Eisschnelllauf-Sprint-WM"Herzog-Style" verbreitet sich wie ein Lauffeuer

Eisschnellläuferin Vanessa Herzog startet heute bei Sprint-WM in den Niederlanden. Technik und Team als Erfolgsgeheimnis.

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Inzwischen ein eingespieltes Team: Greig, Vanessa und Tom Herzog, Voste, Hill, Tao und Crippa (links). Die Ferlacherin genießt die Zeit in Holland (r.) © GEPA; KK/Privat (2)
 

Er ist speziell, individuell und bereits so ausgereift, dass ihn zahlreiche Athleten versuchen abzukupfern. Die Rede ist vom sogenannten „Herzog-Style“, der in niederländischen Medien längst die Runde macht. Vanessa Herzogs Trainer und Ehemann Tom verrät, dass sie in den vergangenen zwei Jahren eine komplette Technikumstellung auf die Beine gestellt haben. „Ich fahre jetzt einen modernen Eisschnelllaufstil. Es ist einer, den die Holländer und Russen bevorzugen, doch komplett das Gegenteil von dem, was einen in Österreich gelehrt wird“, erklärt Vanessa. Früher hieß es, der richtige Abdruck kommt am Ende der Streckung. Die Kärntnerin wählt eine andere Option: „Ich versuche, den Abdruck so kurz wie möglich zu halten, sowie den Fuß so kurz wie möglich zu strecken. Ich mache in der Kurve extrem kurze Schritte, wo ich die gesamte Kraftentwicklung unter dem Körper habe.“

So simpel es klingen mag, es war definitiv ein Prozess intensiver Arbeit und avancierte in letzter Konsequenz zu einem Erfolgsgeheimnis. „Das ist ein Grund, dass ich einen gravierenden Entwicklungssprung gemacht habe. Körperlich war ich immer stark“, grinst die amtierende Weltmeisterin über 500 Meter.

Im niederländischen WM-Ort Heerenveen hatte das Erfolgsduo die Möglichkeit, mithilfe einer Video-Kamera bestimmte Winkel auszumessen. Mit Super-Slow-Motion-Aufnahmen erkennt man exakt, wie die Wintersportlerin abdrückt. „Das hilft uns enorm.“ In Inzell gelang es ihr als erste Frau, in der Eingangskurve eine Geschwindigkeit von über 55 km/h zu entwickeln – ein Meilenstein. Bei Trainingsfahrten, bei denen Männer Temporunden vorgeben, kommt Herzog sogar in Bedrängnis, da sie eine deutlich höhere Geschwindigkeit aufbaut. „Die ersten Male konnte ich den Druck nicht halten, da ich es nicht gewohnt war. Stürze konnte ich gerade vermeiden.“

Kleines, feines Kernteam

Apropos Erfolgsgeheimnis. Die Herzogs sind im Eisschnelllauf-Zirkus nicht mehr nur auf sich allein gestellt. Das Ehepaar hat ein kleines, feines Kernteam um sich aufgebaut. In Teilbereichen, in denen bei der Sprint-Europameisterin Handlungsbedarf erscheint, wird auf Spezialisten zurückgegriffen. Dabei spielt die Vertrauensbasis eine bedeutende Rolle. „Wir vertrauen uns blind. Es gibt permanente Trainingspartner wie den Belgier Mathias Voste und den aktuell schnellsten chinesischen Sprinter Yang Tao. Dazu gesellt sich der australische Servicemann und WM-Dritte Daniel Greig sowie der Italiener Lorenzo Crippa, der sich als Physiotherapeut um mich kümmert, und nicht zu vergessen Desly Hill, meine Eistrainerin, und oft ist auch Phil, der Shortrack-Coach, dabei. So können wir jeden Aspekt ausreizen.“

Bei der Sprint-WM, die heute und morgen mit je vier Rennen (zwei Mal 500 und 1000 Meter) in Szene geht, wird Herzog als große Favoritin auf den Titel gehandelt. Sie selbst dämpft hingegen etwas die Erwartungen. „Diesmal habe ich keine Ansage. Ich will Spaß haben. Es ist alles möglich, aber ein schlechtes Rennen und es wäre vorbei. Das Wichtigste ist, dass ich fit bin und ich denke, dass es ein heißer Kampf zwischen Kodaira, Bowe und mir werden kann.“

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