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NFLWeek 9 - Wer ist der Möchtegern: Bills, Colts oder Seahawks?

Wie jede Woche machte sich die Kleine Zeitung Gedanken, den Angehörigen der NFL-Familie und Kleine-Zeitung-LeserInnen einen Einblick in die NFL-Ereignisse zu bieten. Heute: Playoff-Kandidaten - Möchtegern oder Anwärter?

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Mit Woche 9 haben sich schon einige Teams als klare Favoriten in ihrer Division und damit um einen fixen Playoff-Platz festgesetzt. Green Bay, Pittsburgh, Baltimore und Kansas City scheinen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auch im Jänner Football spielen zu dürfen. In der NFC South haben die Saints mit einem Erdrutsch-Sieg gegenüber den Buccaneers die Favoritenrolle in die Hand genommen. Da heuer aber zum ersten Mal sieben Teams (vier Divisions-Sieger plus drei „Wild-Card-Plätze“ für die jeweils besten drei Nicht-Divisions-Sieger) in jeder Conference ins Playoff ziehen, wird man wohl die Mannen um Tom Brady auch in den K.O.-Spielen auflaufen sehen.

Doch wer von den anderen Teams hat sonst noch gute Chancen und wer gibt nur vor, gut zu sein?

Buffalo Bills: Anwärter

Schon vor der Abreise von Tom Brady aus der AFC East kletterten die Buffalo Bills stetig in höhere Gefilde. In dieser Saison könnte es nun das erste Mal seit 1995 wieder einen Divisions-Titel für Buffalo geben. Der Aufschwung der Bills ist eng an einen Namen geknüpft: Sean McDermott. Nach Stationen in Philadelphia (2009-2010) und Carolina (2011-2016) als Defensive Coordinator, übernahm McDermott 2017 die Bills als Head Coach und sorgte seither für die kontinuierliche Verbesserung des Teams. War in den ersten drei Jahren die Defensive das Prunkstück der Bills, sorgt heuer die Offensive um QB Josh Allen für Furore. Allen ist Dritter in Passing Yards, Sechster In Passing TDs, Achter im Passer Rating und teilt sich mit Kyler Murray den ersten Platz in Gesamt-Touchdowns (19 Passing, 5 Rushing).
Die Defensive spielt nicht auf dem Niveau der letzten beiden Jahre, aber es „reicht“ noch immer für zwei Interceptions und zwei Fumbles gegen den MVP-Kandidaten Russell Wilson.
Im Normalfall sollte Buffalo die Führung in der AFC East nicht mehr hergeben, auch wenn noch lange zu spielen ist. Dazu ist der Kader im Großen und Ganzen viel zu komplett. Eine echte Chance auf den Super Bowl wird es in diesem Jahr aus heutiger Sicht wohl nicht geben, aber in den nächsten Jahren ist mit den Bills auf alle Fälle zu rechnen. Interessant werden vor allem die Spiele gegen Arizona (Woche 10) und Pittsburgh (Woche 13) – dann weiß man besser, wie weit vorne man die McDermott-Mannschaft einordnen darf.

Indianapolis Colts: Möchtegern

Die Colts haben durchaus realistische Chance sich in ihrer Division AFC South als Sieger für das Playoff zu qualifizieren. Dazu müssten die Colts allerdings an den Tennessee Titans vorbeiziehen: Gleich zwei Mal in den nächsten drei Wochen trifft das Team um QB Philip Rivers auf ihren Divisions-Rivalen. Aber dazwischen haben sie auch noch die Green Bay Packers zu Gast. Indianapolis steht bei fünf Siegen aus acht Spielen, davon waren allerdings vier gegen Teams mit drei oder weniger Siege. Obwohl die Colts in Woche 8 gegen die Lions 41 Punkte erzielen konnte, fehlt die Offensiv-Kraft. Rivers zählt schon längere Zeit zu den älteren Spielern und hat keinen „richtigen“ Nummer-Eins-Wide-Receiver, der sich durchsetzen kann, wenn das Spiel auf Messers Schneide steht. Im Laufspiel konnte lediglich einmal Jonathan Taylor die 100-Yard-Marke knacken und die Colts rangieren so nur auf Platz 25 in erzielten Rushing Yards.
Zudem sind die hinteren beiden Wild-Card-Spots in der AFC weit offen. Die größten Konkurrenten für das Play-Off: Houston Texans, Las Vegas Raiders, Cleveland Browns und Miami Dolphins.

Carolina Panthers: Anwärter

In der NFC gibt es einen klareren Cut zwischen den Top-Teams und den Nachzüglern. Großer Aspekt dabei ist die enttäuschende Leistung der gesamten NFC East. Geht man davon aus, dass die jeweils Nicht-Divisions-Sieger von Buccaneers/Saints und Seahawks/Cardinals sich einen Wild-Card-Spot krallen wird – das aufgrund der bisherigen Leistungen auch sehr gut möglich ist – bleibt nur noch ein Platz übrig. Die ersten Namen, die hierbei einfallen, sind die LA Rams, die Super-Bowl-Teilnehmer San Francisco 49ers und die Chicago Bears. San Francisco muss allerdings erst den Verletzungs-Teufel abschütteln, um Chancen zu haben, und die Bears wirken über weite, weite Strecken schwächer als ihre fünf Siege.
Mit der Verpflichtung von zwei College-Coaches in Matt Rhule als Head Coach und Joe Brady als Offensive Coordinator sowie der Entlassung von QB Cam Newton nahm man an, dass sich Carolina eher im Umbau befinden wird. Doch selbst (über große Teile der Saison) ohne Superstar Christian McCaffrey konnten die Panthers im Laufe der Saison mehr und mehr überzeugen. In dieser Woche boten sie selbst den Chiefs die Stirn. In der 31-33 Niederlage zeigte Playcaller Brady keine Angst, spielte im ersten Drive an der 9-Yard-Linie der Chiefs den vierten Versuch aus und so erzielte McCaffrey prompt einen Touchdown. Im nächsten Drive – und einer 7:3 Führung – tricksten die Panthers die Chiefs aus und erzielten mit einem „Fake Punt“ aus der eigenen Hälfte ein neues First Down. Es macht mehr und mehr Spaß den Panthers zuzuschauen und weitere Siege werden nicht lange auf sich warten lassen.

Washington Football Team: Anwärter

Ja, das Washington Football Team ist tatsächlich ein Anwärter auf die Playoffs. Das hat allerdings nur zur Hälfte (oder weniger) mit der eigenen Leistung zu tun als mit der Leistung der gesamten Division NFC East. Derzeit führen die Eagles die Division mit einem Record von 3-4 (1 Remis) an, Washington liegt mit zwei Siegen knapp dahinter. Es ist gut möglich, dass die Division am Lincoln Financial Field in Philadelphia entschieden wird, wenn Washington am letzten Spieltag dort antritt.
Haben wenige Experten dem Football Team diese Saison viel zugetraut, hat die Mannschaft – vor allem defensiv – sehr viel Talent im Kader. Die Defense-Line zählt zu den stärksten in der Liga und mit Kendall Fuller und Ronald Darby hat Washington still und heimlich eines der besseren Cornerback-Tandems. In der Offensive kann WR Terry McLaurin jederzeit für ein Big-Play explodieren, während Rookie RB Antonio Gibson ein solider Runnning Back ist. Das „einzige“ das fehlt, ist ein guter Quarterback. Nachdem Head Coach Ron Rivera scheinbar keine Hoffnung in QB Dwayne Haskins hat, startete Kyle Allen (der auch nicht wirklich zu den guten Quarterbacks zählt), bis dieser sich gegen die Giants eine Horror-Verletzung am Knöchel zugezogen hat. Rein kam Alex Smith, zu seinem erst zweiten Einsatz seit Woche 11 der Saison 2018, als er sich seine eigene Horror-Verletzung zugezogen hat. Auch Smith wird allerdings nicht der Heilsbringer sein – gegen die Giants warf er gleich drei Interceptions. Kann die Defensive die Offensive im Spiel halten, hat Washington aber sogar gute Chancen auf das Playoff.

Seattle Seahawks: Super Bowl-Möchtgern

„Die Offensive gewinnt Spiele, Defensive Meisterschaften“? Geht es nach dieser alten Fußball-Football-Weisheit, steht den Fans der Seahawks ein enttäuschender Saison-Abschluss bevor. Das letzte Mal als die Seahawks mehr als 43 Punkte aufgaben, war Pete Carroll noch Trainer an der University of Southern California. Diese Woche drückten die Bills der einstigen Defensiv-Supermacht glatte 44 Punkte auf den Rücken.
Das soll natürlich nicht heißen, dass die Seahawks keine Chance auf den Super Bowl haben. Dafür harmoniert Russell Wilson mit seinen Receivern Tyler Lockett und D.K. Metcalf zu gut. Lässt man das Vier-Turnover-Spiel gegen die Bills mal zur Seite, bleibt eine absolute MVP-Saison Wilsons zu Buche stehen.
Die Geschichte erzählt aber bisher leider etwas anderes. Im vergangenen Jahrzehnt, von der 2010er-Saison bis zur 2019er, rangierte der Super Bowl Sieger (mit zwei Ausnahmen) nie schlechter als Siebenter in aufgegebenen Punkten in der Regular Season. Die Ravens waren 2012 „nur“ 12., während die New York Giants als 25. den Super Bowl gewinnen konnten. Allerdings legte die Giants-Defensive im Playoff deutlich zu und erlaubte nur wenige Punkte gegen vier Top-Offensiven:

  • 24:2 gegen Atlanta (7. in Scoring Offense)
  • 37:20 gegen Green Bay (1.)
  • 20:17 (OT) gegen San Francisco (11.)
  • 21:17 gegen New England (3.)

Auch wenn man den Vergleich ausweitet, ergibt sich ein ähnliches Bild. Aus allen Conference-Championship-Teilnehmern (also die zwei aus AFC und der NFC) der letzten 10 Jahre finden sich nur sechs Teams außerhalb der Top 20 wieder, während 28 der 40 Teams in den Top 10 des jeweiligen Jahres vertreten sind.
Lange Rede, kurzer Sinn: Die Seahawks rangieren auf Platz 30 in zugelassene Punkte per Game und 32. in erlaubte Yards per Game. Will Seattle also eine Chance auf die Vince-Lombardi-Trophäe haben, müssen sie sich in der Defensive massiv verbessern.

SaisonSuper-Bowl-SiegerDef-RangSuper-Bowl-VerliererDef-RangAFC VerliererDef-RangNFC-VerliererDef-Rang
2019Chiefs749ers8Titans12Packers9
2018Patriots7Rams20Chiefs24Saints14
2017Eagles4Patriots5Jaguars2Vikings1
2016Patriots1Falcons27Steelers10Packers21
2015Broncos4Panthers6Patriots10Cardinals7
2014Patriots8Seahawks1Colts19Packers14
2013Seahawks1Broncos22Patriots1049ers3
2012Ravens1249ers2Patriots10Falcons5
2011Giants25Patriots15Ravens349ers2
2010Packers2Steelers1Jets6Bears4

 

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