Gymnasium KapfenbergZwischen Genuss und Frust nach einem Jahr Corona-Pandemie

Routinen und eingespielte Verhaltensmuster hat der Lockdown durcheinandergewürfelt. Um mit der Belastung im Berufsund Privatleben umzugehen, hat man sich Strategien zurechtgelegt. Wir haben uns umgehört.

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Gabriele Dietmaier, Tobias Schrittwieser, Petra Weberhofer und Lisa Deutscher
Gabriele Dietmaier, Tobias Schrittwieser, Petra Weberhofer und Lisa Deutscher © KK (2), Bulls, Slysko
 

Gabriele Dietmaier, Ambulanz-Angestellte: Zeit zum Durchatmen

Burnout ist ein körperlicher und psychischer Zustand, der am häufigsten in Berufungen mit hohem Stress auftritt, so zum Beispiel auch in meiner Berufsgruppe. Ich bin Angestellte in der Orthoptik-Ambulanz am LKH Bruck an der Mur. Aufgrund der Pandemie ist meine Arbeit anspruchsvoller geworden. Ich arbeite im Gesundheitsbereich und da ist zum Beispiel das Tragen einer FFP2-Maske verpflichtend.
Nach vielen Stunden ist das anstrengend und mühsam. Außerdem ist das Coronavirus ständig Thema: Ist man ordentlich geschützt? Wie groß ist das Risiko sich trotzdem anzustecken? Bringe ich meine Familie in Gefahr? Durch diese Verantwortung ist die Belastung um ein Vielfaches höher.

Unter diesen Umständen kann einem schnell die Flamme ausgehen, deswegen sollte man an einer Prävention arbeiten, um dem Burnout zu entgehen. Eine geeignete Prävention wird für viele unterschiedlich aussehen, aber das A und O ist der Ausgleich, eine Work-Life-Balance zu finden. Wichtig ist dabei, dass man Körper und Geist „fit“ hält, auf sich selbst hört und bei möglichen Symptomen einen Mediziner aufsucht.
Die Freizeit vieler wurde eingeschränkt und Aktivitäten wie Freunde treffen oder Yoga in Gruppen ist nicht möglich. Ich bin jetzt aber mehr in der Natur als früher und versuche mich über Fitness-Apps zuhause fit zu halten. Mir macht es Spaß kreativ zu bleiben und neue Dinge auszuprobieren. Als berufstätiger Mensch ist es unumgänglich genügend Freizeit zu haben, um sich zu erholen. Dazu zählen Sport und achtsames Nichts-Tun. Aber auch bei der Arbeit muss Zeit zum Durchatmen vorhanden sein.

Tobias Schrittwieser, Basketballer: Lesen und Sport

Am Anfang der Pandemie haben wir von einem Tag auf den anderen nicht mehr in die Basketball-Halle gehen dürfen. Um diese Zeit zu überbrücken, haben wir Spieler zusammen mit unserem Basketballverein, den Kapfenberg Bulls, Einkäufe für ältere Menschen besorgt, wie Lebensmittel und Medikamente. Eine Hürde für uns Spieler war, dass wir alle zuhause trainieren mussten. Mittlerweile trainieren und spielen wir wieder und wenn Coronafälle auftauchen, fällt eine Spielrunde aus oder diese Spieler dürfen nicht mitspielen. Für mich hat sich in der Pandemie verändert, dass ich mehr aufpasse und weniger Zeit mit meiner Familie, vor allem mit meinen Großeltern, verbringe. Zum Ausgleich gehe ich viel spazieren, mache Dehn- oder Mobilisationsübungen für den Körper. In den letzten Monaten habe ich mehr Zeit zum Lesen gehabt und dadurch den Kopf frei bekommen. Ich kann anderen raten, so oft wie möglich nach draußen zu gehen, zu lesen und Dinge zu machen, die man schon lange vor sich hinschiebt oder eher weniger mag. Erst beim Tun kommt man dahinter, dass Dinge manchmal doch nicht so schlecht sind wie man glaubt.

Petra Weberhofer, Bürgermeisterin: Die Zeit genießen

Im Großen und Ganzen ist es mir im Lockdown gut ergangen. In meinem Berufsleben hat sich einiges verändert. Ich habe nämlich nicht weniger, sondern mehr Arbeit habe als vor der Coronakrise. Durch die Arbeit in der Gemeinde St. Lorenzen im Mürztal muss mehr informiert werden und auch geplant, wie zum Beispiel die Teststraßen. Aber durch den Mehraufwand bei der Arbeit hat es auch einige Einschränkungen im Berufsalltag gegeben, da ich die Aufteilung im Büro anders machen musste. Der Eintritt ist nur mit Maske und mit Voranmeldung erlaubt. Aber trotzdem hat der Lockdown arbeitstechnisch auch gute Seiten. Ich habe jetzt sehr viele Schulungen, Konferenzen und Weiterbildungen online. Diese Meetings via Laptop können wir in die Zukunft mitnehmen und öfters machen, auch wenn die Coronakrise vorbei ist.
Persönliche und private Dinge sind mir wegen des Besuchsverbotes von Eltern und Großeltern schwergefallen, weil doch jeder Rücksicht nehmen und aufpassen muss.


Den größten Nachteil in Sachen Lockdown hat wohl die Jugend zu tragen. Aber auch für junge Nachwuchssportler und für Pensionisten sind das jetzt schwere Zeiten, weil die eigentlich die meisten Einschränkungen haben. Ich selbst konnte viele meiner Hobbys ausleben und vertiefen. Denn ich liebe es in die Natur zu gehen und dort Kraft zu tanken. Auch Wandern, Skitouren und Skifahren mit meinen Kindern habe ich sehr genossen. Außerdem habe ich meine Freizeitaktivitäten intensiver nutzen können, weil ich zum Beispiel Nachtskitouren oder Sonnenaufgangswanderungen machen konnte und wenn meine Familie mit dabei, ist die Zeit noch wertvoller.

Lisa Deutscher, Selbstständige: Klare Grenzen setzen

Ich fand den ersten Lockdown vor einem Jahr nicht so schlimm, weil damals das Geschäft „Spielzeuglade“ in Bruck an der Mur nicht eröffnet war. Aber der zweite und dritte Lockdown haben mich getroffen. Nachdem mein Mann und ich das Geschäft im Oktober aufgesperrt haben, mussten wir gleich schließen. Wir waren aber positiv überrascht, wie viel Interesse es an nachhaltigen Spielwaren gibt. Unser Glück war, dass wir schon vorher den Onlineshop ausgebaut haben. In den Lockdowns ist die Grenze zwischen Arbeits- und Privatleben verschwommen, weshalb ich Grenzen setzen musste. Es gab dann fixe Zeiten für Arbeit und Freizeit. Wir haben die Zeit genutzt, um mit den Kindern viel zu unternehmen und haben Rituale in unseren Tagesablauf eingebaut, um etwas Abwechslung zu schaffen. Außerdem achte ich viel mehr auf meine Gesundheit.

 

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