Chinas Präsident Xi Jinping rief die acht Mitgliedsstaaten dazu auf, sich gegenseitig in der Abwehr von Versuchen ausländischer Mächte zu unterstützen, sogenannte Farben-Revolutionen zu fördern. Mit diesem Begriff sind nach Farben oder Pflanzen benannte pro-westliche Revolutionen insbesondere in ehemals kommunistischen Staaten gemeint.

Mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wollte Putin am Freitag über die Umsetzung des Getreideabkommens sprechen, mit der Moskau nicht zufrieden ist. Die Türkei ist Vermittler in dem Deal, der die ukrainischen Seehäfen nach monatelanger russischer Seeblockade entsperrt hat. Die Wiederaufnahme ukrainischer Getreideausfuhren soll die weltweite Lebensmittelkrise entspannen.

Xi sagte, die SCO-Mitgliedsländer sollten sich gegenseitig bei der Wahrung ihrer Sicherheits- und Entwicklungsinteressen unterstützen. Der chinesische Präsident kündigte an, sein Land werde in den kommenden fünf Jahren 2.000 Sicherheitsbeamte aus den SCO-Ländern ausbilden und eine Ausbildungsstätte mit Schwerpunkt Terrorismus-Bekämpfung einrichten. Xi lud die SCO-Länder ein, sich Chinas globaler Sicherheitsinitiative anzuschließen.

Kein Wort verlor Xi über den Ukraine-Krieg. Allerdings fallen auch die Entwicklungen in der ehemaligen Sowjetrepublik unter dem Begriff Farben-Revolution. 2004 wurde in der Ukraine im Zuge der Orangen Revolution der prorussische Präsident Leonid Kutschma gestürzt und ein Prozess der Emanzipation vom Nachbarland eingeleitet, der im vergangenen Februar in dem russischen Angriff auf die Ukraine mündete. Ähnliche Revolten gegen autokratische Regierungen gab es in mehreren Staaten des ehemaligen Ostblocks. In China wurden derartige Bestrebungen 1989 mit dem Massaker am Tiananmen-Platz gestoppt.

Putin schlug vor, die Zusammenarbeit innerhalb der SCO auf den Sport auszuweiten. Sportliche Großereignisse könnten unter Schirmherrschaft der SCO organisiert werden. Derzeit ist die Teilnahme russischer Athleten wegen staatlich unterstützter Dopingfälle an Olympischen Spielen stark eingeschränkt.

Putin warf zudem Europa vor, nur teilweise Sanktionen aufgehoben zu haben, die den Export von Düngemitteln blockierten. Russland sei bereit, 300.000 Tonnen Düngemittel, die in europäischen Häfen festgesetzt worden seien, für ärmere Länder freizugeben. Voraussetzung sei allerdings eine Lockerung der Sanktionen. Xi erklärte, sein Land werde Getreide im Wert von 214 Millionen Dollar (214,17 Mio. Euro) als Nothilfe an ärmere Länder liefern. Indiens Ministerpräsident Narendra Modi rief die SCO dazu auf, gegen die Folgen der Corona-Pandemie vorzugehen und Lieferketten zu sichern.

Der iranische Präsident Ebrahim Raisi forderte, es müssten neue Wege gegen "drakonische" US-Sanktionen gefunden werden. Der freie Handel unter den SCO-Mitgliedern müsse deswegen ausgebaut werden. Am Donnerstag hatte der Iran ein Memorandum zu den Voraussetzung für die volle Mitgliedschaft im SCO unterzeichnet.

In Samarkand sollen auch Indiens Premierminister Modi und Xi Jinping zusammentreffen - zum ersten Mal seit der tödlichen Konfrontation beider Seiten an der umstrittenen Grenze im Himalaya 2020. Der 2001 gegründeten Shanghai-Gruppe, die sich Kooperation und Sicherheit auf die Fahnen schreibt, gehören heute außer Russland, China, Indien auch Pakistan, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan und neuerdings der Iran an.