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Caritas-Chef Beiglböck„Das Vertrauen zur Regierung ist beschädigt“

Der steirische Caritas-Direktor Herbert Beiglböck ringt um die Dialogfähigkeit mit allen, auch mit der FPÖ. Dem eigenen Auftrag müsse man treu bleiben. Das Gespräch führte Claudia Gigler.

Herbert Beiglböck © Juergen Fuchs
 

Die Rechtsberatung für Asylwerber wird verstaatlicht, im Vorfeld hat die FPÖ der Caritas „Profitgier“ unterstellt und angekündigt, der „Asylindustrie“ Grenzen setzen zu wollen. Tut das weh?

HERBERT BEIGLBÖCK: Das Ziel der Caritas ist nicht, möglichst groß zu sein, sondern dort, wo Not da ist, zu helfen. Die Rechtsberatung im Auftrag des Staates machen übrigens gar nicht wir, sondern vor allem Volkshilfe und Diakonie. Wir beraten aus eigenen Mitteln. Entscheidend ist, dass weiterhin gut beraten wird, darauf werden wir schauen.

Eine Art begleitende Kontrolle?

Ja. Wir kämpfen dafür, dass Menschen zu ihren Rechten kommen, so wie wir auch dafür eintreten, Unrecht zu benennen.

Die Volkshilfe sieht einen „Anschlag auf den Rechtsstaat“, die Regierung dränge systematisch die Zivilgesellschaft ab. Teilen Sie diese Einschätzung?

Es ist erkennbar, dass die Kräfte der Zivilgesellschaft zurückgedrängt werden. Wenn es gute, sachgerechte Lösungen geben soll, braucht es jedoch die Beteiligung möglichst vieler, mit ihrem Know-how, ihren Erfahrungen. Bei mehr Beteiligung hätten die jüngsten Gesetzesentwürfe vielleicht nicht so gravierende Mängel gehabt.

Zur Person

Herbert Beiglböck wurde 1960 in Hartberg geboren und studierte Theologie in Graz.

Er wurde 1984 Generalsekretär der Katholischen Jugend, 1993 Generalsekretär der Katholischen Aktion, 1997 Vize- Leiter des Bischöflichen Pastoralamtes, 2004 Wirtschaftsdirektor der Diözese, 2016 Caritas-Direktor.

Rund um das Jahr 2015 wurden die Caritas und andere Organisationen dringend gebraucht, um die Flüchtlingsbetreuung sicherzustellen. Ist das Verhältnis zum Staat noch in Ordnung?

Wir sind damals sehr gedrängt worden, und wir sind immer da, wo wir gebraucht werden. Eine faire und verlässliche Partnerschaft braucht aber Vertrauen, dieses Vertrauen ist im Augenblick beschädigt. Man handelt auf Zuruf und verlässt sich auf Vereinbarungen. Künftig werde ich darauf achten, dass es schriftliche Vereinbarungen gibt.

Ein Fünftel der Mittel geht derzeit in Asyl und Integration. Wie viel wird es künftig sein?

Wir werden schrumpfen, aber wir werden dranbleiben, weil wir den Auftrag haben, von unserem Verständnis vom Evangelium her, für Flüchtende da zu sein. Unabhängig von staatlichen Aufträgen werden wir Menschen einen Ort geben, an dem sie leben können, diese Menschen begleiten und beraten.

Der Ton macht die Musik: Ex-Raiffeisen-General Konrad hat die FPÖ-Akteure „Rotzbuben“ genannt.

Die gesellschaftliche Debatte spitzt sich zu, verstärkt auch durch die modernen Kommunikationsformen. Das Miteinander tritt zurück und es wird eine harte, polarisierende Debatte geführt. Wir müssen lernen, die richtigen Tonlagen zu finden, auch als Caritas. Wir müssen unserem Auftrag treu bleiben, aber gleichzeitig die Dialogfähigkeit zu möglichst vielen Kräften erhalten. Das ist ein Lernprozess.

Müssen Sie damit leben, dass die FPÖ die Caritas weiter angreift, um ihre Oppositions-DNA zu erhalten, wie es Politologe Thomas Hofer formulierte?

Wenn die FPÖ uns braucht, um ihr Profil zu schärfen, können wir das nicht verhindern, aber viel wichtiger ist es, um sachliche Lösungen zu ringen. Man kann kurzfristig mit starken Sprüchen punkten, aber das wird die Entwicklung der Gesellschaft nicht weiterbringen.
Hätten Sie sich von der ÖVP mehr Rückendeckung erwartet?
Auf Gemeinde- und Landesebene ist das leichter. Da haben wir zu allen Parteien eine Gesprächsebene, da gelingt auch vieles. Mit Sorge stellen wir fest, dass diese Gesprächsfähigkeit derzeit auf Bundesebene nicht so leicht herzustellen ist.

Die steirische Caritas

2100 Angestellte zählt die steirische Caritas, dazu rund 6000 freiwillige Helfer.

50 Prozent der Aktivitäten beziehen sich auf die Pflege. Geringer als im Bundesschnitt ist der Aufwand für Flüchtlinge, höher, mit 32 „Carla“-Läden in der ganzen Steiermark, der Aufwand für Beschäftigungsprojekte.

Gewinne fließen zur Gänze zurück in Sozialprojekte.

Machen Sie Politik oder agieren Sie im Auftrag der Politik?

Wir sehen uns schon als politischer Akteur. Nicht im Sinne von Parteipolitik, aber im Gestalten einer Gesellschaft, in der möglichst viele Menschen ein möglichst gutes Leben haben. Wir wollen eine Gesellschaft gestalten, wo das Miteinander im Vordergrund steht und möglichst wenige Menschen auf der Strecke bleiben. Da sind wir uns auch sicher, in der Spur des Evangeliums zu sein, einen Auftrag zu haben.

Macht es einen Unterschied, dass CSU und CDU das Christliche im Namen führen, die Volkspartei jedoch nicht?

Die Deutschen führen ganz ähnliche Debatten wie wir. Dort wird aber vielleicht noch mehr darüber nachgedacht, wie Politik gelingen kann. Wir setzen zu sehr, das gilt für alle, manchmal auch für die Kirche, auf Marketingabteilungen und haben das Nachdenken vernachlässigt. Wir müssen wieder mehr um die richtigen Wege kämpfen.

Ist eine Entwicklung umkehrbar, die dazu geführt hat, dass der „Gutmensch“ zum Schimpfwort, die „Willkommenskultur“ zur Bedrohung wird?

Nichts ist unumkehrbar. Die Gesellschaft wird von einzelnen Personen geprägt. Wir werden bald sehen, welche negativen Auswirken sich aufbauen in unserer Gesellschaft, wenn wir das Gegeneinander zulassen und ein großes Maß an Hartherzigkeit gewissermaßen anerkennen, wie es Intendant Markus Hinterhäuser gesagt hat. Wir werden merken, dass viele von uns betroffen sind, und es wird eine Trendwende geben. Gesellschaft lebt von Wellen, und wir werden bald wieder eine Welle haben, wo deutlich wird, dass wir nur gut miteinander Zukunft gestalten können, wenn wir auch aufeinander schauen.

Kommentare (1)

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BernddasBrot
0
6
Lesenswert?

Mehr Privat als Staat

oder doch mehr Staat als Privat.....hängt also vom Wind ab....

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