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Im Notfall sind die Gemeinden am Zug

Kommunale Blackout-Vorsorge ist so wichtig, weil bei einem landesweiten Stromausfall kaum Hilfe von überregionalen Organisationsstrukturen zu erwarten ist. Es gilt, im Notfall als Gemeinde vorbereitet zu sein.

Im Falle eines Blackout zählt der Zusammenhalt in der Gemeinde © Jürgen Fälchle
 

Bei einem Blackout handelt es sich um einen großflächigen Stromausfall, der einen Kollaps fast aller Versorgungsinfrastrukturen über einen längeren Zeitraum zur Folge hat. Alle relevanten Bereiche wie Telekommunikation (Handy, Festnetz, Internet), Verkehr und Logistik, Treibstoffversorgung, Wasserver- sowie Abwasserentsorgung, Finanzwesen und Produktion sind davon betroffen. In der Realität bedeutet das eine Krise, in der die gewohnten Wege, sich zu versorgen, zu bewegen und mit anderen zu kommunizieren, versagen. Weder Lift noch Telefon funktionieren. Dass eine solche Situation in Österreich eintritt, ist nicht auszuschließen und wird aufgrund des komplexen Zusammenspiels der europäischen Stromnetze eher wahrscheinlicher als unrealistischer.

Notversorgung. Da Hilfe von überregionalen Organisationsstrukturen (Bezirks-, Landes- und Bundesebene) im Blackout-Fall nicht zu erwarten ist, zählt das, was die Gemeinde zu leisten imstande ist. Im Zentrum stehen dabei die Überlebenssicherung der Bevölkerung und die Minimierung von Schäden. Die Gemeinden werden daher die Infrastrukturnotversorgung (das betrifft Wasser, Wärme, Entsorgung und Kommunikation) und andere elementare Leistungen wie die Gesundheits- und Lebensmittelnotversorgung sicherstellen müssen.
Wegen des weitreichenden Infrastruktur- und Kommunikationsausfalls, der mit einem lang andauernden Blackout zwangsläufig verbundenen ist, kann die Koordination von organisierter Hilfe sinnvollerweise nur auf der Gemeindeebene umgesetzt werden. Damit wird der Bürgermeister bzw. die Bürgermeisterin im Falle eines Blackouts zum behördlichen Einsatzleiter und muss in weiterer Folge den Einsatz der Organisationen des Katastrophenschutzes anordnen und für die Koordinierung aller Einsatzmaßnahmen sorgen. Einer der ersten, der diese Verantwortung erkannt hat, ist der Bürgermeister der Stadtgemeinde Feldbach – siehe auch Interview rechts.

Leitfaden für Gemeinden. Über Auftrag des Landes Steiermark hat der Zivilschutzverband gemeinsam mit zahlreichen Experten die Arbeitsmappe „Blackout-Vorsorge für die steirischen Gemeinden“ erstellt, die alle wesentlichen kommunalen „To-Dos“ beinhaltet. Das Ziel ist es, die Bürgerinnen und Bürger sowie die Gemeindevertreter über die potenzielle Gefährdung aufzuklären, ohne dabei Angst zu erzeugen. Durch eine entsprechende Vorbereitung ist auch eine Krise wie der totale Infrastrukturausfall zu bewältigen. Die Bevorratung des eigenen Haushalts (siehe dazu auch den Selbstcheck auf der Seite 15) ist dabei die wesentliche Basis. Die „Selbsthilfefähigkeit“ (siehe auch die Infografik rechts unten) ist die wichtigste Komponente der Krisenbewältigung. Idealerweise wird sie durch tatkräftige Nachbarschaftshilfe ergänzt.

Was uns eine Selbsthilfe-Basis bietet Foto © KK

Maßnahmen-Paket

„Die Steiermark muss auf den Fall der Fälle vorbereitet sein. Das Krisenmanagement im Blackoutfall muss funktionieren. Deswegen hat der Zivilschutzverband Steiermark mit Experten ein umfassendes Maßnahmen-Paket für die steirischen Städte und ­Gemeinden ausgearbeitet.“

Mag. Michael Schickhofer,
Landeshauptmann-Stellvertreter der Steiermark

Selbsthilfe-Basen. In diesem Zusammenhang plädieren einige Experten – so auch Herbert Saurugg, Experte für die Vorbereitung auf den Ausfall lebenswichtiger Infrastrukturen – dafür, die Nachbarschaftshilfe im Blackout-Fall in einem räumlich überschaubaren Kontext zu koordinieren und so genannte Selbsthilfe-Basen für die Kommunikation mit der Einsatzleitung sowie für die Weiterverteilung von allfälliger Hilfe einzurichten. „Derzeit ist diese Stufe nicht vorgesehen, doch sie ist für die Bewältigung eines solchen Ereignisses unverzichtbar“, erklärt er. „Es ist wichtig, diese Zwischen­ebene zu organisieren, damit Menschen einen Notruf absetzen können, wenn sonst nichts mehr geht. Die Kommunikation ist im Fall eines Blackouts die größte Herausforderung!“

Projekt "KIRAS"

„Mit dem KIRAS-Sicherheitsforschungsprojekt «Energiezelle F», so die Kurzbezeichnung, wird anhand des Blackout-Szenarios erstmals eine notversorgungsfähige Energiezelle praktisch erforscht und umgesetzt.“

Ing. Karl Puchas
Geschäftsführer Lokale Energie Agentur

Vorreiter Feldbach. Die Stadtgemeinde Feldbach ist ein Pionier der Blackout-Vorsorge. Schon seit geraumer Zeit beschäftigt sie sich mit dem Szenario eines totalen Stromausfalls. Von hier ging nicht nur die Initiative für die nun breite Auseinandersetzung mit dem Thema aus, hier laufen auch die Erkenntnisse aus einer mehrjährigen Studie zusammen. Eine Informationsbroschüre wurde erstellt, die lokale Wirtschaft erarbeitet Lösungen, Vorträge stoßen auf ein breites – auch mediales – Interesse. Karl Puchas (Lokale Energie Agentur) präsentierte eine Möglichkeit, Photovoltaik für die Notstromversorgung einzusetzen.
In Feldbach sind auch die Vorsorgemaßnahmen im österreichweiten Vergleich sehr weit gediehen. So hat sich Feldbach für die Einrichtung von 13 Selbsthilfe-Basen in verschiedenen Ortsteilen entschieden, die im Blackoutfall aktiv werden. Selbsthilfe-Basen sind Stellen, an die sich die Menschen im akuten Notfall wenden können. Sie dienen als Infodrehscheiben und zum Absetzen von Notrufen. Im Idealfall findet hier auch Erste Hilfe statt.

Mittlerweile gibt es in der Steiermark rund 35 Gemeinden, die mit Unterstützung von externen Experten, unter anderem Walter Schiefer, einen Blackout-Vorsorge Plan erarbeitet haben. Weitere Informationen zur Blackout-Vorsorge in Feldbach finden Sie unter: www.feldbach.gv.at/blackout

„Verhindern, dass nichts mehr geht“

Ing. Josef Ober, Bürgermeister von Feldbach Foto © KK

Die Stadtgemeinde Feldbach war die treibende Kraft, die auf die Notwendigkeit, sich mit dem Thema Blackout zu befassen, hingewiesen hat. Wie kam es dazu?
JOSEF OBER: Wir haben vor rund drei Jahren einfach erkannt, dass das Thema immer relevanter wird und dabei wichtige Lösungen fehlen und auch zu wenig Bewusstsein vorhanden ist. Davon ausgehend, haben wir Experten an Bord geholt und ein umfassendes Blackout-Konzept erstellt. Es ist wichtig, auf einen großflächigen, lang dauernden Komplettausfall des Stromnetzes
vorbereitet zu sein. Wir haben den Stein ins Rollen gebracht, und es ist gut, dass andere jetzt nachziehen.
Was konkret ist schon geschehen?
Vieles. Damit in der Krise nicht nichts mehr geht, haben wir die wichtigste Infrastruktur erneuert, ausgebaut und fit für die Zukunft gemacht: die Wasserversorgung, die Abwasserentsorgung und die Einrichtung von Selbsthilfe-Basen. Seit 2017 läuft in der Stadtgemeinde Feldbach außerdem das Forschungsprojekt „Energiezelle F.“, das wissenschaftlich begleitet wird. Die Erkenntnisse daraus nützen nicht nur uns, sondern allen. Wichtig ist auch, dass wir die Bevölkerung informiert haben: in den Schulen, bei Workshops und in Vorträgen von Experten.

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