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Pro & ContraSpäte Abtreibung: Soll die aktuelle Regelung geändert werden?

Bei einer schweren körperlichen und geistigen Behinderung des Kindes dürfen Ärzte eine Schwangerschaft auch nach dem dritten Monat abbrechen. Eine Bürgerinitiative fordert nun eine Einschränkung dieser Regelung. Eine Unterstützerin dieser Petition und eine Gynäkologe beziehen dazu Stellung.

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Eine Bürgerinitiative fordert eine Änderung des Gesetzestextes zu Schwangerschaftsabbrüchen
Eine Bürgerinitiative fordert eine Änderung des Gesetzestextes zu Schwangerschaftsabbrüchen © (c) pressmaster - stock.adobe.com
 

Pro:

Wenn ich den Gesetzestext zur sogenannten eugenischen Indikation lese, läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken: Wie muss es den 1,4 Millionen Menschen mit Behinderung in Österreich gehen, wenn sie das hören oder lesen? Der Präsident des Österreichischen Behindertenrates, Herbert Pichler, selbst ein Betroffener, erzählte in einer Podiumsdiskussion, dass seine Behinderung „auf der Liste“ der Spätabtreibungsgründe zu finden sei. Der Gesetzestext besagt u. a., dass eine Abtreibung über die 3-Monats-Frist hinaus möglich ist, wenn „eine ernste Gefahr besteht, dass das Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt sein werde“. (StGB § 97, Abs. 1 Z 2 Fall 2).
Einerseits ist es erfreulich, dass wir uns wie nie zuvor um Inklusion bemühen und darum, dass Menschen mit Behinderung in die Mitte der Gesellschaft rücken; andererseits halten wir per Gesetz an einer himmelschreienden Ungleichbehandlung fest, indem wir ein Unwert-Urteil über diese Ungeborenen aussprechen und vor der schrecklichen Entscheidung stehen, welches Leben nun lebenswert ist und welches nicht.

Um mit einem Missverständnis aufzuräumen: Das Ende der embryopathischen Indikation bedeutet nicht, dass keine Spätabtreibungen mehr durchgeführt werden können. Die medizinische Indikation, also jene, bei der der physische wie auch psychische Zustand der Frau im Fokus steht, bleibt unangetastet. Es geht hier also nicht um eine generelle Abschaffung der Spätabtreibung, sondern um ein Ende der „Sonderregelung“ für Menschen mit Behinderung.
Damit machen wir eine gewichtige Aussage: Wir brechen eine Lanze für eine größere gesellschaftliche Akzeptanz und stellen uns gegen Ausgrenzung. Wir kommen zur Ruhe in unserem unermüdlichen Streben nach Perfektion in jeder Hinsicht – für uns selbst und für unsere Kinder. Wir überlegen uns als zivilisierte Gesellschaft andere Antworten auf (lebensbedrohliche) Krankheit und Behinderung als eine Todesspritze ins Herz. In Deutschland wurde die eugenische Indikation 1995 abgeschafft, was zu einer größeren Akzeptanz und zu einer Senkung der Zahl der Spätabbrüchen führte. In der Schweiz wurde sie nie eingeführt.
Gleichlaufend mit einer neuen Regelung müssen verstärkte Unterstützung und konkrete Hilfe für betroffene Eltern zur Verfügung stehen, auch nach der Geburt eines Kindes mit besonderen Bedürfnissen. Da müssen politische Weichen gestellt werden; aber auch wir, als Menschen, dürfen mithelfen und ermutigen, sodass niemand allein gelassen ist.

Kommentare (2)

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tenke
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Und die Sicht des Kindes?

Immer wieder steht das Argument der Abtreibungsgegner im Raum, dass doch behinderte Erwachsene so erschrocken reagieren würden, wenn "ihre" Einschränkung einen Schwangerschaftsabbruch möglich gemacht hätte und ihnen das Leben verwehrt hätte werden können.
Aber wie viele Menschen gibt es, die vielleicht genau einen solchen ihrem beschwerlichen Leben vorgezogen hätten?? Ich zumindest kann mir vorstellen, dass man sich nicht wünscht, so durchs Leben gehen zu MÜSSEN.

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onyx
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Freie Entscheidung

Ich habe den Eindruck so manchen Männern - und Frauen (!) - fällt es schwer den freien Willen der Frau zu akzeptieren.

Es wird so getan als sei Abtreibung eine harmlose Freitagnachmittag-Beschäftigung. Tatsächlich ist es ein operativer Eingriff und damit unangenehm und teuer.
Bei dieser Diskussion muss auch klar gemacht werden, dass die Verantwortung für ein Kind sich nicht auf Zeitraum Schwangerschaft und Geburt beschränkt sondern Auswirkungen auf das gesamte zukünftige Leben der betroffenen Frau hat. Manche von ihnen sind nunmal nicht imstande oder gewollt dieser Verantwortung nachzukommen da persönliche, materielle oder finanzielle Ressourcen fehlen.

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