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Rupert Marko im Sommergespräch

"Du musst deine Spieler mögen"

Von Retznei aus startete Rupert Marko (52) eine erfolgreiche Fußballerkarriere. Nun bildet der Südsteirer als ÖFB-Nachwuchsteamchef die Stars von morgen aus.

ÖFB-Nachwuchsteamchef Rupert Marko auf Spurensuche am Sportplatz in Retznei
ÖFB-Nachwuchsteamchef Rupert Marko auf Spurensuche am Sportplatz in Retznei © Robert Lenhard
 

Herr Marko, wir stehen hier am Sportplatz in Retznei, wo Ihre Fußballerkarriere begann. Welche Erinnerungen kommen da in Ihnen hoch?
RUPERT MARKO: Eine ganze Menge, die Zeit in Retznei war sehr schön. Ich bin direkt neben dem Fußballplatz aufgewachsen, mein Vater hat wie viele damals im Zementwerk gearbeitet. Wir waren die ganze Zeit draußen und haben Fußball gespielt. Zum Verein durfte ich aber erst mit sieben Jahren, ich bin gleich in die U12-Mannschaft eingestiegen.

War für Sie damals schon klar, dass Sie Fußballprofi werden wollen?
MARKO: Ja, ich wollte einfach nur kicken. Das war meins, ich wollte gar nichts anderes machen. Mit 15 Jahren bin ich ins Leistungszentrum nach Graz gekommen, von da an nahmen die Dinge ihren Lauf.

Wann haben Sie sich entschlossen, Trainer zu werden?
MARKO: Das war ein fließender Übergang. Ich habe schon mit 25 Jahren die Trainerausbildung begonnen. Der Spielerkarriere war das aber nicht gerade dienlich, weil man leicht zu kritisch gegenüber dem eigenen Trainer wird, was zu Reibungspunkten führt. Außerdem verliert man den Fokus aufs Spielen. Deshalb habe ich meine Spielerkarriere relativ früh beendet. Ich hatte dann das Glück, gleich bei Sturm in der Akademie und als Co-Trainer von Ivica Osim beginnen zu dürfen.

 

Rupert Marko als Co-Trainer von Mentor Ivica Osim
Rupert Marko als Co-Trainer von Mentor Ivica Osim Foto © gepa

Wie sehr hat sie Sturms Jahrhunderttrainer geprägt?
MARKO: Das war für mich die lehrreichste Zeit. Osim hat mir gezeigt, wie man das Spielverständnis, das man im Bauch hat, als Trainer auf die Spieler übertragen kann. Er war für mich ein Mentor, hat mich geführt und geschult. Schließlich beginnst du als Trainer wieder bei Null, selbst wenn du ein Weltklassespieler warst. Deshalb ist es gut, wenn man im Nachwuchs beginnen kann.

Apropos Nachwuchs: In Ihrer Funktion als U19-Teamchef sind Sie mit Ihrer Mannschaft bei der EM in Deutschland im Juli als Gruppenletzter nach der Vorrunde ausgeschieden. Wie sehr schmerzt das noch?
MARKO: Überhaupt nicht, allein, dass wir uns qualifiziert haben, war ein Wunder. Wir waren unter den besten acht Nationen Europas, Kaliber wie Spanien haben das nicht geschafft. Auch spielerisch konnten wir mit den Gegnern mithalten oder waren sogar besser. Zum Gewinnen hat uns die Erfahrung gefehlt, jeden dritten Tag auf so einem hohen Niveau zu spielen. Die Burschen haben aber viel Erfahrung mitgenommen, wir werden noch große Freude mit ihnen haben.

 

Als Trainer musst du deine Spieler mögen, sonst scheiterst du, egal mit welcher Mannschaft. 

Für viele Trainer ist heutzutage Taktik das Wichtigste. Auf was legen Sie Wert?
MARKO: Auf die Chemie: Als Trainer musst du deine Spieler mögen, sonst scheiterst du, egal mit welcher Mannschaft. Für mich sind meine Spieler immer die besten der Welt. Und das lasse ich sie auch spüren. Taktik muss man den Spielern am Spielfeld beibringen. Viele Trainer und Spieler vergessen leider, dass sie für die Zuschauer spielen und diesen etwas bieten müssen.

Parallel zur Trainerausbildung haben sie Jus studiert und sogar mehrere Jahre als Anwalt gearbeitet. Was machen Sie lieber?
MARKO: Ich lebe für den Fußball. Das Jus-Studium habe ich gemacht, weil ich als Spieler einen Ausgleich für den Kopf gebraucht habe. Ich kann mir derzeit nicht vorstellen, wieder als Anwalt zu arbeiten. Die Logik spielt aber in beiden Jobs eine große Rolle.

Rupert Marko ist seit 2011 für den ÖFB als Nachwuchsteamchef tätig
Rupert Marko ist seit 2011 für den ÖFB als Nachwuchsteamchef tätig Foto © GEPA pictures

Als Trainer sind Sie viel unterwegs, welchen Bezug haben Sie noch zu Ihrer Heimat?
MARKO: Einen sehr großen, schließlich lebe ich in Gleinstätten und habe auch noch Familie in Retznei. Ich habe an vielen Orten gelebt, die schön waren. Aber daheim ist eben daheim.

Was machen Sie in Ihrer knappen Freizeit?
MARKO: Ich genieße die Zeit Zuhause, gehe aber auch sehr gerne wandern, etwa in die Altenbachklamm oder auf die Weinebene. Es gibt bei uns so viele wunderschöne Platzerl.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Südsteiermark in den letzten Jahren?
MARKO: Durch den Tourismus ist es natürlich sehr international geworden. Man muss aber aufpassen, dass diese Einzigartigkeit und Regionalität nicht verloren geht. Die Südsteiermark muss auf dem Boden bleiben und für alle Leute da sein.

 

Zur Person

Rupert Marko, geboren am 24. November 1963 in Wagna.

Beruf: Fußballprofi, Jurist und Fußballtrainer

Karriere als Spieler u. a.: Sturm Graz, Tirol, Austria Salzburg, Austria Wien; drei Länderspiele für Österreich (drei Tore).

Trainerkarriere: Sturm  Graz (Co-Trainer), Kottingbrunn, Horn; seit 2011 ÖFB-Nachwuchstrainer.

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