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Austria KlagenfurtDie stillen Beobachter der Austria

Kurt Widmann, Helmut König und Walter Ludescher stiegen 1982 in die Bundesliga auf. Bis heute drücken sie "ihrer" Austria die Daumen und hoffen am Freitag auf ein Fußball-Wunder.

© (c) GEPA pictures/ Daniel Goetzhaber
 

Lange, lange ist es her, dass die Austria Klagenfurt um den Aufstieg in das Fußball-Oberhaus spielte. Viel zu lange, wenn es nach den drei Klagenfurter Legenden Walter Ludescher, Kurt Widmann und Helmut König geht. Diese drei waren in der Saison 1981/82 maßgeblich am Aufstieg in die Bundesliga beteiligt. Noch vor dem letzten Auftritt „ihrer“ Austria waren alle drei fest davon überzeugt, dass in der nächsten Spielzeit wieder erstklassiger Fußball in Klagenfurt zu sehen sein wird. Nach der Niederlage in Amstetten sind die Karten jetzt aber wieder neu gemischt. Aus den Gejagten wurden nun wieder die Verfolger. Nur ein Kantersieg im letzten Spiel gegen Wacker Innsbruck könnte die Träume doch noch wahr werden lassen.

„Jetzt kann uns nur mehr ein Wunder retten. Leider haben wir es nicht mehr selbst in der Hand, sondern sind auf andere angewiesen“, trauert Helmut König der letzten Niederlage nach und fügt hinzu: „Es wäre für die gesamte Region und den Kärntner Fußball immens wichtig, wenn die Austria wieder erstklassig wäre. Besonders die Derbys gegen den WAC würden für eine tolle Stimmung im Stadion sorgen.“ Wesentlich optimistischer klingt da schon Kurt Widmann: „Ich glaube nach wie vor fest an den Aufstieg, obwohl sich die Situation seit dem letzten Wochenende wesentlich verändert hat.“ Der ehemalige Stürmer besuchte in dieser Saison mit dem vor Kurzem verstorbenen Alfred Hohenberger noch einige Spiele in Waidmannsdorf.

Dass die Micheu-Elf bis zum letzten Spieltag überhaupt noch im Rennen um den Titel ist, hätten sich die Legenden bis zur „Corona-Pause“ nicht gedacht. „Ich habe nicht jedes Spiel gesehen, das letzte Mal war ich beim Unentschieden gegen Ried (Anm.: 21. Februar) zuschauen. Damals wirkten die Oberösterreicher meiner Meinung nach etwas besser und vor allem auch reifer. Nach der Pause hat sich das Blatt aber gewendet, Robert Micheu hat eine homogene Einheit geformt“, findet Walter Ludescher lobende Worte für den Trainer. Auf die Frage warum Ried, im Gegensatz zur Austria, nach der Ligaunterbrechung einen mehr als holprigen Start hatte, hat selbst der Meistertrainer der Saison 1981/82 keine passende Antwort parat: „Dieses Phänomen ist im Sport immer wieder zu beobachten, eine wirkliche Erklärung dafür habe ich aber auch nicht.“

Eines ist für die drei Austrianer klar: Sollte Klagenfurt tatsächlich noch den Bundesliga-Aufstieg schaffen, muss das oberste Ziel sein, sich im Oberhaus über die Jahre zu etablieren. In diesem Fall bräuchten die Waidmannsdorfer an die sechs neue Spieler, um mehr Kaderdichte zu haben. „Es gehört natürlich auch immer etwas Glück dazu. Man hat aber beim WAC gesehen, dass es auch mit einem relativ kleinen Budget möglich ist, in der höchsten Spielklasse mitzuhalten“, so Ludescher.

„Sollte das Wunder gelingen, wird der Fußball in ganz Kärnten einen Hype erleben. Wenn es heuer nicht klappt, habe ich dennoch das Gefühl, dass der Verein auf dem richtigen Weg ist. Die neue Führung will was bewegen, verfolgt ein langfristiges Konzept. Derzeit herrscht zwischen Organisation, Trainern und Spielern ein gegenseitiges Vertrauen, nur so kann man was bewirken“, freut sich Widmann der von 1975 bis 1977 für Rapid auf Torjagd ging und mit den Wienern den österreichischen Cup gewann.

Auch „Kinke“ König ist von der Professionalität des Teams rund um Präsident Ivica Peric überzeugt, bedauert jedoch auch, dass „derzeit keine Spieler der Akademie den Sprung in die Bundesliga schaffen. Zu meiner Zeit als Akademieleiter brachten wir an die 70 Spieler heraus, unter anderem Michael Sollbauer, Marcel Ritzmaier oder auch Mattias Sereinig. Der WAC ist damals beispielsweise mit neun Spielern aus der Akademie aufgestiegen.“

Ich habe das Gefühl, dass der Verein auf dem richtigen Weg ist. Die neue Führung will was bewegen, verfolgt ein langfristiges Konzept. Derzeit herrscht zwischen Organisation, Trainer und Spielern ein gegenseitiges Vertrauen, nur so kann man was bewirken.

Kurt Widmann

Vom Fußball-Geschehen zur aktiven Zeit von Walter Koch und Co. ist heute nicht mehr viel übrig. Viel schnelllebiger und unpersönlicher sei der Sport geworden. „Damals konnte sich ganz Kärnten mit der Mannschaft identifizieren. Das gleiche Team war für vier bis fünf Jahre zusammen. Heute sind Spieler nach einer starken Saison sofort wieder weg“, erklärt Fachmann Ludescher, fügt aber hinzu: „Das ist der Lauf der Zeit und man muss das so akzeptieren.“ König ergänzt: „Es waren lediglich zwei Legionäre erlaubt. Durch das Bosman-Urteil hat sich jedoch alles geändert. Heute wird der Erfolg über alles gestellt, die Jugendarbeit ist für viele Vereine nur mehr Nebensache.“

Wie auch immer das entscheidende Heimspiel gegen Innsbruck am Freitag ausgehen wird, stolz auf das bis jetzt schon Erreichte „ihrer Austria“ sind alle drei. „Und wenn nicht heuer, dann wird es eben nächstes Jahr klappen.“ Auch im Jahr vor dem Aufstieg 1982 belegten die Violetten Platz zwei, damals scheiterte man ausgerechnet an Wacker Innsbruck und wurde Zweiter.

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