Steirer des TagesDer Sieg des Bescheidenen

Georg Preidler feierte in Polen seinen ersten Sieg auf der World Tour des Profiradsports. Der Lohn harter Arbeit.

POL, Tour de Pologne
Georg Preidler jubelt über den ersten Sieg auf der World Tour © EXPA/ Newspix
 

"Wer hat g’wonnen?“, fragte Bernhard Eisel (37) im Ziel der sechsten Etappe bei der Polen-Rundfahrt, als er Georg Preidler (28) traf. „I“, war dessen knappe Antwort. „Verarsch mi net. Wer hat jetzt g’wonnen?“ – „Ja, I!“ Georg Preidler hatte tatsächlich als zweiter Steirer nach Eisel eine Etappe auf der World Tour, der Spitzenklasse des Profiradsports, gewonnen. Eine Erlösung: „Ich habe so lange darauf hingearbeitet, bin so oft Zweiter oder Dritter geworden. Und nun ist der Traum in Erfüllung gegangen.“

Ein Traum, der viel Arbeit bedeutet. 30.000 Kilometer spult der Profi der „Équipe Groupama-FDJ“ pro Jahr ab, die Tage zu Hause sind nicht nur wegen der „Grands Tours“ (Giro, Tour de France, Vuelta) rar. Neben rund 80 Renntagen geht es auf Trainingslager – meist führt Preidler ein Leben aus dem Koffer, für den Familienmenschen nicht immer einfach.

So sei eben das Geschäft, sagt er, und wenn man dann so einen Erfolg einfahre, wisse man wieder, „warum man sich das Ganze antut“. Und das tut er schon lange: Seine Laufbahn begann er beim RC Judendorf/Straßengel, nach mehreren Stationen wurde er 2013 Profi.
Vor zwei Jahren war er beim Giro d’Italia drauf und dran, die „Königsetappe“ zu gewinnen – doch setzte er zu früh zum Sprint an, zahlte Lehrgeld. Ein Radsportportal schrieb damals, er habe falsch gemacht, was man falsch machen kann. Doch Preidler zerbrach nicht an diesem Fehler, er wuchs daran. „Und diesmal“, sagt er, „habe ich alles richtig gemacht! Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.“ Der Ehrgeiz, besser zu werden, ist Triebfeder: „Du darfst nie aufgeben. Auch wenn es Momente gibt, in denen du zweifelst.“

Vor einem Jahr haderte er. Das Radfahren war nicht mehr Genuss, sondern Pflicht. Dann kam der Wechsel von Sunweb zum französischen Team. „Das hat gutgetan, die Motivation war wieder da.“ Die bekam für die zweite Saisonhälfte mit Vuelta und Heim-WM einen Extraschub. Denn: „Wenn du nie oben stehst, stellst du dir irgendwann die Sinnfrage“, erklärt der Grazer mit Wurzeln in Waldstein bei Übelbach. Jetzt kennt er das Gefühl wieder. Und bei der Heim-WM, wo er als Staatsmeister im Zeitfahren gesetzt war, darf er nun auch mit einem Startplatz im Straßenrennen rechnen.

Im Peloton, dem Fahrerfeld, gilt er als harter Arbeiter, immer bescheiden, kein „G’schichtldrucker“ eben. Bekannt dafür, persönliche Ziele den Teaminteressen unterzuordnen und sich, wie 2017 beim Giro, für seinen Kapitän aufzuopfern. Deswegen ist er geschätzt und jeder gönnt ihm diesen Sieg. Ganz besonders Freundin Nadja. Ausfahrten mit ihr geben ihm Kraft, noch mehr als Lobeshymnen. Aber auch die hat er sich verdient.

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