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Hightech für die Demenz-Therapie

Kampf gegen das Vergessen: Demenzkranke brauchen vor allem Hilfe von Angehörigen und Pflegern. Doch auch moderne Technik kann ihr Leben erleichtern.

Künstliche Intelligenz könnte Alzheimerkrankten bald im Alltag assistieren © (c) Boggy - stock.adobe.com
 

Nach Schätzungen von Alzheimer’s Disease International sind weltweit 46,8 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Jedes Jahr kommen rund 7,7 Millionen Neuerkrankungen hinzu. Trotz großer Anstrengungen konnten jedoch in den letzten 15 Jahre keine neuen Medikamente für die Behandlung von Demenz entwickelt werden.

Erkrankte Menschen benötigen in der Regel viel Hilfe, die Pfleger, aber auch Angehörige leisten. In Zukunft soll allerdings auch Hightech dazu beitragen, das Leben demenzkranker Menschen zu erleichtern. Es wird etwa bereits an einer Technologie gearbeitet, die bildlos und ohne Kameras auf Basis von 3D-Sensoren arbeitet und in der Lage ist, Patienten zu erkennen und an Dinge zu erinnern.

Mit der Hilfe der neuen Technologie sollen Demenzkranke länger in ihrer eigenen Wohnung leben können. Aktuell werden die 3D-Sensoren in einer uni-internen Laborwohnung getestet. Im Unterschied zu bisheriger Technik für Demenzkranke arbeitet das System ohne Kameras und bildlos, sodass nicht erst Bilder an eine Zentrale übermittelt werden müssen, um die Wohnung von außen überwachen zu können. Die Menschen erhalten somit ein System, welches die Privatsphäre deutlich schützt und ein Leben in Unabhängigkeit und somit angenehmer gestaltet.

Die Assistenzprofessorin Deborah Sheets von der Universität Victoria sucht derzeit Freiwillige für ihre Studie, in der untersucht wird, wie KI-Software, zum Beispiel Amazons Alexa, Menschen mit Gedächtnisverlust und Demenzkranken im Alltag helfen kann.

TIPPS FÜR ANGEHÖRIGE

Wenn ein Mensch an Alzheimer oder einer anderen Form der Demenz erkrankt, betrifft das auch die Familie. Im Verlauf der Krankheit gehen vor allem pflegende Angehörige durch ein Wechselbad von Gefühlen. Schmerz und Mitleid gehören ebenso dazu wie Hilflosigkeit, Ärger, Wut, Trauer und Verzweiflung. Daneben müssen sie ganz praktische Herausforderungen bewältigen.

Pflegende Angehörige verwenden einen großen Teil ihrer Zeit und Kraft darauf, sich zum Beispiel um die demenzkranke Ehefrau, den Vater oder die Schwiegermutter zu kümmern. Umso wichtiger ist es, sich rechtzeitig Unterstützung zu holen und sich gut über Alzheimer und andere Formen der Demenz zu informieren.

Mit der Zeit entwickeln viele pflegende Angehörige so ein gutes Gespür dafür, ihre kranken Angehörigen im Alltag richtig zu unterstützen und demenzgerecht zu kommunizieren. Auch mit der Krankheit erleben sie schöne Stunden miteinander. Doch niemand verlangt von Pflegenden, dass sie sich selbst aufgeben.


Auch der Aspekt Smart Home fällt in ihre Untersuchung, denn so würden sich Gefahrenquellen wie Strom und Herd steuern lassen. „Ich bin wirklich begeistert von den Möglichkeiten für Menschen mit Demenz. Für jemanden mit Demenz ist eine Stimme eine wichtige Stütze“, erklärt Sheets. Smarte Sprachassistenten sind mittlerweile in viele Haushalte eingezogen und erleichtern den Bewohnern in vielerlei Hinsicht den Alltag.

Sheets will die KI-Systeme auf ein neues Level heben und sie so konzipieren, dass sie etwa für Demenzkranke eine helfende Hand im schwierig zu meisternden Alltag darstellen. Sprachassistenten könnten Sheets zufolge die tägliche Routine von Patienten vereinfachen. Beispielsweise, wenn sie Schwierigkeiten haben, sich an spezifische Gegebenheiten zu erinnern. „Zum Beispiel will jemand seine Mutter anrufen. Anstatt sich an die Telefonnummer erinnern zu müssen, kann die Person ,Computer, ruf meine Mutter an‘ sagen und die Software erledigt den Rest“, so Sheets. Auch die oft als kompliziert erachtete Bedienung verschiedener Geräte, wie Festnetztelefon oder Smartphone, würde in dem Fall keine Rolle mehr spielen.

Auch ein neues Armband vom Fraunhofer Institut soll die Pflege der Betroffenen erleichtern und die Lebensqualität der Patienten verbessern. Das Armband dient als Mess- und Beratungssystem und liefert mit unauffälligen Sensoren fortlaufend tagesformaktuelle Daten, die zur individualisierten Therapie genutzt werden können. Fraunhofer-Forschende entwickelten gemeinsam mit Partnern das neue Pflege-Armband.

Die Daten ermöglichen eine individualisierte Therapie und bessere Betreuung. Außerdem können die so gewonnenen Informationen besser genutzt werden, um effizientere Behandlungen zu entwickeln. Die Forscher berichten, dass Vitalparameter wie Herzfrequenz, Körpertemperatur, aber auch die Herzratenvariabilität und der Hautwiderstand gemessen werden. Zusätzlich werden äußere Einflüsse wie Außentemperatur, Helligkeit und Lautstärke aufgezeichnet. Ebenfalls werden die Bewegungsmuster der Patienten festgehalten. Bewegt sich ein Demenzerkrankter beispielsweise kaum noch oder verlässt seine Wohnung nicht mehr, kann dies auf eine Verschlechterung hindeuten.

Das komplette Messsystem ist ein kleines technisches Meisterwerk. Es wurde ausgesprochen intelligent sowie unauffällig in dem Armband integriert. Es enthält einen Microcontroller, der die Daten erfasst, ein Bluetoothmodul, einen Akku, eine USB-Schnittstelle sowie eine NFC-Antenne, die auch als automatischer Türöffner genutzt werden kann. 

Abschließend bleibt festzustellen: Menschliche Kontakte kann man auch in Zukunft nicht ersetzen. Zu berücksichtigen gilt auch die Einstellung der Erkrankten zu dieser Thematik. Die Patienten müssen den Einsatz der Technik tatsächlich wollen und dürfen nicht damit überrumpelt werden.

ALEXA, SIRI & CO

Sprachassistenten können perfekt verwendet werden, um die Arbeitsbelastung von Pflegekräften zu erleichtern, weil man mit ihnen viele verschiedene Aspekte eines Zuhauses steuern kann. Etwa Heizung, Licht und Fernsehen. Sie ermöglichen zudem viele nützlichen Dinge: von der Erstellung von Erinnerungen zur Einnahme von Medikamenten bis hin zur Frage, wie das Wetter gerade ist oder wird.

Das Schöne an einem digitalen Gegenüber ist zudem, dass es auch nicht leid wird, gefragt zu werden, welcher Tag gerade ist. Sprachassistenten könnten auch im Notfall eine große Hilfe sein. Denn der Patient müsste sich nicht an die Nummer eines Notdienstes erinnern oder einen Eintrag im Kontaktbuch suchen.

 

 



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