in der Betriebsversammlung sogar zum Rücktritt aufgefordert. Was man ihm vorwirft? Die aktuellen Betriebsvereinbarungen (neben Gehältern, Arbeitszeiten etc.) wären vorschnell unterschrieben worden, das wäre ein Fehler gewesen. Und rechtlich kommt man jetzt aus den weiteren Betriebsvereinbarungen nur schwer heraus.

Raus aus dem System

Damit können die MedUni-Ärzte nur so Druck ausüben: Sie klinken sich aus dem aktuellen Arbeitssystem, der freiwilligen Opt-out-Regelung aus, mit der die EU-Arbeitszeitenregelung umgangen werden kann. Das heißt, sie dürfen EU-Arbeitszeiten nicht überschreiten und arbeiten kürzer, als es gebraucht wird. Außerdem wird geprüft, ob MedUni-Ärzte keine Journaldienste mehr machen. Schon eine der Maßnahmen würde bedeuten, dass die Patientenversorgung leidet. 600 Landesärzte müssten einen Teil der Arbeit der 500 MedUni-Ärzte übernehmen: Das ist nahezu unmöglich.
Betriebsrätin Regina Gatternig, die vor der Betriebsversammlung einen offenen Brief an die Politik gerichtet hatte („Universitätsrat gefährdet Patientenversorgung in der Steiermark“), weist Fehlverhalten bei den Verhandlungen zurück. Und sie sagt: „Wir werden die Patientenversorgung nicht gefährden.“ Der Betriebsrat ruft zu wöchentlichen Betriebsversammlungen – am 26. Mai auf dem Grazer Hauptplatz.

Situation außer Kontrolle

Die Situation scheint außer Kontrolle zu geraten. Der Ärzte-Widerstand organisiert sich auch außerhalb des Betriebsrates, damit wäre das Chaos perfekt – weil niemand mehr darauf Einfluss hat. Der Kleinen Zeitung liegen Informationen vor, dass eine Reihe von MedUni-Ärzten die Fortführung der Opt-out-Regelung verweigern werde. Ein Arzt schrieb: „Ich habe dem Opt-out gerne zugestimmt, um eine optimale Patientenversorgung in schwierigen Zeiten zu unterstützen. Mit dem Platzen der Betriebsvereinbarung sehe ich die Patientenversorgung und Patientensicherheit sowie den universitären Betrieb aber bereits organisatorisch gefährdet und ziehe schweren Herzens meine Zustimmung zurück.“ Ziehen zu viele MedUni-Ärzte ihre Zustimmung zurück, ist der Betrieb spätestens ab Mitte des Jahres schwer gefährdet.

Auf Kosten der Patienten

Die Klinik lässt aktuell mitteilen: „Die Notfallversorgung am LKH-Univ. Klinikum Graz ist jederzeit gesichert.“ Kages-Vorstand Karlheinz Tscheliessnigg weist auf eine weitere Facette hin: „Es kann nicht sein, dass auf Kosten der Patienten so eine Machtpolitik betrieben wird. Viele Professoren, Mediziner und der Uni-Senat stellen fest, dass sie sich mit dem MedUni-Betriebsrat solidarisch erklären und den Unirat auffordern, die Gehaltsbetriebsvereinbarung zu akzeptieren.“

Rettungsversuche

Jetzt wird hinter den Kulissen versucht zu retten, was zu retten ist. Die Ärztekammer wird miteinbezogen. Die Hoffnung: dass es nicht zu spät ist, denn Hilfsangebote der Ärztekammer wurden bisher abgelehnt. Mehrfach.

Im Unirat hat man ein „erweitertes Team im Rektorat“ beauftragt, Vorschläge auszuarbeiten. Rektor Josef Smolle sagt, dass allen die Dringlichkeit bewusst ist.

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Danke für Ihr Verständnis.

serodop
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Herdentiere!?

Als der " Feingeist" Tscheliessnigg seine ehemaligen Kollegen beleidigt hat, hat er wahrscheinlich Herden mit Rudeln verwechselt.

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Morbus
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Es krankt an allen Ecken und Enden!

Zum Einen entstehen, um Millionen von Euros, Krankenhaus Paläste (man braucht sich nur die Bautätigkeit in und rund um das Klinikgelände anschauen) und zum Anderen ist kein Geld für die Patientenversorgung mehr vorhanden.
Das Betriebsklima am UNI KLINIKUM ist auf einigen Abteilungen miserabel...
1. weil die, vor allem Jungmediziner, bis aufs Letzte ausgenützt werden, während sich einge Älteren auf deren Kosten einen Lenz machen!
2. Bundesbedienstete müssen, (und da wiederum die junge Generation) neben der Patientenversorgung, zusätzlich noch forschen und sich habilitierten sonst kann ihr Vertrag auslaufen und sie stehen ohne Job da!
3. Es ist kein Wunder das Ambulanzen überlaufen sind und zu wenig Personal für den Patientenansturm vorhanden ist, wenn es Leute gibt die wegen einer Erkältung, einer Fieberblase oder einem kleinen "Wimmerl" dort Auftauchen um sich, natürlich mit einem riesigen und teuren Aufwand, denn sie dürfen nicht weggeschickt werden, versorgen zu lassen!
Es muss einfach vieles reformiert werden..aber dazu fehlen die richtigen Politiker und Führungspersonen! Leider!

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luzazul
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der Vertrag von Bundesbediensteten kann nur in die Staatspension auslaufen,

weil die allesamt pragmatisiert sind.

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Riboflavin
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Das stimmt

Einfach nicht...

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luzazul
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natürlich stimmt das

seit 2002 gibt es das UG02. Seit 13 Jahren gibt es keine neuen Bundesbediensteten mehr an der MUG. Die vor 2002 ihren Vertrag bekamen sind alle pragmatisiert.

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barbabella18
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So ein Unsinn! Besser informieren!

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BenHemmens
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Wie viele Jahre Anlauf

hatte die Politik, um diesen Übergang zu regeln? 10? 20? 30?

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Riboflavin
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Re: Wie viele Jahre Anlauf

20....ein ganz ganz 'klein' wenig traurig is das...

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argus13
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Die abgeblich erfolgreiche (Verurteilungen?) Richterin Leitner als Ratsvorsitzende hat den vorgelegten Kompromiss abgelehnt. Was hat eine Richterin im Gesundheitswesen verloren????

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da werden noch einige Ärzte

ins Ausland gehen!

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russelup
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um was es auch geht

die uni will ja nicht nur die Ärztegehälter aufstocken, sondern auch die Gehälter aller nichtärztlichen Wissenschaftler und die Beamten sowieso, nur der Rest schaut durch die Röhre - und das mit Geld, das scheinbar nicht vorhanden ist...wer soll da zustimmen?

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Seit zig Jahren ist das Problem bekannt -

Die Kages Manager haben auf ganzer Linie versagt.

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luzazul
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eine dramatische Entwicklung in ganz Österreich

ist das nicht mehr zu übersehende Runterfahren der Leistungen in den Spitälern. Die Bevölkerung spürt bereits die Versorgungsengpässe, Oberhauser, Wehsely, Mitterlehner,... gaukeln trotzdem die heile Welt vor. Es ist erstaunlich, dass sich die Bevölkerung nicht auflehnt. Wo bleibt der Aufschrei der Patientenanwälte. Jetzt könnten sie etwas vernünftiges tun anstatt bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die Ärzte hinzuhauen.
Viele junge Ärzte aus meiner Verwandtschaft sind ins Ausland gegangen und bleiben dort. Wie viele tausend andere auch. DAS ist das Problem, das Arbeitszeitgesetz hat das Problem nur verschärft.

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StockBoss
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Solange sich die oberste Riege der Herrn Primarii und Professores

derart am Futtertrog bedient, dass für Jungärzte, Mittelbau und Schwesternstation nur Brotkrumen übrig bleiben ist das System krank!

Die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems steht an der Kippe und die Herrschaften bedienen sich munter weiter!

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