Wie sich der Motorsport fit für eine "grüne" Zukunft macht
Ein Sport im Wandel. Die Formel 1, die MotoGP, die Langstrecken-WM (WEC) und die Rallye-WM (WRC) gehen neue Wege, voll im Trend.

Auch der Motorsport will in Zukunft seinen nicht unbeachtlichen Teil für eine bessere Umwelt leisten. Dazu wird fast in allen Klassen auf den synthetischen, klimaneutralen und nachhaltigen Treibstoff gesetzt. Auf reine elektrische Antriebe wird dabei völlig verzichtet. Es soll der Weg in die Zukunft werden.
Formel 1 – Comeback des "Ground-Effects"
Der Motorsport im allgemeinen und die Formel 1, als prestigeträchtigste Spielart, stellt sich der Klimafrage. Dabei sieht es so aus, dass das oft zitierte Ende des Verbrennungsmotors noch nicht einmal angedacht ist. Das Thema wird umgedacht. Zwar wird der elektrische Anteil am Vortrieb größer, auch wenn man auf den für die Serie völlig unbedeutender MGU-H verzichtet. Rund 50 Prozent wird aber auch in Zukunft ein Verbrennungsmotor an der Leistungsausbeute beteiligt sein. Und weil dann aber ab 2026, mit der neuen Motorregel, nur noch synthetischer und klimaneutraler Kraftstoff verwendet werden darf, ist die Formel 1 einmal auf Schiene für die Zukunft.
So startet die Formel 1 im Jahr 2022 die große technische Revolution, als Hochleistungslabor für die Mobilität der Zukunft. Dieses Jahr kommen völlig neue Autos, die schon für 2021 vorgesehen waren, wegen Corona aber um ein Jahr verspätet an den Start rollen. Am meisten auffallen werden einmal die viel größeren Räder, die von 13 Zoll auf 18 Zoll anwachsen, sie werden auch schwerer. Reifenwechsel unter zwei Sekunden sollten dann auch der Vergangenheit angehören.
New Scuderia Ferrari F1 2022 Concept Car. @F1 @ScuderiaFerrari#MerryChristmas pic.twitter.com/jLUJkRsaKO
— Osman Törer (@OsmanTorer) December 25, 2021
Aber die Reifenwahl wird einfacher. Man muss 2022 nicht mehr mit jenen Reifen starten, mit den man sich für Q3 qualifiziert hat, sondern hat völlig freie Wahl. Dazu soll die sogenannte „Dirty Air“, die das Überholen so kompliziert machte, mit komplett veränderter Aerodynamik Geschichte sein. Sie wird einfacher, Anpressdruck wird mehr durch den Unterboden statt den Flügeln gewonnen, der Ground-Effect feiert sein Comeback, auf seitliche Leitbleche wird gänzlich verzichtet. Und weil zusätzlich das Autogewicht von 752 auf 768 Kilogramm steigt, wird die Formel 1 in Summe langsamer, um die zwei bis drei Sekunden pro Runde.
Durch die weitere Reduzierung der Budgetobergrenze auf 128 Millionen wird auch eine längere Laufzeit der Teile erforderlich, Getriebe wird auf fünf Jahre eingefroren. Und weil jedes Teil laut Kostendeckelung neu berechnet wird, dürften die Autos ohnehin eine längere Laufzeit haben. Wer die Nase vorne haben wird, ist schwer einzuschätzen, die jahrelange Mercedes-Dominanz muss nicht unbedingt weiter bestehen. So große Veränderungen können immer wieder für Überraschungen im ersten Jahr mit sich bringen, wie BrawnGP 2009, der mit dem damals entwickelten Doppel-Difussor nahezu unschlagbar war. Jenson Button fuhr souverän zum WM-Titel.
Alle Neuerungen dienten auch dazu, neue Hersteller anzulocken. Das offizielle Comeback von VW (Porsche und Audi) in die Formel 1 steht scheinbar unmittelbar bevor. Die Ingolstädter wollen angeblich bereits Anfang des Jahres 2022 ihren Einstieg als Motorenlieferant ab 2026 offiziell machen.
WEC – eine neue Architektur lockt an
Statt LMP1 oder LMP2 gibt es jetzt die neuen Hypercars für 2022. Ziel ist es, Prototypen für 24-Stunden-Klassiker von Le Mans und Daytona zu schaffen. Im Vorjahr waren bereits die Fahrzeuge nach dem Le-Mans-Reglement (LMH) startberechtigt, 2022 folgt LMDh (Le Mans und Daytona). Das Rückgrat dieser Autos ist ein Hybridsystem plus einem Fahrwerk von Dallara, Multimatic, Ligier oder Oreca.
On a scale of 1 to 10, how hyped are you? 😱
— 24 Hours of Le Mans (@24hoursoflemans) December 20, 2021
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Diese Struktur dient auch der nächsten LMP2-Generation (4,2-Liter, V8). Der Hybrid-Motor soll eine Leistung von 500 KW bieten. In Le Mans rechnet man mit einer Rundenzeit von 3:30. Diese neuen Regeln locken viele Hersteller in die Langstrecken-WM. Nach Toyota 2021 kommt 2022 Peugeot, spätestens 2023 Cadillac, Ferrari, BMW, Audi und natürlich Porsche.
MotoGP – Sicherheit wird weiter verbessert
Bis auf ein paar aerodynamische Anpassungen und klaren Überprüfungen des Ride-Height-Systems wird sich technisch bei den Zweirädern der MotoGP im kommenden Jahr nicht viel ändern. Die Grand Prix Kommission rund um Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta einigte sich auf verschiedene Neuerungen, die vor allem der Sicherheit der GP-Piloten dienlich sein soll.
So wurde einmal das Mindestalter der Fahrer angehoben (MotoGP: 18 Jahre, Moto2 und 3: 16). Die Schutzbekleidung darf keinesfalls mehr einer verbesserten Aerodynamik dienen. Und auch der Fitness-Check, wann einem Fahrer erlaubt wird, nach Verletzungen wieder auf die Strecke zu gehen, wurde verfeinert und verbessert. Vor allem bei Kopfverletzungen.
Auch die Mindestrundenzeit muss schneller werden. Bisher galt im Qualifying die 107-Prozent-Regel. Nun müssen Fahrer mindestens eine Zeit schaffen, die sich innerhalb von 105 Prozent des Schnellsten bewegt.
Rallye – neue Klasse als Vorreiter
Auch in der Rallye-WM wird ein neues Zeitalter eingeläutet. Das Rally 1-Reglement ersetzt die World Rally Cars. Die 1,6-Liter-Turbomotoren werden dabei mit einem rund 136 PS starken Elektromotor zusammengespannt. Die elektrische Zusatzleistung des Hybrid-Systems steht aber nicht immer zur Verfügung. Sie kann durch Rekuperieren von Bremsenergie bzw. durch Aufladen in den Serviceparks gewonnen werden.
Last week our drivers completed their final tests with the GR Yaris Rally1 before 2022 arrives. Here are their impressions! 🗣#ToyotaGAZOORacing #GRYaris #Rally1 #WRC pic.twitter.com/mZK9xXhdEV
— Toyota GAZOO Racing WRT (@TGR_WRC) December 20, 2021
Rein elektrisch soll auf Verbindungsetappen gefahren werden. Der Verbrennungsmotor wird bereits ab der Rallye Monte Carlo (20. - 23. 1.) mit komplett synthetischen und biobasierten Eingangsstoff angetrieben. Damit ist die Rallye-WM der Vorreiter. Ford, Toyota und Hyundai bleiben fix, Ford sogar mit vier neuen Pumas – und mit Superstar Sebastien Loeb.