Der heimische Langlaufsport ist in seinen Grundfesten erschüttert. Schon wieder. Zwei WM-Bewerbe werden in Seefeld mit dem heutigen Damen-Rennen über 30 Kilometer (mit Teresa Stadlober und Lisa Unterweger) und dem finalen „50er“ der Herren am Sonntag (mit Bernhard Tritscher und Mika Vermeulen) noch ausgetragen. Und dann? Droht dem Langlaufsport hierzulande gar das Ende?

Schenkt man den Aussagen von ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel nach der Festnahme von Max Hauke und Dominik Baldauf Glauben, sind die Tage der (Spitzen-)Sportler im Verband gezählt. „Wie er das meint, dazu kann ich nichts sagen“, erklärt Markus Gandler, „darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Mein Auftrag geht bis Sonntag.“ Mit Saisonende ist dann sein Engagement als Langlauf- und Biathlon-Chef beendet. Die erste tatsächliche Konsequenz des Skandals.

Wie es nach der Heim-WM weitergeht, wissen selbst die Athleten nicht. „Ich fürchte um meine Zukunft als Sportler und ich hoffe, dass das am Sonntag nicht mein letztes Rennen für den ÖSV wird“, sagt Vermeulen, „ich will nicht meine Karriere beenden und meinen Traum wegen dieser zwei Typen aufgeben müssen.“ Die Reaktion des Verbandschefs kann der 19-jährige Steirer nachvollziehen. „Er hat das jetzt zum vierten Mal miterlebt und viel Dreck fressen müssen. Aber Konsequenzen in dieser Härte wären uns anderen Sportlern gegenüber nicht gerecht.“ Als Achter der jüngsten Junioren-WM zählt er zu Österreichs Spitze. Dass „kleine Zellen“ mit ständiger Überwachung im ÖSV verbleiben könnten, räumte Schröcksnadel ein.

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Ohne Spitze gibt es allerdings keine Breite und umgekehrt – das sagt auch Alois Stadlober, der steirische Koordinator im nordischen Bereich und Obmann des WSV Ramsau. „Wir sollen Kinder und Jugendliche zum Sport bringen, aber mit 18 Jahren dürfen sie ihn dann nicht mehr ausüben?“ Ein eigener Verband wäre aus monetärer Sicht vielleicht in Norwegen möglich, aber in Österreich definitiv nicht. Auch private Rennteams – wie etwa eines für seine Tochter Teresa – sind schlichtweg nicht finanzierbar: „Für diesen Aufwand gäbe es nicht genug Mittel.“

Trotz aller präsidialen Drohungen wird aber so schnell nichts geschehen – auch weil die Gremien des ÖSV erst im Frühling tagen und beraten werden. Die ersten Versuche einer „Entfernung“ der Loipensportler nach dem Olympiaskandal von Turin (erste Blutbeutelaffäre) scheiterte am massiven Widerstand der Vereine und Athleten. „Ich glaube nicht an einen gesamten Ausschluss des Langlaufsports aus dem ÖSV“, sagt der steirische Verbandschef Karl Schmidhofer, „aber an eine Strukturveränderung, was die Spitze betrifft. So wie bisher wird es auch nicht weitergehen können.“ Der Landesverband will weiter für den Breitensport eintreten. Doch wo ist die Grenze zwischen Breite und Spitze? „Wenn die Athleten in einen der Kader des ÖSV eintreten“, sagt Schmidhofer. Das sind neben dem Nationalkader auch die Kader A, B und C.

Der steirische Landestrainer Roman Rubinigg bezeichnet einen möglichen Rauswurf aus dem ÖSV als „Horrorszenario“ für seinen Sport, denn der Verband wirkt bis in die Ausbildung der Kinder mit – sämtliche Rennen (Ausnahme sind die Volkslangläufe) werden unter der Ägide des ÖSV abgewickelt. „Auch der finanzielle Aspekt wäre ohne ÖSV ein Problem. Keine Ahnung, wo dann Geld herkommen soll.“ Die Ausbildung des Nachwuchses erfolgt in den Vereinen, aber auch den Zentren und Schwerpunktschulen Eisenerz und Schladming.