Riesenslalom-HoffnungStephanie Brunner: "Ich bin eine Person, die alleine ganz gut zurecht kommt"

Die österreichischen Riesenslalom-Hoffnungen ruhen auf Stephanie Brunner. Und die Tirolerin kommt mit der Kälte in Südkorea gut zurecht.

Stephanie Brunner
Stephanie Brunner © GEPA pictures
 

Am Donnerstag erfolgt als "Klammer" zur Herrenabfahrt der zweite Versuch, den wegen Wind abgesagten Riesentorlauf der Damen bei Olympia über die Bühne zu bekommen. Vorbehaltlich des Slaloms am Mittwoch sind in Yongpyong die Favoritinnen mit Viktoria Rebensburg, Tessa Worley und Mikaela Shiffrin dieselben. Für die ÖSV-Damen ist der Riesentorlauf in einer Hinsicht ein "Schwarzer Fleck".

Neun Riesentorlauf-Medaillen hat es für sie bei Olympia schon gegeben, Gold war noch nie dabei. So viel Edelmetall in einer Disziplin ohne Gold, das findet im Skisport keinen Vergleich. Nur die kanadischen Eiskunstlauf-Herren haben eine gleiche Bilanz.

Nach der Verschiebung auf Donnerstag starten die Ski-Damen gleich mit einem "Slalom-RTL-Double" ins Olympia-Programm. Für den ÖSV ist der Damen-Riesentorlauf überhaupt die einzige Alpin-Disziplin ohne Gold. Dementsprechend viel steht daher auch statistisch auf dem Spiel. Bei einem Sieg wäre Österreich das erste Land, das bei Herren und Damen in allen Skisport-Individualdisziplinen Olympia-Gold geholt hätte.

Dies hätte durchaus schon vor vier Jahren passieren können. Anna Veith, damals noch Anna Fenninger und in Hochform fahrend, verpasste 2014 Gold in Sotschi um nur 7 Hundertstel hinter Tina Maze.

Rebensburg ist die Top-Favoritin

Viktoria Rebensburg holte damals Bronze. Diesmal ist die Deutsche eine der Topfavoritinnen und bei ihren letzten Spielen auf das zweite Gold nach Vancouver 2010 aus. Schafft sie das, wäre sie die zweite nach der Italienerin Deborah Compagnoni (1994, 1998) mit zwei RTL-Goldenen. Rebensburg wäre aber die erste mit drei Medaillen im Riesentorlauf. Drei Medaillen in einer Disziplin in Folge hat bisher nur die Österreicherin Marlies Schild im Slalom geschafft.

Im ÖSV-Lager sind die Aussichten auf Riesentorlauf-Gold nicht hoch. Seit Eva-Maria Brems letztem Sieg im März 2016 hat es im Weltcup nicht einmal mehr einen Podestplatz gegeben. Das ist einerseits den schweren Beinverletzungen von Brem bzw. Veith geschuldet. Stephanie Brunner wäre eine potenzielle Nachfolgerin, ist bisher aber über jeweils drei 4. und 5. Plätze nicht hinaus gekommen.

Olympia wäre eine perfekte Situation, um das zu ändern. Auch wenn die Podestplätze vergeben scheinen: Die pfeilschnelle Tirolerin ist nach einer kurzen Schwächephase wieder obenauf, wie sie in Korea bestätigte.

Brunner fühlt sich auf der Piste wohl

"Ich fühle mich wieder wohl. Ich hänge jetzt nicht mehr so auf dem Innenski, dadurch sind die Schwünge wieder blitzschnell", erklärte die 23-Jährige. Und sie fügte scherzhaft an: "Vielleicht habe ich mir auch nur gedacht, jetzt kommt Olympia. Manchmal kommt so ein Gedankenblitz und dann weiß man auf einmal wieder, wie man Skifahren kann."

Die Absage am Montag war für Brunner kein Problem. "So kann ich mich Mittwoch im Slalom eincruisen und ein bissl das Flair aufnehmen. Es taugt mir eh, wenn der Slalom zuerst ist", sagte die Tirolerin. "Zwei Rennen hintereinander, das wird spannend."

Das mit einem ersten Stockerlplatz exakt bei Olympia a la Rodler David Gleirscher, das wäre natürlich eine feine Sache. "Man muss sich nur oft genug einreden, dass man das selbst auch kann, dann kann das schon funktionieren", glaubt Brunner. "Es muss halt alles zusammenpassen an einem Tag, dann kann immer was Gutes rausschauen."

Zudem kommt Brunner auch mit der Kälte prinzipiell zurecht. "Mir ist nicht kalt, ich bin so aufgewachsen", erklärte die Tirolerin, die oft sogar ohne Socken unterwegs ist. Auch ihre Mama hat die in Innsbruck wohnende Tuxerin nicht mitgebracht. "Ich bin eine Person, die alleine ganz gut zurecht kommt."

Auch Veith hat Erwartungen

Lediglich mit der Applikation ihrer Glückszahl acht (8) hat sie aufgrund der strengen Olympia-Werbevorschriften ein Problem, denn am Helm darf sie in Korea auch nicht sein. "Keine Sorge, ich habe da was ganz Spezielles", gab sie aber Entwarnung.

Neben Brunner, Bernadette Schild und Ricarda Haaser geht am Donnerstag auch Veith durchaus mit Erwartungen ins Rennen. Die Salzburgerin wurde trotz magerer Ergebnisse nominiert, für sie zählte vor allem die Erfahrung und die Erfolge der Vergangenheit.

"Ich habe mich natürlich sehr gefreut, dass ich die Chance kriege", sagte die Weltmeisterin von 2015. Der Unterschied zu Sotschi? "Dort war ich in Höchstform. Diesmal ist die Ausgangsposition eine ganz andere, eine Medaille ist derzeit unrealistisch."

Immerhin hat sich Veith aber schon wieder so weit nach vorne gekämpft, dass sie mit Nummer 18 fahren kann. "Eine Medaille muss passieren. Das ist aber auch so, wenn man in Höchstform ist."

 

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