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Oskar Deutsch"Antisemitismus ist ein No-Go"

Oskar Deutsch, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, geht mit dem "System FPÖ" ins Gericht. "Das sind nicht mehr Einzelfälle. Das ist System", sagt der in der ORF-Pressestunde.

Oskar Deutsch: "Ich möchte Taten sehen."
Oskar Deutsch: "Ich möchte Taten sehen." © APA/HERBERT NEUBAUER
 

71 solcher „Einzefälle“ innerhalb der FPÖ habe es unter Obmann Heinz-Christian Strache während der Regierungsbeteiligung der FPÖ gegeben. Seit Norbert Hofer an der Spitze der FPÖ stehe, seien es bereits 20 gewesen, zählte Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) auf. Er sprach sich dafür aus, gar nicht mehr von „Einzelfällen“ zu sprechen. „Das ist System“, so der IKG-Präsident in der der ORF-Pressestunde.

Erneut wiederholte Deutsch seine Rücktrittsforderung an FPÖ-Obmann Hofer als Dritten Nationalratspräsidenten. Hofer habe in der jüngsten NS-Liederbuchaffäre rund um den steirischen FPÖ-Abgeordneten Wolfgang Zanger keine Konsequenzen gezogen. Vielmehr habe sich Hofer hinter Zanger gestellt.

Die Versuche der FPÖ, sich vom Antisemitismus zu distanzieren, reichen dem IKG-Präsidenten deshalb nicht. „Ich möchte Taten sehen. Wenn Herr Hofer dem Herrn Zanger das Weiserl gibt, ist das eine schöne Tat. Solange ein Herr Hofer den Zanger deckt, sehe ich nicht, dass man gegen Antisemitismus auftritt“, so Deutsch.

"Mit der Babynahrung eingetrichtert"

Ein verstärktes Auftreten gegen den Antisemitismus ist für den IKG-Präsidenten ein gesellschaftliches Gebot der Stunde. Der sei in den vergangenen Jahren merklich gestiegen. Neben rechten und linken Gruppen seien auch oft Flüchtlinge, „die bereits mit der Babynahrung in den arabischen Ländern Antisemitismus eingetrichtert bekommen haben“, beteiligt. Auch manche türkischstämmigen Personen, die stark vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan beeinflusst sind, zählt er zu den insgesamt vier Gruppen.

In den vergangenen Jahren ist der Antisemitismus laut Deutsch auch in Österreich gestiegen. Insgesamt habe es in Österreich im vergangenen Jahr 500 Vorfälle gegeben. Deutsch zählte Drohbriefe, Rufe bei Demonstrationen oder Anpöbelungen auf. Aber „so richtig verletzt wurde Gott sei Dank in Österreich noch niemand“. Anders als in anderen europäischen Ländern würden Jüdinnen und Juden wegen des Antisemitismus auch noch nicht das Land verlassen. Darüber diskutiert werde aber sehr wohl, so der IKG-Präsident.

"Antisemitismus ist ein No-Go"

Einen eigenen Antisemitismus-Beauftragten der Regierung, wie in Deutschland, hält Deutsch für nicht notwendig, aber: „Es muss irgendeine Aktion passieren, wo alle beteiligt sind.“ Von der Staats- und Regierungsspitze über Medien, Kulturschaffende und Kirchen bis zur Zivilbevölkerung müssten alle „dieses Krebsgeschwür bekämpfen“ und sagen, „Antisemitismus ist ein No-Go“. Möglich sei auch eine Antisemitismus-Beobachtungsstelle mit einem halbjährlichen Bericht.

Deutsch sprach sich überdies für härtere Strafen aus. Das derzeit eher geringe Strafmaß nach antisemitischen Vorfällen würde dazu führen, dass die Schwelle für Nachahmungstäter niedrig sei, argumentierte Deutsch seine Forderung nach Änderungen im Strafgesetz. „Mir sind Urteile, die abschreckend ist, nicht bekannt“, sagte der IKG-Präsident.

Zur Politik – abseits der FPÖ – stellte Deutsch ein gutes Verhältnis fest. Auch mit der anderen „Hälfte“ der ehemaligen ÖVP-FPÖ-Koalition, also der Volkspartei und ihrem Parteichef Sebastian Kurz, sei die Basis eine gute gewesen. Kurz sei in seinem Engagement für die Juden und Israel glaubwürdig. Auch zur Spitze der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) gebe es ein korrektes Verhältnis. Als besonders positives Beispiel innerhalb der IGGÖ nannte Deutsch die muslimische Jugend, die sich „voll gegen Antisemitismus“ stelle.

"Nahezu kindliche Gesprächsverweigerung"

Die Reaktion der FPÖ ließ am Sonntag nicht lange auf sich warten. In einer Aussendung warfen die Freiheitlichen Deutsch eine „nahezu kindische Gesprächsverweigerung“ vor. „Leider schlägt Herr Deutsch diesen Weg des freien und höflichen Diskurses mit uns nicht ein“, so Generalsekretär Christian Hafenecker.

„Nach dem ungeheuerlich schrecklichen Genozid gegen Juden in der Zeit des Nationalsozialismus verdient die jüdische Gemeinschaft unseren vermehrten und besonderen Schutz“, so Hafenecker. Das Gedenken an diese Epoche sei hier ebenso wichtig wie das offene Gespräch. Dass die FPÖ sowie deren Wähler antisemitisch gesinnt seien, wies der freiheitliche Generalsekretär „auf das Schärfste zurück“.

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Danke für Ihr Verständnis.

merch
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...

Vielleicht täte es der Sache mal gut, wenn man "die Kirche mal im Dorf lassen" würde.

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Lodengrün
23
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Der Herr Hofer

mag ja sagen das er gegen den Antisemitismus ist, Tatsache ist , die AfD ist die Schwesterpartei der FPÖ und die kann nicht behaupten sie würden auf der Seite der Juden stehen.

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Lodengrün
20
7
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Hätte wirklich einmal

gerne die Argumente gewusst die der Minusstrichler bei mir vorzubringen hat. Alles belegbar oder ist die AfD nicht Schwesternpartei. Erinnert mich an den FPÖ Stand am Bauernmarkt. Man geht vorbei und schon kommt einer auf dich zu und fragt: "Was sagen sie zu den ausländischen Messerstechern? Haben sie noch nicht Angst?". Ignorieren ist das einzige Rezept. Bin kein KPÖ Wähler, aber ich muß sagen, jeder der dort erscheint hat Niveau.

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schteirischprovessa
6
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Hast zwar von mir keinen Strich bekommen,

aber so wie du das formulierst, erweckt es den Anschein, du willst FPÖ in die gleiche Schublade wie die AFD stecken. Es sind zwar beides rechte Parteien, doch zumindest nach meiner subjektiven Ansicht ist die FPÖ nicht nur einen Schritt weiter der Mitte einzuordnen als die AFD, trotz der ungustösen Vielzahl an "Einzelfällen".

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schteirischprovessa
5
27
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Ich würde es nicht als Antisemitismus bezeichnen,

wenn man den verallgemeinenden Aussagen des Herrn Deutsch zum Teil nicht folgt. Genau so wenig ist es für mich nicht Antisemitismus, wenn man die Siedlungspolitik der israelischen Regierung scharf kritisiert.

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mapem
18
2
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Tja, proveeeesa …

Ah schau, was unser proveeeesa Kernöl wieder alles nit würde …
und wie er immer so lieb zwischen den Zeilen seine Message für die Pisa-Community platziert! Tja, ist wohl sowas, wie alte Kernölpress-Technik – nur soll halt das, was er nicht sagt, diesmal in den Kürbis REINgehen – gell!

dass man quasi den latenten Antisemitismus immer schön a bisserl am Köcheln hält, ist schon was Feines – gell?! Und selbst wenn man zu diesem Zwecke die Siedlungspolitik Israels mal schnell zur Hand nimmt und diese – eh klar – als Sippenhaftungsgrund der gesamten Religionsgemeinschaft mal flott drüberstülpt … gell, proveeeeesa?!

Aufpassen proveeeesa: wenn mapem hin und wieder Zeit hat, schreibt er dir immer das dann drunter, was du nicht schreibst – aber hinterlistig sagst … gell, proveeeesa … mein kleiner latenter, weißt eh was, du ... weitermachen ...

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Lodengrün
20
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Du tust Dich halt schwer

anzuerkennen das die FPÖ, wie Herr Deutsch es formuliert, systematischen Antisemitismus betreibt. Jeder ihrer Politiker würde sofort einen Meineid ablegen es nicht zu tun. Dazu passt noch der Herr Mölzer (Negerkonglomerat) der überall auftritt und das Liederbuch quasi für Kindergarten tauglich erklärt. Der Historikerbericht bei dem dieser Herr auch mitarbeitet, ist eingeschlafen. Ich denke sie haben noch nicht das richtige Weichmacherprogramm gefunden. Die Siedlungspolitik mit deren zahlreichen westlichen Unterstützern (uh, wer mir da von unseren Politikern alles einfällt) ist zu verurteilen, ist und bleibt aber ein anderes Kapitel.

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schteirischprovessa
1
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Ich bin nur gegen jede Form der Pauschalierung,

für Respekt, auch gegenüber jenen, die eine andere Meinung haben, gegen Radikalismus, egal ob er rechten, linken, religiösen oder sonstigen Hintergrund hat. Dazu versuche ich, Dinge möglichst objektiv zu betrachten und sachlich zu bleiben (was aber auch nicht immer gelingt). Nicht mehr und nicht weniger.

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heri13
8
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Seit 4000 Jahren gibt es Antisemitismus.

Das wird auch jetzt nicht aufhören.

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