Pro & Kontra Ein Aus für Verbrennungsmotoren: Ist das wirklich notwendig?

Die EU-Kommission legte diese Woche ihr Programm zur Erreichung der Klimaziele vor. Unter anderem dürfen Neuwagen ab 2035 kein CO2 mehr ausstoßen – das Ende für Benziner und Dieselautos. Führt daran kein Weg vorbei? Astrid Rössler und Magnus Brunner kreuzen zu dieser Frage die Klingen

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E-Auto
Liegt die Zukunft allein in der E-Mobility? © Petair - stock.adobe.com
 

PRO

Um unsere Ziele im Kampf gegen die Klimakrise zu erreichen, bedarf es eines klaren und planbaren Zeitrahmens. Ein klarer Ausstiegspfad bietet Chancen für eine nachhaltige Transformation des Verkehrssektors.

von Astrid Rössler

Ja, der Verbrennungsmotor ist ein Auslaufmodell und wird in den kommenden Jahren durch effizientere und sauberere Antriebssysteme ersetzt werden. Der Verkehrssektor verursacht in Österreich rund ein Drittel aller Treibhausgasemissionen, dazu Feinstaub und Stickoxide, die nicht nur dem Klima schaden, sondern auch der Gesundheit der Menschen. Große Luftsanierungsgebiete wie in Tirol, Salzburg, Graz und Linz zeugen davon.

Klimaschutz beginnt beim Umstieg auf Öffis, Rad- und Fußverkehr für Kurzstrecken – besonders im Siedlungsgebiet. Dort, wo motorisierter Straßenverkehr nicht vermieden oder verlagert werden kann, muss er verbessert werden. Das funktioniert bei Pkw und Lkw am effektivsten durch eine Umstellung auf Batterieelektrik. Das wird im Fahrzeugbestand nicht von heute auf morgen passieren, aber es braucht einen verlässlichen, planbaren Zeitrahmen, damit wir die Emissionen rasch senken und unsere Ziele im Kampf gegen die Klimakatastrophe erreichen können.

Die Preise für E-Fahrzeuge nähern sich immer weiter jenen von Verbrennern an, ab 2027 werden E-Pkw günstiger sein. Auf die Gesamtlebensdauer gesehen sind E-Pkw schon heute klar im Kostenvorteil. Laut dem EU Programm „Fit for 55“ sollten ab 2035 nur mehr emissionsfreie Fahrzeuge auf die Straße kommen.

Im Kfz-Bestand können wir einen Zwischenschritt durch verstärkten Einsatz von E-Fuels machen. Doch auch Alternativtreibstoffe sind endlich und es gibt Bereiche, in denen sie dringlicher zum Einsatz kommen sollten, etwa bei Sonderfahrzeugen, im Flugverkehr und in der Schifffahrt. Wir müssen zudem sicherstellen, dass durch eine gesteigerte Verwendung klimaneutraler Kraftstoffe keine Ernährungskrise entsteht, wenn Lebensmittelpflanzen zum Einsatz kommen.

Österreichs Automobil-Zulieferindustrie zeichnet sich durch viel Know-how und Innovationspotenzial aus, was die Ablöse von Verbrennungsmotoren durch klimafreundliche Alternativen betrifft. Ein klarer Ausstiegspfad aus dieser Technologie unterstützt die Planungssicherheit für Unternehmer und Unternehmerinnen und bietet enorme Chancen für eine nachhaltige Transformation dieses Sektors, in dem tausende neue und hochwertige Arbeitsplätze entstehen können. Je früher wir hierfür Voraussetzungen schaffen, desto erfolgreicher wird dieser Wandel gelingen und umso mehr können die Österreicherinnen und Österreicher, der Wirtschaftsstandort und nicht zuletzt Umwelt, Klima und Gesundheit davon profitieren.

Zur Autorin

Astrid Rössler ist seit Oktober 2019 Abgeordnete zum Nationalrat für die Grünen. Zuvor war sie von 2013 bis 2018 in der Koalition mit der ÖVP Landeshauptmann-Stellvertreterin und Landesrätin in Salzburg.

 

CONTRA

Statt eines Verbots der Verbrennungsmotoren brauchen wir Anreize, um Zukunftstechnologien zu forcieren. Auch so können wir unsere Klimaziele erreichen und behalten die Lebensrealität der Menschen im Auge.

von Magnus Brunner

Das von der EU-Kommission vorgelegte Paket ist sehr ambitioniert und geht bei einigen wesentlichen Punkten in die richtige Richtung. Wir dürfen aber nie die Lebensrealitäten der Menschen und der Wirtschaft aus den Augen verlieren. Ganz grundsätzlich: Ich halte nichts von Verboten und Belastungen, viel mehr müssen wir Anreize schaffen und innovative Zukunftstechnologien forcieren.

Neben vielen guten Punkten hat die EU-Kommission einen mehr als umstrittenen Vorschlag vorgelegt: Ab 2035 sollen keine Diesel- und Benzinfahrzeuge mehr zugelassen werden. Ich bin klar gegen ein solches Verbot! Denn nicht der Verbrennungsmotor ist das Problem, sondern die CO2-Emissionen sind es.

Wir dürfen den PKW-Verkehr und das Auto nicht verteufeln. Stattdessen müssen wir darüber nachdenken, womit ein Motor künftig betrieben werden kann. Mein Vorschlag: Setzen wir – neben dem Ausbau der Öffis – auf saubere Antriebsformen! Wir brauchen innovative Lösungen und alle umweltfreundlichen Technologien für die individuelle Mobilität – von der E-Mobilität über Wasserstoff bis hin zu synthetischen Kraftstoffen, sogenannten E-Fuels.

Vor allem im Bereich der E-Fuels steckt enormes Potenzial. Mit diesen können Verbrennungsmotoren CO2-neutral betrieben werden, wenn ihre Herstellung genauso viel CO2 bindet, wie ihre spätere Verbrennung freisetzt. Ein weiterer Vorteil ist, dass E-Fuels herkömmliche Kraftstoffe ohne technische Adaptierung der bestehenden Infrastruktur ersetzen können.

Wir müssen die Lebensrealitäten der Menschen im Auge behalten. Gerade im ländlichen Raum ist das Thema der letzten Meile oft ungelöst. Daher plädiere ich dafür, technologieoffen zu agieren und Forschung, Entwicklung und Weiterentwicklung zu forcieren. Viele saubere Technologien werden nebeneinander existieren – jede dort, wo sie am meisten Sinn macht. Zudem investiert die Bundesregierung bis 2026 mehr als 17 Milliarden Euro in die Erneuerung und den Ausbau der Bahn-Infrastruktur.

Ich setze also auf Anreize, Innovation und Technologieoffenheit. So erreichen wir die Klimaziele, erhalten langfristig ein lebenswertes Österreich und stärken den Standort. Ziel der Bundesregierung bleibt, die Emissionen im Verkehr deutlich zu senken. Wir können unsere ambitionierten Klimaziele erreichen, ohne den Verbrennungsmotor zu verbieten.

Zum Autor

Magnus Brunner gehört der ÖVP an und ist seit Jänner 2020 Staatssekretär im Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie. Von 2009 bis 2020 gehörte der Vorarlberger dem Bundesrat an.

 

Kommentare (49)
dieRealität2020
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Eine einfache Frage.

Heute leben auf diesen Planeten ca. 7,8 Milliarden Menschen, wo leben dann die 2100 Prognostizierten 10,9 Milliarden Menschen? Wo?
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Wo wird der Zugang von diesen 4,0 Milliarden Menschen leben? Wo? Und unter welchen Lebensbedingungen?

dieRealität2020
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Wieviel Arbeitskräfte stehen in der CO2 und in den Erfordernissen zur Senkung der Erderwärmung also in der Klimabrache?

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Hat sich, wer die Mühe gemacht, unabhängig aller Klimaziele CO2 und Fristen, nachzusehen wie viele Menschen in diesen Branchen mit allen Unternehmen die umstellen müssen, Arbeitskräfte weltweit beschäftigt sind. Und welche im indirekten Zusammenhang damit stehen?
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Ich befürchte bis dato hört und liest man nur von Ansagen und Willenserklärungen. Dann könnte wenn ich es erleben sollte (im 83. Lebensjahr) spätestens beim 100. noch einen minimalen Rückgang der Erderwärmung sehen und spüren. Zumindest keinen Anstieg mehr?
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Mein jugendliches internationales Umfeld meinte bei CO2 und Klimagesprächen, auf Deutsch übersetzt "du träumst von Schwammerln im Winter". Ich denke real und sehe, dass die Jüngsten in Pension gehen und die Erderwärmung wird noch immer ansteigen.
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Generell könnte man sagen, das sich die Erde beständig wechselseitige immer wieder kehrend erwärmt und abgekühlt hat, auch ohne Menschheit. Das haben unzählige zurückliegende Bohrungen, die tiefste 5 km, durch ihre Bohrkerne belegt.

RonaldMessics
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Und nicht vergessen....

.... soll man die vielen Arbeitsplätze die durch die Katastrophen der Klimaveränderung geschaffen werden. HURRA, Konservatismus durch Arbeitsplatzerhaltung.

DergeerderteSteirer
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Mich beschäftigt eigentlich brennend die Frage wie eine Elektrifizierung bei Baumaschinen, Baufahrzeugen, Einsatzfahrzeugen .... sprich Feuerwehr und dgl. funktionieren soll, ................

wenn denen der "Saft ´" ausgeht wie werden die wieder geladen bzw. betriebsfähig gemacht, ist eine rein informative Frage ............... ;-)

scionescio
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@Der geerdeteSteirer: die werden dann mit einen Diesel-Stromgenerator geladen…

…. macht Tesla schon jetzt in Amerika so, wenn sich zu den Feiertagen lange Schlangen mit stundenlangen Wartezeiten vor den Superchargern bilden - natürlich ohne Partikelfilter und AdBlue … mehr Augenauswischerei geht nicht!

franki20
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@scionescio

Hast du auch einmal eine Quelle zu deinen Geschichten?

scionescio
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@franzerl: YouTube ist dein Freund …

… einfach nach Tesla, Schlange und Ladestation suchen.

franki20
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@scionescio

Ich kann da leider nur ein Video aus 2019 finden. Wo sind deine Fakten? Du behauptest Tesla stellt in Amerika zu stark frequentierten Zeiten Dieselaggregate auf um die Autos zu laden. Der Herr der Fakten nimmt es selbst nicht so genau mit der Wahrheit, Hauptsache Stimmung gegen BEV machen.

schadstoffarm
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Wird im Artikel beantwortet

"Alternativtreibstoffe sind endlich und es gibt Bereiche, in denen sie dringlicher zum Einsatz kommen sollten, etwa bei Sonderfahrzeugen,"

DergeerderteSteirer
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Das weiß ich zu gut werter @schadstoffarm, ..................

dreiundvierzigjährige durchgehende berufliche Tätigkeit im Mobilitäts - und Fahrzeugsektor haben tiefe Einblicke und Erfahrungswerte ........................ ;-))

scaramango
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Zwei Mal derselbe Artikel .... !!!


Da "fehlt" was :-)

KleineZeitung
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Fehler

Sehr geehrte(r) scaramango,
danke für den Hinweis. Wir haben den Fehler umgehend ausgebessert und entschuldigen uns dafür.
Mit freundlichen Grüßen aus der Redaktion

schadstoffarm
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Damit ist alles geklärt

Wenn pro und contra aufs selbe kommen. Vielleicht sollte man bhakdi um eine abweichende Meinung bitten, zu Corona fragt ihn ja keiner mehr.

KleineZeitung
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Fehler

Sehr geehrte(r) schadstoffarm,
danke für den Hinweis. Wir haben den Fehler umgehend ausgebessert und entschuldigen uns dafür.
Mit freundlichen Grüßen aus der Redaktion

scionescio
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Auch so kann man Stimmung machen - 2x der gleiche Pro Text …

… schon etwas sehr viel vorauseilender Gehorsam 😉

KleineZeitung
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Fehler

Sehr geehrte(r) scionescio,
danke für den Hinweis. Wir haben den Fehler umgehend ausgebessert und entschuldigen uns dafür.
Mit freundlichen Grüßen aus der Redaktion

DIBO
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Nein

Ich bin gespannt wie sie durch die Fluten kommen. Rettung, Polizei, Bundesheer, wäre in der jetzigen Situation interessant, so ohne Strom

schadstoffarm
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Und den Nachbarn hörst auch nimma Rasen

Mähen und vergisst es Dann selbst. Und wenns dann zu lang wird schaffts der Akkumäher nimma.

scionescio
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@Dibo: vermutlich so ähnlich wie in Anerika, wo die Polizei-Tesla’s bei der Verfolgungsjagd von Verbrechern aufgeben mussten, weil sie aufladen mussten…

…. und ich bin mir auch nicht sicher, ob bei einem Großbrand das Feuer eine Pause einlegt, bis die Löschfahrzeuge vom Nachladen zurück sind😉

schadstoffarm
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Scio

Die taser sind auch elektrisch und können töten. Wennst da eine verbrenner Version entwickelst wär dir die Welt dankbar.

scionescio
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@ArmerSchadstoff: gibt es schon längst - nennt sich Pistole, Gewehr, …

… der Horizont und die Allgemeinbildung der naiven Fanatiker scheint ziemlich begrenzt zu sein …

schadstoffarm
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Wie fortschrittlich

Und human du bist! Was hältst von einem 80 PS laubbläser der Verbrecher umweht? Zuerst schießen und dann fragen kommt in Amerika aus der Mode. Und über kurz oder lang machen wir alles nach.

melahide
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Das ist ja nett

dass die Kleine Zeitung das "Contra" von "Umweltstaatssekretär" Magnus Brunner durch einen sinnvolleren Text ersetzt hat :)

KleineZeitung
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Fehler

Sehr geehrte(r) melahide,
danke für den Hinweis. Wir haben den Fehler umgehend ausgebessert und entschuldigen uns dafür.
Mit freundlichen Grüßen aus der Redaktion

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