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Immer mehr DatenFormel 1 ist Vorreiter in der Digitalisierung des Sports

Sport-Fans wollen immer mehr wissen und sehen. Formel-1-Autos sind mit mehr als 200 Sensoren ausgestattet. Andere Sportarten werden ebenso digitalisiert. Es besteht die Gefahr den Sport zu Tode zu analysieren.

© APA/AFP/MARTIN BUREAU
 

Der Sport wird digitalisiert: Big Data, intelligente Algorithmen und Cloud-Computing sollen in Zukunft stärker über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Und darüber hinaus sollen sie nahezu prophetische Vorhersagen bringen, welcher Athlet am Ende als Sieger den Platz, das Feld oder die Rennstrecke verlässt.

Einer der wohl nennenswertesten Vorstöße dieser sportlichen Digitalisierung findet gegenwärtig in der Formel 1 statt. Das Unternehmen kooperiert mit Amazon Web Services, einem der weltweit größten Cloud-Provider. "Die Kooperation soll vor allem dazu beitragen, den Fans unvergleichliche Einblicke in den Rennbetrieb und völlig neuartige Analysen zu bieten", sagt Pete Samara, Direktor für Innovation und Digitale Technologie in der Formel 1.

200 Sensoren auf jedem Rennauto

Das Ziel sei es, die auf den Rennstrecken generierten Daten in Echtzeit zu verarbeiten und mit Daten aus über 65 Jahren Rennhistorie zu vergleichen. Hier wird deutlich, warum das Unternehmen die Cloud-Dienste in Anspruch nimmt: Jedes Rennauto ist mit über 200 Sensoren ausgestattet, die ununterbrochen relevante Testdaten erfassen. "In einem eineinhalbstündigen Rennen werden so rund 250.000 Gigabyte an Daten generiert", so der Experte. Erst die potenzierte Rechenleistung in der Cloud ermöglicht deren Verarbeitung in Echtzeit.

Auf Basis dieser Analysen sollen unter anderem während des Rennens die optimalen Zeitfenster für Boxenstopps und Reifenwechsel berechnet werden. "Zudem können wir präzise die Leistung der Fahrer im Vergleich zu früheren Rennen analysieren und diese Evaluierung mit den Fans in Echtzeit teilen", erklärt Samara. So sollen den Zuschauern Vorhersagen zu den taktischen Manövern und Strategien der Teams und Fahrer vermittelt werden, die am Ende die entscheidenden Sekundenbruchteile zum Sieg ausmachen können.

Einer der wohl prominentesten Fürsprecher von derartigen Echtzeit-Analysen und Vorhersagen im Sport ist Mati Kochavi, CEO der Sicherheitsfirma AGT International. "Die Menschen schauen Sport heute nicht mehr so wie früher", sagte der exzentrische Milliardär bereits Ende 2017 in Las Vegas auf der Re:Invent, der größten Cloud-Messe der Welt. "Zuschauer wollen einfach mehr Highlights, intelligente Analysen, die nie da gewesene Einblicke hinter die Kulissen des Sports gewähren."

Blicke, Körperhaltung, Mimik, Gestik, Herzschlag

In den Laboren der Firma, versteckt in einem glanzlosen Backsteingebäude im Herzen eines Darmstädter Industrieparks, arbeiten Dutzende Wissenschaftler daran, Kochavis Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Es geht darum, verschiedenste Sensordaten miteinander zu verbinden: Blicke, Körperhaltung, Mimik, Gestik und Herzschlag der Athleten. Dazu kommen Daten aus der Umgebung, wie die Temperatur oder mögliche Druckveränderungen.

Wie das im Sport angewandt werden soll, zeigte Kochavi bei seiner Präsentation auf der Re:Invent. Während sich auf der Bühne zwei UFC-Martial-Arts-Kämpfer in einem Showkampf gegenüberstehen, liefern Sensoren in Echtzeit futuristisch wirkende Einblicke in das Geschehen. Algorithmen analysieren die Emotionen der Athleten, die Stärke und Genauigkeit der Schläge, der Möglichkeiten eines Comebacks und sogar den Einfluss der Fan-Reaktionen auf die Kämpfer.

"Nur so können wir in Zukunft Fans halten. Das ist es, was wir brauchen. Kein Zweifel, dass wir die Branche revolutionieren werden", betont Kochavi im Gespräch.

Zu Tode analysiert

Während die einen von den Vorteilen derartiger Analysen überzeugt zu sein scheinen, warnen andere vor einer Entmystifizierung des Sports durch inflationäre Datenverarbeitung. "Es besteht die Gefahr, dass hier übertrieben wird - und man den Sport zu Tode analysiert", sagt Peter Havart-Simkin, Analyst des Marktforschungsunternehmens Gartner. Zudem seien die aus Daten generierten Vorhersagen beim gegenwärtigen Forschungsstand mit Vorsicht zu genießen. "Falsche Vorhersagen helfen den Fans nicht", urteilt Havart-Simkin.

Doch auch wenn sich der Nutzen für die Fans erst noch zeigen muss, ist die digitale Transformation für die Formel-1-Teams längst unerlässlich geworden. "Dank der Cloud designen diese mittlerweile in einem Monat ein neues Auto. Was sonst sieben Wochen im Windtunnel gedauert hätte, lässt sich jetzt in 18 Stunden berechnen", vergleicht der Analyst. Allein das Team McLaren ließ während der letzten Saison 40.000 Änderungen an seinen zwei Rennwagen durchführen, mathematisch gesehen rund ein Update alle 20 Minuten. "Das ist Real-Time-Manufacturing auf einem neuen Level", erläutert Havart-Simkin.

Während sich die Teams mit der Technologie einen Vorteil zu verschaffen hoffen, scheint die Formel 1 selbst jedoch genau das Gegenteil bewirken zu wollen. "Tatsächlich nutzen wir die Renndaten, um Fairness und Chancengleichheit ins Rennen zu bringen", sagt Pete Samara. Die Renndaten sollen Aufschluss darüber geben, weshalb manche Autos deutlich häufiger gewinnen als andere - und so dabei helfen, Regeln aufzustellen, die eine derartige Dominanz verhindern. "Wir wollen die Bedingungen schaffen, unter denen es für alle Teams möglich wird, zu gewinnen", bekräftigt Samara.

Kommentare (1)

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hansi01
1
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Lesenswert?

Ein fressen für den ORF

Vorlauter Graphiken am Fernseher sieht der Zuseher keine Autos.
Und Hausleitner und Co werden sich bemühen all diesen Unsinn mit Frasenwiederholungen dem Zuseher bis zum nicht mehr hinhören können zu erklären.

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