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Fussball

Planen ist für diesen Trainer unmöglich

Dominik Glawogger ist in der höchsten Fußballliga Tansanias als Trainer tätig. Planen kann er bei seinem Klub nichts, weil er nie weiß, wer beim Training erscheint.

Dominik Glawogger mit seiner Mannschaft
Dominik Glawogger mit seiner Mannschaft © KK
 

Tansania ist nicht gerade für seinen herausragenden Fußball bekannt. Und dennoch hat es einen Österreicher des Fußballs wegen nach Afrika verschlagen. Genauer gesagt nach Mwanza, einer Stadt direkt am Viktoriasee. Dominik Glawogger ist 25 Jahre alt und seit Anfang des Jahres Trainer des Erstligisten Toto African. „Über ein Internetportal wurde ein Trainer für ein Fußballprogramm gesucht. Ich habe meine Unterlagen hingeschickt und wurde ausgewählt“, sagt der Grazer.

50-stündige Reise

In Tansania war er zuvor nie, vom Verein selbst gibt es keine Webseite und demnach wenige Informationen. „Nach meinem Studium (BWL, Internationales Management) wollte ich ohnehin nach Afrika, das war dann die beste Gelegenheit“, sagt Glawogger, der im steirischen Unterhaus bei einigen Klubs spielte. „Nach einer knapp 50-stündigen Reise bin ich am Flughafen vom Klub-Präsidenten und Journalisten empfangen worden. Für Fotos haben sie mir einen Schal umgehängt. Den hab ich dann aber wieder zurückgeben müssen, weil sie nicht so viele haben“, schildert der „Kocha Mzungu“, der „weiße Trainer“, wie er genannt wird, seine ersten Eindrücke.

Zur Person

Dominik Glawogger,geboren am 2. April 1990
in Graz, aufgewachsen in Kleinstübing.

Bevor er das „Abenteuer Tansania“ gestartet hat,
war der Steirer bei den Stuttgarter Kickers im
Nachwuchs tätig. Im Sommer kehrt er nach Stuttgart zurück und wird im Merchandising arbeiten.

Mehr zu Glawoggers Abenteuer auf der Facebook-Seite "Two Nations - One Passion"


Drei Taschen hat er mitgenommen. „Zwei davon nur mit Equipment. Bälle, Tormannhandschuhe, Hütchen. Da hat mich vor allem mein alter Verein Werndorf sehr großzügig unterstützt und ausgestattet.“ Geld bekommt er für seine ehrenamtliche Hilfe nicht, nur sein Visum wurde vom Klub bezahlt. Die Spieler selbst üben den Sport hauptberuflich aus, verdienen rund 200 Dollar (183 Euro) im Monat – ein durchschnittliches Gehalt im von Armut geprägten Tansania.

35.000 Personen fasst das CCM Kirumba Stadion
35.000 Personen fasst das CCM Kirumba Stadion Foto © KK

In der 225.000-Einwohner-Stadt (die letzte offizielle Zählung gab es im Jahr 2005) Mwanza „spielt sich alles auf der Straße ab. Sobald der Regen kommt, machen alle Geschäfte zu.“ Das ist auch beim Fußball ähnlich. Glawogger: „Wir trainieren zwei Mal am Tag, in der Früh wegen der Hitze schon um acht Uhr. Wenn es aber regnet, dann so richtig. Dann findet kein Training statt.“ Als Trainingsplätze dienen das Stadion (zwischen 2000 und 20.000 Zuseher kommen zu den Spielen) oder irgendeine „Grünfläche“. „Wir haben ein mobiles Tor, ohne Netz. Auch wenn der Ehrgeiz vielleicht nicht so hoch ist, alle sind mit Spaß bei der Sache.“

Bescheidene Trainingsmöglichkeiten
Bescheidene Trainingsmöglichkeiten Foto © KK

Stuttgarter Kickers warten

Das entschädigt auch dafür, dass das Trainerteam – bestehend aus Glawogger, einem Einheimischen und einem Deutschen – nie weiß, wie viele Spieler auftauchen. Planung ist hier einfach unmöglich. „Bei unserer ersten Partie haben zwei Spieler gefehlt. Einer wegen Malaria, der andere hat eine 20-stündige Busfahrt nach Mwanza schlichtweg nicht bezahlen können.“

Bis zum Saisonende bleibt Glawogger in Tansania, dann kehrt er nach Europa zurück und arbeitet im Merchandising der Stuttgarter Kickers.

DANIEL JEROVSEK

Kommentare (3)

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housewive
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solche bescheidenen trainingsbedingungen..

.. gibt auch in graz bei vereinen, die keine subvention von der stadt bekommen - so wie der gak.

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wandreas
0
2
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Genial,

dein Kommentar - einfach genial - subtile Ironie - love it!

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albertusmagnus
0
1
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Ich fürchte,

das war ernstgemeint!

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