Trauer um OlympiasiegerSki-Legende Egon Zimmermann verstorben

Abfahrts-Olympiasieger sowie Riesentorlauf-Weltmeister Egon Zimmermann ist im Alter von 80 Jahren verstorben.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Egon Zimmermann verstarb im 81. Lebensjahr
Egon Zimmermann verstarb im 81. Lebensjahr © (c) APA/ROBERT PARIGGER (ROBERT PARIGGER)
 

Egon Zimmermann, einer der herausragenden alpinen Skirennläufer der 60er-Jahre ist tot. Der Vorarlberger fuhr 1964 mit seinem Abfahrtstriumph bei den Olympischen Spielen in Innsbruck in die Annalen, in seinem Heimatort Lech verstarb er nun im Alter von 80 Jahren. Der österreichische Skiverband (ÖSV) bestätigte das Ableben Zimmermanns.

Vor dem Großereignis 1964 hatte es zwar Turbulenzen um den Amateurstatus von Zimmermann gegeben, der gelernte Koch behielt in der Heimat aber die Nerven. Sein olympischer Teufelsritt blieb auch wegen des großen Vorsprungs in Erinnerung. 0,74 Sekunden lag er vor dem Franzosen Leo Lacroix, nur Antoine Deneriaz, der 2006 mit 0,72 Sekunden vor Michael Walchhofer siegte, kam seitdem daran heran.

Weltmeister zu sein, ist schön. Aber Olympiasieger zu sein, ist noch einmal eine Schaufel drauf

Egon Zimmermann

Schon vor dem Triumph am Patscherkofel hatte Zimmermann 1962 in Chamonix WM-Gold im Riesentorlauf im und -Bronze in der Abfahrt geholt - obwohl er nur als Ersatzmann angereist war. "Weltmeister zu sein, ist schön. Aber Olympiasieger zu sein, ist noch einmal eine Schaufel drauf", sagte Zimmermann einmal.

Weltmeisterschaften in Chamonix (1962)
Weltmeisterschaften in Chamonix (1962)

Auch abseits von Weltmeisterschaften und Olympia war Zimmermann erfolgreich, so durfte er sich auch Hahnenkamm-Sieger (1963) nennen. Nach einem schweren Verkehrsunfall im Herbst 1964 versäumte er die Saison 1964/65 und kam anschließend nicht mehr ganz an seine davor gezeigten Leistungen heran.

Nach dem Karriere-Ende baute Zimmermann in Lech das Viersterne-Hotel Kristberg auf. Der bei ihm festgestellten Krankheit Multiple Sklerose begegnete er mit Erfolg mit der chinesischen Atemlehre Qi Gong. Ganz grundsätzlich stellte Zimmermann einmal in einem Zeitungs-Interview fest: "Ich sage immer: Talent ist so dünn wie ein Blatt Papier. Die Arbeit ist es, die den Erfolg ausmacht."

Porträt zum 75. Geburtstag

Happy 75th Birthday, Egon Zimmermann
Happy 75th Birthday, Egon Zimmermann

Kurz vor seinem 75. Geburtstag, am 5. Februar 2014, wurde Zimmermann auf www.kleinezeitung.at mit nachstehendem Porträt gewürdigt:

Olympiasieger Egon Zimmermann: Porträt zum 75er

Am Samstag feiert der frühere Skirennläufer Egon Zimmermann seinen 75. Geburtstag, einen Tag zuvor jährt sich sein größter Erfolg: Vor 50 Jahren raste der Lecher bei den Olympischen Spielen am Innsbrucker Patscherkofel zu Abfahrtsgold. Zwei Jahre zuvor hatte Zimmermann bei den Weltmeisterschaften bereits Gold im Riesentorlauf gewonnen.

Disziplin und harte Arbeit

Heute kümmert sich der gelernte Koch immer noch um sein Hotel Kristberg in Lech am Arlberg, das sich der Jubilar während seiner aktiven Zeit aufgebaut hatte. Dabei meinte es das Leben mit dem Vorarlberger nicht immer gut. Vor Jahren wurde bei Zimmermann, der viele Jahre mit Charlotta von Klingspor, einer Cousine des schwedischen Königs Carl Gustaf verheiratet war, multiple Sklerose festgestellt.

Doch mit harter Arbeit und eiserner Disziplin bekam Zimmermann seine Krankheit in den Griff. "Durch Sport und viel Spazierengehen mit meinem Hund", erklärt der Jubilar im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. Heute kann er sogar ohne Medikamente mit seiner Krankheit leben.

Disziplin und harte Arbeit prägten Zimmermann schon während seiner aktiven Zeit: Für Olympiagold trainierte er mit Bleiwesten. Dass er ein begnadetes Talent gewesen sei, verneint er: "Talent ist wie ein Blatt Papier. Die Arbeit ist es, die den Erfolg ausmacht. Man muss immer hart arbeiten."

Aber auch Lachen ist ihm wichtig. "Wenn wir nicht mehr lachen können wie die Kinder, ist der Zug abgefahren", sagt Zimmermann, der immer als "Spitzbub" galt. Vor seinem Olympiagold auf dem weißen Band am Innsbrucker Patscherkofel inmitten grüner Wiesen (auch 1964 gab es Schneearmut in Innsbruck) war er hoch konzentriert: "Ich dachte mir, dreh die Bindung zu bis zum Letzten. Lieber reißt du dir den Fuß ab, als dass es dich irgendwo runterhaut."

"Egon sei vorsichtig"

Seine Mutter konnte mit seiner Härte auf der gefährlichen Piste am Patscherkofel (im Training verunglückte der Australier Ross Milne tödlich, Anm.) schwer umgehen und bat ihn telefonisch: "Egon sei vorsichtig. Fahr nicht, wenn es zu gefährlich ist." Beim großen Triumph konnte sie dann auch aus Angst gar nicht zuschauen.

Wo Zimmermann seine beiden runden Jubiläen feiern wird, ist auch schon klar. Er fliegt am Donnerstag nach Sotschi. "Ich hoffe schon, dass mich dann der Präsident (Peter Schröcksnadel, Anm.) zu einem großen offenen Bier einladen wird", scherzte Zimmermann.

Und wem hält er am Sonntag bei der Olympiaabfahrt die Daumen? "Natürlich den Österreichern", versprach Zimmermann, der aber die Schweizer und auch Bode Miller als gefährliche Rivalen sieht. Und auch den Norweger Aksel Lund Svindal: "Der ist höflich, diszipliniert, arbeitet hart und kann auch verlieren."

Kommentare (1)
fschuetzenhofer
0
20
Lesenswert?

Ruhe in Frieden

Einer der letzten Amateure im Skirennsport!