Die Bundespräsidentenwahl ist geschlagen. Exakt 3.340.609 Stimmzettel, die am gestrigen Sonntag in einem der Wahllokale abgegeben wurden, sind ausgezählt. Ihr Ergebnis hat Innenminister Karner (ÖVP) am Sonntagabend verkündet. Es ist aber nur das vorläufige Endergebnis. Denn jede fünfte Stimme ist noch nicht ausgezählt. Kann sich das Wahlergebnis also noch ändern?

Bei der Hofburg-Wahl wurden exakt 958.136 Wahlkarten ausgegeben. Bei den meisten Wahlen kommen etwa 90 Prozent von ihnen zurück, wovon wiederum um die zwei Prozent ungültig sind (etwa, weil sie falsch ausgefüllt wurden). Gerechnet wird also mit 845.075 Stimmen, die noch ins Endergebnis einfließen. Das ist immerhin rund ein Fünftel der Gesamtstimmen.

Am Wahlsieg von Alexander Van der Bellens werden sie aber nichts ändern. Der ORF-Journalist Martin Thür rechnet auf Twitter vor, warum:

Van der Bellen braucht für den Sieg mehr als die Hälfte aller Stimmen, also zumindest 50 Prozent von 4.106.135 erwarteten Stimmen. Schon in der Urnenwahl hat er 1.780.429 Stimmen bekommen. Ihm fehlen also noch exakt 272.639 Stimmen. Es muss also in etwa jede dritte Wahlkartenstimme an Van der Bellen gehen. Das klingt viel, ist aber so gut wie fix: Bei der Wahl 2016 war der Anteil mehr als doppelt so hoch. 

Van der Bellens österreichweiter Stimmenanteil wird laut Hochrechnungen durch die Briefwahlstimmen sogar noch ansteigen, von 54,6 auf 56,2 oder 56,3 Prozent.

Holt Wlazny Wallentin noch ein?

An der Platzierung von Walter Rosenkranz, der zehn Prozentpunkte Vorsprung auf den Drittgereihten hat, wird sich nichts mehr ändern. Weil die FPÖ bei Wahlkarten traditionell schwach ist, wird sein endgültiges Wahlergebnis geringer ausfallen, als das vorläufige. Die Hochrechner der ARGE Wahlen weisen 17,7 Prozent aus, SORA 17,9 Prozent.

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Die Wahlkartenstimmen werden aber den Ausschlag geben, wer auf Platz 3 kommt. Österreichweit hat Bierpartei-Chef Dominik Wlazny die besseren Aussichten als der Rechtsanwalt und "Krone"-Kolumnist Tassilo Wallentin. Bei den Urnenwählern lag bundesweit Wallentin mit 8,4 Prozent auf Platz 3 – und um 5078 Stimmen vor Wlazny, der 8,2 Prozent erreichte. Die Hochrechner gehen davon aus, dass Wlazny von der Briefwahl profitieren, aber Wallentins Stimmenanteil dadurch etwas geschmälert wird.

Ein paar Hundert Stimmen Unterschied

Die ARGE Wahlen sieht Wlazny in ihrer nach dem Endergebnis adaptierten Hochrechnung für die APA mit 8,74 Prozent deutlich vor Wallentin mit 8,01 Prozent. Ebenfalls Wlazny (mit 8,4 Prozent) auf Platz 3 lautet das Ergebnis der SORA/ORF-Hochrechnung nach Auszählung der Urnenwahl – Wallentin ist in dieser Berechnung mit 8,3 Prozent aber wesentlich knapper dran am Bierpartei-Kandidaten.

In Wien, wo Wlazny bei der Urnenwahl 10,9 Prozent schaffte, könnte er sogar vor Walter Rosenkranz auf Platz zwei kommen, den in den Wahllokalen 11,7 Prozent der Menschen wählten. Allerdings sind sich die Hochrechner hier noch nicht einig. Die ARGE Wahlen sieht Wlazny letztlich mit 11,3 Prozent vor Rosenkranz mit 10,7. In der SORA/ORF-Hochrechnung für Wien kann sich Rosenkranz allerdings ganz knapp um etwa 200 Stimmen vor Wlazny halten – und beide haben damit 10,9 Prozent.

Einen deutlichen Sprung nach oben machen wird die Wahlbeteiligung: Aus den mageren 52,50 Prozent vom Sonntag sollten rund 65 Prozent werden.