Aus dem sogenannten Einfliegen am Kulm wurde nichts. Nach wenigen Athleten musste abgebrochen werden. Einerseits, weil ein Defekt am Windnetz behoben werden musste. Andererseits, weil der Wind einfach zu stark war. Auch die Qualifikation und das Training am Donnerstag konnte nicht stattfinden. Die Prognose der kommenden Flugtage: Zumindest am Samstag und Sonntag ist es schön.
Zu starker Wind – Föhnwind, im aktuellen Fall – ist freilich das Schlimmste, was den Organisatoren passieren kann. Durchaus kurios: Auch strahlend blauer Himmel ist nicht das, was man sich wünscht. Wenn die Touristiker in Bad Mitterndorf vor lauter Sonnenschein aus dem Strahlen nämlich gar nicht mehr rauskommen, sind Skispringer und Fans der weiten Flüge gar nicht so begeistert. „Bei Sonnenschein sitzt du oben und ab 14 Uhr zieht es im Genick“, erzählt etwa Andreas Goldberger, Ex-Skiflug-Weltmeister am Kulm (1996). Und das Ziehen im Genick, das wünschst man sich als Skispringer nicht – im Gegenteil: Aufwind statt Rückenwind soll es sein.
„Die Thermik“, sagt Jürgen Winkler, „spielt beim Skifliegen eine riesen Rolle.“ Winkler ist am Kulm für die sportlichen Abläufe verantwortlich und für die FIS als Materialkontrolleur im Weltcup unterwegs. Aufwind versus Rückenwind – da geht es beim Skifliegen um eine Different von 20 Metern. „Oder viel mehr. Da kann es darum gehen: Flieg ich am Kulm 240 Meter oder unter 200“, sagt Winkler.
Der Grimming drückt die Luft nach unten
In Bad Mitterndorf sorgt die geographische Lage jedenfalls dafür, dass es bei Bewölkung zu wesentlich größeren Weiten kommt, als bei Sonnenschein. Dann heizt sich der Gegenhang auf und die heiße Luft steigt auf, weil sie leichter ist als die kalte. „Und der Grimming drückt die aufgestiegene Luft dann wieder runter“, erklärt es Winkler. Und das führt eben zu Rückenwind. Winkler bedient aus seiner langjährigen Beobachtung der Verhältnisse am Kulm die Statistik: „Wenn es schön ist, gab es immer Rückenwind.“
Die Lösung? Fliegen am Vormittag – was aufgrund der TV-Zeiten nicht möglich ist. Bei Temperaturen um 15 Grad unter dem Gefrierpunkt würde auch Sonnenschein nichts ausmachen – aber die „tiefgefrorenen“ Fans wären dann nicht zwingend begeistert. Die Gefahr auf so tiefe Temperaturen besteht heuer nicht. Kleine Sorgen macht den Organisatoren auch der angesagte Wind. Dass für heute und Freitag vereinzelt auch Regen prognostiziert ist, stört weniger. „Das ist uns im Grunde egal“, sagt Winkler.
Und auch für die 131 Meter lange Anlaufspur ist der Regen nicht problematisch. Seit 2015 wird auf dem Kulm auf einer vom Unternehmen von Peter Riedel gebauten Eisspur (inklusive Direktkühlung in den Eisspurkanälen) angefahren. „Seit damals sind wir auch bei den Wettkämpfen für die Wartung der Anlaufspur zuständig. Wir haben die Aufgabe, vom ersten bis zum letzten Athleten die gleichen Anfahrtsbedingungen zu schaffen“, erklärt Riedel. Die Anlaufspur am Kulm ist strukturiert und hat Rillen, durch die gewährleistet wird, dass das Regenwasser abtransportiert wird.