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Interview

Was ist das, das Wohnraumklima?

Es gibt Räume, in denen wir uns wohlfühlen, und solche, die uns missfallen. Raum­designerin Doris Dockner über eine sensible Materie.

Raum­designerin und ­Innenarchitektin Doris Dockner © Tom Lamm
 

Man redet oft von einem guten oder auch schlechten Raum- bzw. Wohnklima. Ist das ein messbarer Begriff oder rein subjektives Empfinden?
Doris Dockner: Die Bauphysik kennt den Begriff der „Behaglichkeit“. Diese wird unter anderem von messbaren Größen wie der Luftbewegung, der Luftfeuchtigkeit, von der Wandtemperatur sowie der Lufttemperatur definiert. Auch die ­Akus­tik und die Lichtverhältnisse sind messbar. Natürlich spielt da viel subjektives Empfinden hinein – deshalb spricht man häufig auch von einem Behaglichkeitsbereich.
Was sind die wichtigsten Gestaltungsparameter, die einen Raum zum Wohlfühlraum machen?
Dockner: Generell nimmt der Mensch einen Wohnraum sehr archaisch und mit allen Sinnen wahr. Deshalb stehen das Sicherheitsbedürfnis und die gute Orientierung an erster Stelle seiner Bedürfnisse. Das heißt: Geschützte Bereiche im Rü­cken und eine gute Sicht nach vorne werden mehrheitlich als angenehme Wohnräume empfunden. Sehr wichtig ist auch die Wegeführung durch den Wohnraum. Kurze Wege und Gänge machen die nutzbare Wohnfläche größer. Weiters spielen die Lichtführung und der Sonnenschutz, die Luftqualität bzw. die Belüftungsmöglichkeiten, die Wohn­ergonomie, die Zugänge zu den Außenbereichen, die Farben sowie die Möbel und ihr Design wichtige Rollen.
Welchen Einfluss haben die Bau- bzw. Einrichtungsmaterialien?
Dockner: Materialien, die Wärme speichern und langsam abgeben, wie Kacheln, Lehm und Steine, werden als angenehmer empfunden. Gleiches gilt für Materialien, die die Luftfeuchtigkeit in einem angenehmen Bereich halten können, wie mineralische Baustoffe. Auch der Zusammenhang von gebauter Außenhülle und Innenraum hat einen Einfluss auf das Raumempfinden. Ein positives Beispiel wäre eine Lehmwand mit integrierter Wandheizung.
Was bewirkt die gute Lichtführung?
Dockner: Sehr viel. So sagen beispielsweise Chronobiologen, dass das geeignete Licht – mit hohem Rot- und Gelbanteil – wesentlich unsere physiologischen Rhythmen beeinflusst und daher großen Einfluss auf unser Wohlbefinden hat. Deshalb ist die Lichtplanung bei der Raumgestaltung enorm wichtig.
In welchen Räumen fühlen Sie sich nicht wohl?
Dockner: Für mich spielt die Raumakus­tik eine große Rolle. Und der Bezug eines Raumes zur Außenwelt. Wenn man von ihm aus nur den Himmel und nicht den Horizont sieht, ist das auf Dauer eher ­unangenehm für mich.