Erfolgstipps aus erster Hand

Acht erfolgreiche steirische Unternehmerinnen verschiedenster Branchen geben Tipps für den Start, erzählen, worauf es bei der Selbstständigkeit ankommt und reflektieren über ihre persönlichen Erfolgsgeheimnisse.

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Die Hutmanufaktur Kepka & Söhne in Graz verbindet Tradition mit extra­vagantem Design © Stefan Pajman/ballguide
 


Die Fähigkeit, selbst neue Trends zu schaffen

Karin Krahl-Wichmann – Kepka & Söhne Hutmanufaktur

1. Was würden Sie einer Unternehmerin, die ganz am Anfang steht, als wichtige Botschaft mitgeben? Was ist Ihr wichtigstes Learning? ­Besonders wichtig empfinde ich es als Inhaberin und Geschäftsführerin, immer die Übersicht über mein Unternehmen zu haben – buchhalterisch genauso wie meine Arbeit und die Materialbestellungen betreffend. Hier darf sich niemals ein Schlendrian einschleichen.

2. Was ist Ihr persönliches Erfolgsrezept? Mein persönliches Erfolgsrezept ist Ausdauer, eiserne Disziplin und meine Fähigkeit, Trends zu erschaffen, das heißt, aus eigener Kreativität heraus Neuerungen in meine Branche zu bringen.

3. Was ist die größte Herausforderung, speziell als Unternehmerin? Die größte Herausforderung als Frau in der Selbstständigkeit habe ich als Mutter von zwei wunderbaren Kindern erlebt. Es ist der Spagat zwischen Familie und Business. Ein Netzwerk im Hintergrund macht vieles möglich, allerdings wird die Vereinbarkeit immer ein Punkt der Zerrissenheit bleiben im Leben einer selbstständig tätigen Frau. Meine persönliche „Hymne“ zum Thema Erfolg lautet „Erfolg ist kein Glück“ von Kontra K. Jede einzelne Zeile davon unterschreibe ich.

Wir verlieren nie! Wir gewinnen oder wir lernen!

Karina Rüge – HEIDECO CNC-Zerspantechnik und allgemeiner Maschinenbau

Karina Rüge ist Geschäftsführerin des Unternehmens Heideco in Deutschlandsberg Foto © www.foto-augenblick.at

1. Was würden Sie einer jungen Unternehmerin, die ganz am Anfang steht, als Botschaft mitgeben? Was ist zentral für das Gelingen? Einer jungen Unternehmerin empfehle ich, sich erst dann selbstständig zu machen, wenn sie von sich selbst und ihren Fähigkeiten überzeugt ist – das heißt sowohl in sozialer als auch in fachlicher Kompetenz „ihre Frau“ zu stehen – das gilt auch für junge Unternehmer! Unabhängig von der Betriebsart empfehle ich dringend zu einer kaufmännischen Zusatzausbildung. Mit Start des Unternehmertums rate ich von großen Investitionen und dem Eingehen von Beschäftigungsverhältnissen ab – nichts ist teurer als Personal, nichts riskanter als finanzielle Verpflichtungen. Finanzielle Abhängigkeit schränkt in jeder Hinsicht ein.

2. Was ist Ihr persönliches Erfolgsrezept? Wir verlieren nie! Wir gewinnen oder wir lernen!

3. Was ist die größte Herausforderung, speziell als Unternehmerin? Die größte Herausforderung ist, Kind/er mit Unternehmertum in Einklang zu bringen – Emanzipation hin oder her – die Mama ist immer eine Frau!


Es ist wichtig, gute Geschäftspartner/innen zu finden

Iris Filzwieser: Mettop – Optimierung und Entwicklung von Technologien im Bereich metallurgischer Prozesse und Elektronikschrott-Recycling

Die Metallurgin Iris Filzwieser gründete 2005 gemeinsam mit ihrem Mann Andreas Filzwieser die Mettop GmbH in Leoben Foto © Mettop

1. Was würden Sie einer jungen Unternehmerin, die ganz am Anfang stehen, als wichtige eigene Erfahrung und Erkenntnis mitgeben? Was ist zentral für den Erfolg eines Unternehmens? Der Unternehmensgegenstand spiegelt zum Zeitpunkt der Gründung in den meisten Fällen die eigene Fachexpertise wider. Genauso wichtig ist es aber auch, sich bewusst mit den Themen auseinanderzusetzen, die nicht der eigenen Spezialisierung entsprechen. Da gilt es gute ­Geschäftspartnerinnen und -partner zu finden und, wenn notwendig, auch sich selbst fortzubilden. Zu Beginn meiner Selbstständigkeit war es für mich sehr wichtig, zu reflektieren und zu erkennen, wo meine Wissensdefizite lagen und wie ich diese so schnell wie möglich beheben kann.

2. Was ist Ihr persönliches Erfolgsrezept? Ich arbeite gerne und viel, habe einen wunderbaren Ehemann an meiner Seite sowie tolle Partnerinnen und Partner in den Firmen.

3. Was ist die größte Herausforderung, speziell als Unternehmerin? Auch im Unternehmertum gibt es immer wieder Situationen, die man nicht selbst bestimmen kann, in denen man fremdbestimmt wird. Das zu bewältigen und positiv zu nutzen, stellt für mich oft den größten Energieaufwand dar.

 

Klare Vorstellungen jeden Tag konsequent umsetzen

Barbara Maxonus – Bäder fürs Leben

Barbara Maxonus, preisgekrönte Sanitärplanerin in Liezen, hat sich in einer männlich geprägten Domäne einen Namen gemacht Foto © INTOUCH.at
1. Was würden Sie einer jungen Unternehmerin, die ganz am Anfang steht, als wichtige Botschaft mitgeben? Was braucht man unbedingt? In jedem Fall empfehle ich ein durchdachtes Konzept mit finanzieller Planrechnung, um von vornherein einen Überblick zu haben und das Risiko abschätzen zu können. Sich kaufmännisches und unternehmerisches Wissen anzueignen, erleichtert das Gelingen.

2. Was ist Ihr persönliches Erfolgsrezept? Das besteht darin, jeden Tag die beste Version von mir selbst zu sein, aus einer positiven Einstellung zum Leben und einer großen Portion Freude an der Arbeit. Auch eine klare Vorstellung der Ziele und eine konsequente Arbeitshaltung gehören zu meinem Erfolgsgeheimnis.

3. Was ist die größte Herausforderung, speziell als Unternehmerin? Kinder und Job unter einen Hut zu bekommen, war bestimmt die größte Herausforderung für mich, die mir rückblickend sehr gut gelungen ist. Mittlerweile sind meine Söhne 25 und 17 Jahre alt. Als Frau in einer Männerdomäne Fuß zu fassen, heißt klare Grenzen zu setzen und immer ein Mehr an Fachwissen vorzuweisen – und trotzdem Frau zu sein.

Man kann nicht alles perfekt und es jedem recht machen

Eva Volckmar – Brüder Volckmar Verpackungen

Eva Volckmar und ihre Schwester Doris Kügerl-Volckmar leiten das Unternehmen „Brüder Volckmar“ seit 1994 in dritter Generation Foto © Volckmar
1. Was würden Sie einer jungen Unternehmerin, die noch ganz am Anfang steht, aus Ihrem Erfahrungsschatz mitgeben? Meine Botschaft wäre: Mit vollem Einsatz bei der Sache sein, aber sich auch mit dem Gedanken anfreunden, dass man es nicht allen recht machen kann! Frauen fällt es, glaube ich, schwerer als Männern, sich auch manchmal unbeliebt zu machen, wenn es das Ziel erfordert. Damit muss man leben lernen. Außerdem: Der Tag hat – auch für eine Unternehmerin – nur 24 Stunden, daher ist es unabdingbar, Prioritäten zu setzen und zu delegieren. Man kann nicht alles perfekt und vollständig selbst erledigen.

2. Was ist Ihr persönliches Erfolgsgeheimnis? Ein gutes, verlässliches Team! Außerdem besitze ich die Gabe, stets Ruhe zu bewahren, mich nicht über auftauchende Schwierigkeiten aufzuregen, sondern die Energie lieber in geeignete Gegenmaßnahmen und Lösungen zu investieren.

3. Was ist die größte Herausforderung als Unternehmerin? Natürlich war es eine große Herausforderung, Firma und Familie unter einen Hut zu bringen, meine Söhne sind aber mittlerweile erwachsen, einer arbeitet selbst im Unternehmen mit. Ich kann mich daher auf die Herausforderung konzen­trieren, vor der alle Unternehmer stehen, egal, ob männlich oder weiblich: Den Markt ständig zu beobachten und mein Angebot rechtzeitig an veränderte Anforderungen anzupassen.

Kontakte pflegen, Netzwerke aufbauen!

Sandra Poscharnegg – Josef Poscharnegg, internationale Transporte

Ulrike Poschar­negg-Kriebernegg, Sandra ­Poscharnegg (Geschäftsführerin) und ­Sabine ­Poscharnegg (von links) – innovativ bei Logistik und Transport Foto © Poscharnegg
1. Was würden Sie einer Unternehmerin, die in den Startlöchern steht, mit auf den Weg ins Unternehmertum geben? Was ist Ihr wichtigstes Learning? Es ist sehr wichtig, ein klares Ziel vor Augen zu haben und an dieses zu glauben. Unbedingt notwendig ist es auch, das Kostengefüge im Auge zu behalten – gerade am Anfang. Unbedingt notwendig sind auch ein klarer, realistischer Business-Plan, Durchhaltevermögen, Konsequenz, Motiva­tion, Ehrgeiz und Freude an der Arbeit. Kleine Rückschläge muss man als Chance sehen, die Dinge in Zukunft besser zu machen und zu wachsen. Richtig und wichtig ist es auch, die eigenen Stärken zu forcieren. Lernen erfolgt oft nach dem Motto „Learning by doing“! Eine kaufmännische Grundlage ist für das Unternehmertum ein sehr wertvolles Fundament. Unumgänglich ist es auch, sich ständig weiterzubilden und zu -entwickeln, sei es durch Kurse, Lehrgänge oder Studien. Um bürokratische Hürden zu meistern, rate ich, sich Rat und Tipps bei den Berufsvertretern zu holen.

2. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis? Ehrlichkeit, Fairness, Wertschätzung gegenüber Partnern und vor allem gegenüber den Mitarbeitern. Sich klare Ziele abstecken, wo man wann sein möchte …. Menschlichkeit, Durchhaltevermögen, Kontakte pflegen und Netzwerke aufbauen!

3. Was ist die größte Herausforderung, speziell als Unternehmerin? Den ausgleichenden Spagat zwischen Unternehmen/Beruf, Familie und eigenen Bedürfnissen zu schaffen; Anerkennung und Gleichberechtigung als Unternehmerin.

 

Es anders machen als andere

Julia fandler – Ölmühle Fandler

Julia Fandler, Unternehmerin des Jahres 2019 Foto © Ölmühle Fandler/Christoph Meissner

1. Was würden Sie einer jungen Unternehmerin raten? Ob Mann oder Frau: Man soll sich auf seine Kernkompetenz konzentrieren und Bereiche, die man nicht gelernt hat oder nicht gern macht, abgeben. Durch das Erkennen seiner eigenen Stärken und Schwächen gewinnt man Zeit, sich auf sein Unternehmen zu konzentrieren und am Erfolg zu arbeiten.

2. Wie sieht ihr Erfolgsrezept aus? Andere so zu behandeln, wie ich behandelt werden möchte. Mutig zu sein, Dinge anders zu machen als alle anderen, als es erwartet wird und als es üblich ist. Ausdauer zu haben, aber auch Hilfe anzunehmen.

3. Was ist die größte Herausforderung als Chefin? Letztendlich für alles verantwortlich zu sein und die passenden Kollegen zu finden, die einen dabei unterstützen, die eigenen Qualitäts- und Wertevorstellungen zu leben und zu beweisen, dass man auch mit einem hohen Maß an Menschlichkeit wirtschaftlich erfolgreich sein kann.

Es ist wichtig, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein

Bettina Haberl-Fink – Fink’s Delikatessen


Bettina Haberl-Fink sorgt für guten Geschmack in Gläsern – und verwendet dafür nur Zutaten aus der Natur Foto © Oliver Wolf

1. Was würden Sie einer jungen Unternehmerin mit auf den Weg geben? Wo sind die kritischen Momente? Mein Rat: Dass man die Finanzen gut im Auge behält und dass man vor lauter Euphorie auf sich selbst nicht vergisst! Was man als junge Unternehmerin unbedingt braucht, ist ein gutes Geschäftsmodell mit einem Businessplan sowie ein tolles Umfeld, in dem man sich austauschen kann. Zentral für das Gelingen ist Durchhaltevermögen und zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Den einen Schlüssel zum Erfolg gibt es aber nicht, einer von vielen ist harte Arbeit.

2. Was ist Ihr persönliches Erfolgsrezept? Meine/unsere Firma ist mein Leben und das liebe ich und es macht Spaß.

3. Was ist die größte Herausforderung, speziell als Unternehmerin? Egal ob Mann oder Frau: Wir haben dieselben Schwierigkeiten, in der Gastronomie gute Leute zu finden und in der Produktion von Fink’s Delikatessen dem schnellen Zeitenwandel entgegenzuhalten.