In Österreichs Schulen fehlen Lehrkräfte, in Kärnten mussten Schulen bereits auf Notbetrieb umstellen. Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) will dem nun mit der "größten Lehrkräfteoffensive der Zweiten Republik" entgegenwirken. Dabei soll nicht nur ein neues Bild der Schule vermittelt und die Pädagogenausbildung reformiert, sondern auch "neue Zielgruppen" als Lehrkräfte angeworben werden.

Das Bildungsministerium will Quereinsteiger davon überzeugen, den "Klasse Job" Lehrer oder Lehrerin zu ergreifen. Interessierte sollen ein moderneres öffentliches Bild des Lehrberufs vermittelt bekommen und sich auf einer eigenen Website darüber informieren können, "wie sie in unser Schulsystem kommen und wer wo gesucht wird". Dafür soll auch ein eigener Bedarfsrechner für Unterrichtsfächer veröffentlicht werden. Die Kampagne wird in den kommenden Wochen starten und soll 600.000 Euro schwer sein.

Quereinsteiger sollen vom "Klasse Job" Lehrer überzeugt werden
Quereinsteiger sollen vom "Klasse Job" Lehrer überzeugt werden © Screenshot klassejob.at

Berufsbegleitender Master

In der angekündigten Überarbeitung der Lehrerausbildung müsse das Ziel sein, dass jeder Lehrer bereits nach dem Bachelorabschluss als Vollzeit-Lehrperson arbeitet und den Master berufsbegleitend absolviert, erklärte Polaschek am Dienstag. Fix ist bereits die Umstellung bei der Volksschullehrer-Ausbildung von derzeit vier Jahren Bachelor- und einem Jahr Masterstudium auf drei Jahre Bachelor plus zwei Jahre Master. Die entsprechende Novelle soll laut Polaschek 2023 beschlossen werden, 2024/25 kann die neue Ausbildung dann starten. Die Pflicht zum Masterabschluss soll im Sinne der Qualitätssicherung aber bleiben.

Um den Übergang in den Beruf zu verbessern, sollen die praxisorientierten Studieninhalte verbessert werden. Außerdem soll geprüft werden, ob neben dem klassischen Studium mit zwei Unterrichtsfächern Fächerbündel wie Science angeboten werden, deren Absolventinnen und Absolventen dann in mehreren Fächern einsetzbar sind. Dadurch könnte man fachfremden Unterricht verringern.

Lehrerbild des 21. Jahrhunderts

Bei einer Pressekonferenz am Dienstag erklärte Polaschek, ihm schwebe ein neues Lehrerbild vor, das "den Ansprüchen des 21. Jahrhunderts gerecht werden" soll. So spiele etwa sozialer Austausch mit den Jungen eine viel größere Rolle als früher, außerdem werde man neue Wege zur Vermittlung bestimmter Themen wie politischer Bildung etc. ausloten.

Dieses neue Bild soll auch einfließen in Entwicklungen und Reformen etwa bei Schulqualitätsrahmen, Schulleitungsprofil und neuen Lehrplänen, die der Minister bereits ein Jahr vor Inkrafttreten der gerade erst fertiggestellten Neufassung schon wieder reformieren will. Polaschek will auch hinterfragen, welche Aufgaben die Schule erfüllen kann. In der Debatte über die Lehrpläne habe sich gezeigt, dass es hier sehr hohe Erwartungen gebe, nicht alle könne die Schule erfüllen.