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NFL Free AgencyHopkins wurde für ein Schinken-Sandwich getradet

Die NFL-Saison 2020 ist eröffnet. Welcher Trade der überraschendste war. Was die Chicago Bears falsch gemacht haben. Und warum der Cap-Space eine große Rolle spielt.

Cam Newton noch im Dress der Carolina Panthers © (c) AP (Ben Margot)
 

Am Mittwoch, den 18. März, hat die neue Saison der NFL offiziell begonnen. Einher geht damit, dass viele Verträge von mitunter hochklassigen Spielern auslaufen und zu einem neuen Team wechseln. Die Teams durften schon ab Montag davor mit den Spielern verhandeln, deshalb wird traditionell die erste und größte Welle an Spielerwechseln schon am Dienstag bekannt.

Im Zuge dessen traden auch häufig Teams ihre Spieler für andere Spieler oder für Draft-Picks. Wichtig anzumerken dabei ist noch, dass Teams nur eine gewisse Menge an Geld ausgeben dürfen – der sogenannte Cap-Space. Der Cap-Space spielt eine große Rolle bei Trades. Wenn ein Team zum Beispiel Geld für einen neuen Spieler freimachen will, muss es einen anderen teuren (und guten) Spieler hergeben.

Gewappnet mit diesem Crash-Kurs, werden nun im Folgenden drei Aktionen aufgelistet, die in der ersten Phase der Free Agency nicht gelungen sind:

1) Umgang mit Franchise-Spielern

Für den am überraschendsten Trade letzte Woche sorgte Houstons General Manager und Head Coach Bill O’Brian: Er tradete Star-Wide Receiver DeAndre Hopkins zu den Arizona Cardinals für ein “Schinken-Sandwich“, so der Vergleich von "Hall of Fame"-Receiver Michael Irvin. Hopkins verriet Irvin in einem Telefonat Details: Coach O’Brian empfand offenbar, Hopkins hätte zu viel Einfluss in der Kabine. Er holte Hopkins zu einem speziellen Meeting, emfing ihn dabei mit markigen Worten: „Das letzte Mal, als ich so ein Meeting hatte, war das mit Aaron Hernandez“ (Anm.: Hernandez war ein ehemaliger Tight End und wurde wegen Mordes verurteilt). 

Stimmt die Geschichte, dann sind das - bescheiden ausgedrückt – harte Worte für das Gesicht der Franchise. Vor allem, weil Auffälligkeiten von Hopkins abseits des Platzes nicht vorkamen.

Auch die Carolina Panthers gehen mit dem ehemaligen Franchise-Starspieler QB Cam Newton nicht die feine Straße hinunter. Einen Tag, nachdem sie QB Teddy Bridgewater verpflichtet hatten, posteten die Panthers auf ihrer Instagram-Seite, dass sie Newton die Erlaubnis gegeben hätten, dass er mit Vereinen verhandeln darf, welche für ihn traden können. Postwendend kommentierte Newton unter dem Post, dass er nie darum gebeten hätte und eigentlich auch nicht weg wolle.

Das hielt Carolina dennoch nicht davon ab, „Thank you“-Posts zu veröffentlichen. Die kennt man eigentlich, wenn ein Star-Spieler das Team bereits verlassen hat. Selbst Eigentümer David Tepper und General Manager Marty Hurney gaben schon Statements ab, in denen sie Newton ihren Respekt zollten. Das Seltsamste an der Sache: Zum Zeitpunkt der Postings stand Newton noch im Kader der Panthers. Erst Tage danach wurde das ehemalige Gesicht und der MVP der Saison 2015 von den Panthers entlassen.

2) Bears "Cap Space"-Managment

Die Chicago Bears gingen mit einem der niedrigsten Cap Space der NFL in die Free Agency. Das heiß, sie haben wenig Geld verfügbar, um freie Spieler zu finanzieren. Zusätzlich haben die Bears im kommenden Draft in den ersten vier Runden drei Picks und keinen in der ersten. Die naive Vorgehensweise wäre, teure Spieler zu entlassen, billigere Spieler als Ersatz zu holen und im Draft den Roster aufzubessern.

Die Bears entließen zunächst Starting-Cornerback Prince Amukamara und Starting-Wide Receiver Taylor Gabriel. Dafür holten sie den gealterten TE Jimmy Graham (33) und den verletzungsanfälligen ED Robert Quinn (29) für fast das gleiche Gehalt. Graham hatte letztes Jahr bei den Packers nur schwache 38 Receptions für 447 Yards und 3 Touchdowns und ist jetzt trotzdem der achtbestbezahlte Tight End.

Zudem gaben sie ihren Viertrunden-Pick auf, um QB Nick Foles von den Jaguars zu holen. Foles hatte dort letztes Frühjahr einen hochdotierten Vertrag unterzeichnet, wurde den Erwartungen aber nicht gerecht und kämpft nun in Chicago um den Starting-Job auf der QB-Position. Damit haben die Bears nur zwei Pick in den ersten vier Runden und kaum Cap Space für kommende Saison, obwohl Stand jetzt nur 25 Spieler im Kader für die Saison 2021 stehen.

3) Jaguars Defense-Umbau

In der Saison 2017 standen die Jacksonville Jaguars mithilfe einer starken Defense im AFC Championship Game. Es folgte eine schwache Saison 2018, was in der Motivation der Manager der Jaguars resultierte, die Mannschaft umzubauen.

Im Frühjahr 2019 wurde Nick Foles für viel Geld geholt, der - siehe Punkt 2 - mittlerweile zu den Bears abgeschoben wurde. In der Defensive wurde Star-Cornerback Jalen Ramsey während der Saison nach LA zu den Rams getradet und teure, aber zu schwache Spieler in der Defensive Line wurden entlassen. Im März wurde nun der andere Starting-CB A. J. Bouye weggetradet, gleich wie wohl einer der populärsten und besten Spieler im Team: DE Calais Campbell.

Was haben die Jaguars für beide Spieler zusammen erhalten, um sich ein neues Team aufzubauen? Zwei Viertrunden-Picks. Man darf bezweifeln, dass die Jaguars die Qualität in der vierten Runde des Drafts ersetzen können. Von den 10 besten Spielern der 2017-Defense sind noch zwei im Team, wobei DE Yannick Ngakoue schon öffentlich erklärte, dass er weg will.

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